Die Arten(kenner)-Serie: Die Äskulapnatter

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich sie nun auch hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Äskulapnatter!

Nattern – manche einen erfüllt nur das Wort schon mit Schrecken. Warum? Manfred Drobny kann da nur rätseln: „Das fragen wir uns auch immer“, sagt er; das „Wir“ ist in diesem Fall die Mitglieder der Arbeitsgruppe Äskulapnatter, erklärt der Biologe, der sich aktiv beim Bund Naturschutz in Freising engagiert. „Es ist wohl traditionell bedingt, von dem Bild aus Märchen, etwa“, so der 59-jährige Artenkenner. Und so reagieren manche negativ-panisch – oder: positiv-staunend.

Sehr positiv muss das Gefühl gewesen sein, als der junge Drobny mit etwa 15 Jahren das allererste Mal einer Äskulapnatter begegnet ist. Er war schon damals viel in der Natur unterwegs, erst mit der Familie beim Schwammerlsuchen, dann in Vereins-Jugendgruppen, und hat die Natur von klein auf als etwas erlebt, „wo es einfach viel zu entdecken gibt“. So kam es zu einer positiven Erstbegegnung zwischen Drobny und der Natter. Seitdem begleitet sie ihn durchs Leben, fachlich wie privat. „Sie ist ein faszinierendes Tier, ausgesprochen elegant“, schwärmt Drobny. Sie ist unsere größte heimische Schlangenart, bei uns wird sie normalerweise etwa 1,40 Meter lang. Heimisch ist sie im Osten Bayerns, von Passau über Burghausen bis nach Salzburg. Dort kann man sie mit Glück auch mal sichten, draußen in der Natur – aber vielleicht auch im eigenen, naturnahen Garten. Zum Beispiel an einem sonnigen, aber nicht zu heißen Tag; nach neun Uhr morgens und vor sechs Uhr abends („Sie ist recht gemütlich“, erzählt Drobny schmunzelnd); auf einem Stein oder einem Ast. Einem Ast? Ja: Sie kann praktisch senkrecht einen Baum hinaufklettern, mit ihren rauen Schuppen hakt sie sich in die Rinde ein.

Den Winter verbringt sie in einem ruhigen Quartier; das kann ein Hohlraum in einem alten Schuppen sein oder auch der Komposthaufen. In dem legt sie gerne ihre Eier ab, die frisch geschlüpften Jungen verbleiben dann ab und an auch den Winter über dort. Also: Kompost erst im April umschichten! Aber, keine Angst, falls sie einem doch unterkommt: Die Äskulapnatter ist völlig harmlos, sie ist ungiftig, eine Würgeschlange. Sie beißt höchstens mal zu; aber nur aus Selbstverteidigung, etwa einen Artenkenner, der sie nehmen und genauer ansehen will. Den wiederum stört das nicht: „Das sind nur ganz kleine Kratzer, als ob man in Brombeeren hängengeblieben wäre“, sagt Drobny. An uns stört sie dagegen so einiges: neue Siedlungen und Straßen gefährden ihren Lebensraum; auf angenehm erwärmten Teer-Straßen wird sie überfahren; und an der Böschung am Straßenrand sind Mähmaschinen ihr sicherer Tod. Denn die Äskulapnatter flieht nicht vor Gefahr; nein, sie vertraut voll auf ihre Tarnung. Offenbar kennt sie im Gegensatz zu uns keine Angst – die arme.

Mehr zur Arbeit von Manfred Drobny und seiner Kreisgruppe des Bund Naturschutz gibt es auf der Internetseite https://freising.bund-naturschutz.de/.

(Bildquellen Fotos: Manfred Drobny)

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Mopsfledermaus

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich sie nun auch hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Mopsfledermaus!

Die „Mopsfledermaus“ ist nicht etwa eine seltsame Kreuzung aus zwei artfremden Tieren – sondern es ist eine Fledermaus, die aussieht wie ein Mops. Zumindest im Gesicht. Wer ein Foto von ihr genauer betrachtet, kann das wirklich nicht bestreiten: schwarz eingefärbtes Fell, runde Kulleraugen, platt gedrückte Nase, leicht muffiger Gesichtsausdruck. Den kann man sich mit etwas Fantasie so erklären, dass die Mopsfledermaus grantig darüber ist, dass sie ausstirbt. „Ihr geht es wirklich nicht gut“, sagt Sandra Pschonny, Artenkennerin aus Freising. „In Deutschland ist sie stark gefährdet.“ Dabei ist die Mopsfledermaus für uns Deutsche eine „Verantwortungsart“: Das heißt, wir haben die Verantwortung dafür, dass sie nicht ausstirbt, denn es geht ihr weltweit nicht gut, doch bei uns gibt es noch einige Vorkommen. Bei Freising etwa, dort lebt Sandra Pschonny, und auch deshalb liegt ihr die Art am Herzen.

Zu der Fledermaus gefunden hat die 26-Jährige in ihrem Studium, ihre Masterarbeit hat sie über Fledermauskästen geschrieben. Die können der Mopsfledermaus ein wenig helfen, in Gegenden, wo sie sowieso schon lebt, es aber zu wenig Schlafplätze für sie gibt: Denn sie lebt nur in Wäldern und schläft nur in Totholz, stehendes Totholz wie abgestorbene Bäume. Sie liebt es, sich dort unter die Rinde eines toten Baumes zu quetschen, zusammen mit bis zu 20 Artgenossen, und dort eng zusammengekuschelt den Tag zu verbringen. Ob daher die eingedrückte Nase…? Nun, erwiesen ist das nicht. Erwiesen ist aber, dass es solches Totholz, ihren Lebensraum also, immer seltener gibt, wie auch ihre Winterquartiere. Den Winterschlaf verbringt sie nämlich nicht eingequetscht unter Rinde, sondern unterirdisch: entweder in natürlichen Höhlen oder in verlassenen Bunkern oder Stollen. Dort hängt sie dann den ganzen Winter herum. Wortwörtlich. Wie das geht, im Schlafen hängen? „Sie hat eine Art Mechanismus an den Füßen, der rastet einfach ein, wenn sie sich daran hängt – und dann kostet es sie praktisch keine Kraft mehr“, erklärt die Expertin.

Wer auf der Seite der kleinen Kuschelfledermäuse ist, sollte sich an den Anblick toter Bäume gewöhnen. Denn, so Pschonny: „stehendes Totholz hilft!“ Also: abgestorbene Bäume stehen lassen – und an die unter der Rinde knuddelden Möpschen denken.

(Bildquellen: Sandra Pschonny)

Übrigens: Die Mopsfledermaus auch noch zu Fledermaus der Jahre 2020-21 gewählt!
https://www.nabu.de/news/2020/01/27502.html

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Uhu

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich sie nun auch hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Uhu!

Wenn man sich im Herbst spätnachmittags aufmacht an einen bayerischen Fluss, etwa an den Lech, dort in der Abenddämmerung entlangwandert, und man dann, wenn sich am gegenüberliegenden Flussufer ein Steilhang auftut, stehenbleibt und horcht – dann kann man ihn hören. „Uuuuh“, hört man dann, vielleicht sogar „uuuuhu“, wenn man ganz nah dran ist, und dann weiß man: Hier lebt also ein Uhu. Genauer gesagt ein Paar. Denn die Uhus bleiben sich ein Leben lang treu, wie auch ihrem paar-eigenen Brutplatz. Sehen wird man sie aber leider nicht, das ist ein Ding der Unmöglichkeit für Laien, sagt Günter von Lossow. Der muss es wissen, denn der 62-Jährige ist seit Jahrzehnten Artenkenner.

Als er mit sechs Jahren mit seinen Eltern am Waldrand spazieren war und plötzlich einem Waldkauz gegenüber stand, der ihn, direkt auf Augenhöhe, anstarrte, da war es um ihn geschehen. Seitdem ist er Eulen- und damit auch Uhu-Experte. „Doch selbst für mich ist es noch etwas Besonderes, einen Uhu zu sehen“, sagt der Garmisch-Partenkirchner. „Sie können sich einfach so gut tarnen.“ Einmal ist er eine Stunde lang um einen Baum herumgewandert, hat den Uhu oben im Wipfel gehört – aber gesehen hat er ihn nicht: „Sie werden praktisch unsichtbar.“

Genau dieses Besondere, Schwierige, reizt Günter von Lossow am Uhu. Der Diplomingenieur für Landespflege FH versucht seit Jahren, den Bestand der Uhus zu überprüfen. Was kompliziert ist, denn vordergründig geht es den Uhus gut, schließlich gibt es derzeit etwa 450 bis 550 Paare allein in Bayern. Aber: Der Bruterfolg ist nicht gut. Denn Uhus sind Bodenbrüter. Sie brüten im Winter, Januar bis März, und sobald sich Spaziergänger, Wanderer oder Forstarbeiter der Nische nähern, muss die Mutter das Nest verlassen – und die Eier oder die Kleinen sind sofort der Eiseskälte oder gar hungrigen Füchsen ausgeliefert. Und auch den älteren drohen mehrere Gefahren: Stromleitungen, Autokollisionen oder Vergiftungen; etwa durch vergiftete Mäuse. Wenn dann noch der Nachwuchs fehlt – schon schrumpft der Bestand wieder eklatant.

Also: Ab Januar den Steilhängen an Flussufern möglichst fernbleiben. Im Herbst darf man nach dem Uhu Ausschau halten. Beziehungsweise horchen. Denn dann ist er auf Herbstbalz. Balz? Das Paar bleibt doch ein Leben lang zusammen? Stimmt. Doch der treue Uhu will seine Geliebte dann erneut davon überzeugen, dass er der einzig richtige für sie ist – jedes Jahr wieder.

Mehr Infos zum Uhu gibt es hier:
https://www.lbv.de/ratgeber/naturwissen/artenportraits/detail/uhu/

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Wanze

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich sie nun auch hier auf meiner Website.

Heute geht es um: eine Wanze!

Es ist kein ganz einfacher Name, doch Klaus Mandery geht er ganz leicht von der Zunge: „Essigrosen-Dickfühlerweichwanze“. Kein Wunder, denn Klaus Mandery hat den Namen selbst erfunden. Er war derjenige, der jene Essigrosen-Dickfühlerweichwanze neu entdeckt hat in Deutschland, per Zufall, nachdem sie über 75 Jahre verschollen war. „Natürlich dachte jeder, sie sei ausgestorben“, erzählt Mandery. Doch dann war er, promivierter Biogeograph, pensionierter Biologie-Lehrer und versierter Experte in Sachen Bienen und Wespen, 2011 unterwegs auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Ebern (Landkreis Haßberge), auf der Suche nach Rüsselkäfern. Die Suche war erfolgreich, alles erledigt, Mandery wollte schon heim, doch dann strich er noch ein einziges Mal mit seinem Trockenkescher über die Essigrosen, blickte hinab in sein Netz und staunte: Sieben kleine Viecher sah er da. Ihm völlig unbekannte Viecher.


„Erstaunlich“, war das, betont Mandery heute. Dabei hat er schon einiges in der Natur erlebt, schließlich ist er seit Jahrzehnten Artenkenner. Schon als Kind war er unterwegs im Wald, Pilze sammeln. Seitdem ist Mandery in der Natur, als Schwammerlsucher, als Vogelkundler, zwischendurch hatte ihn die Botanik gepackt, schließlich die Insekten. „Als Artenkenner hat man ein Grundinteresse an allen Lebensvorgängen“, sagt der 70-Jährige. „Wir sind Leute, die sich in der Natur breit auskennen.“ Doch diese kleinen Viecher, die erkannte erst einmal niemand. Mandery musste sich ins Internet begeben, in Foren suchen – bis endlich ein Spezialist feststellte: Die Wesen heißen „Excentricus planicornis“ und kommen eigentlich nur noch im Mittelmeerraum vor.

Exzentrisch, ja, so sehen sie auch aus, mit ihren blutroten Fühlern. „Sie sind grazil, sehr ästhetisch, einfach toll“, schwärmt Mandery. Und: sehr selten. Doch in Ebern fühlen sie sich wohl, auch heute noch. Denn Mandery versah die Wanze nicht nur mit einem deutschen Namen, er machte sich auch daran, sie bekannter zu machen und ihre Heimat zu schützen: die Essigrosen. Die Herrschaften leben offenbar ausschließlich dort. Mittlerweile wird die Wanze erforscht. Und ein Informationsparcours wurde der Wanze gewidmet, „Rosi“ heißt er. Nach seiner Namensgeberin – „Rosi“ ist nun ihr Spitzname.

(Bildquellen: Foto Wanze: Harald Ostrow; Foto Mandery: privat)

Mehr zu Rosi und dem Informationsparcours gibt es hier:
https://www.ebern.de/index.php/freizeitangebote/12-fokus-tourismus/459-unterwegs-mit-rosi

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Lachmöwe

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich nun auch einige Folgen hier auf meiner Website.

Es geht also los mit: der Lachmöwe!

Das Leben als Artenkenner ist wunderbar; wenn man etwa stundenlang einsam durch den Wald wandert und dann endlich eine seltene Tierart findet. Es ist aber auch: anstrengend. Das weiß Philipp Herrmann. Der Vogelexperte aus Landshut plädiert deshalb für einen einfachen Zugang zur Natur und den Arten. Etwa zur Lachmöwe. Kennt jeder, hat jeder schon gesehen – klar, sogar in der Stadt leben die. Aber, Achtung, erster Aha-Effekt: nur im Winter. Denn, zweites Aha: Unser Bayern ist gar nicht deren Heimat, nein, sie kommen von weit her, auf Winterflucht sozusagen. Und woher genau? Das kann man nun ganz einfach durch ein Projekt des 37-jährigen Artenkenners herausfinden. Viele Möwen werden im Heimatland mit einem Ring zur Wiedererkennung ausgestattet; und wer in seiner Stadt eine solche Möwe mit Ring am Bein sieht, kann sie fotografieren und an Herrmann schicken. Der kann dann wiederum sagen, wo der Vogel genau herkommt. Also: wieder Aha. Ganz einfach interessante Details über die Tierwelt erfahren – mit solchen Aktionen könnte sich die Zahl der Naturbegeisterten wieder langsam erhöhen, hofft Herrmann.

Denn er selbst hat es am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn man einsam auf weiter Flur ist mit seiner Leidenschaft. Schon als kleines Kind pirschte er durch die Wälder rund um sein Heimatdorf, samt Vogelbuch und Fernglas. Doch Gleichgesinnte zu finden war schwierig: Gleichaltrige verdrehten nur die Augen, und die „echten“ Artenkenner in der Nähe waren quasi uralt. Philipp Herrmann musste sich also allein durchschlagen. Aber er hat nicht aufgegeben. Mittlerweile ist er als Vogelstimmenexperte bekannt, arbeitet für den Naturschutz, und das Möwen-Erkennungsprojekt namens „Landshuter Lachmöwen“ war seine Idee. „Die Lachmöwe ist ein Wildtier, das vollkommen freiwillig zu uns Menschen kommt“, erklärt Philipp Herrmann. „Das ist doch wirklich spannend.“ Wie auch die Ergebnisse des Projekts. Herrmann hat dadurch festgestellt, dass die Möwen hier bei uns in der Fremde gemischte Gruppen bilden: Da sitzt die litauische Lachmöwe jeden Tag wieder am selben Platz, und zwar neben polnischen, tschechischen oder ungarischen Gefährten. Ganz harmonisch. Ein echtes Vorbild in Sachen Völkerverständigung, dieser Vogel. Dafür aber nicht in Sachen Humor, erklärt Vogelexperte Herrmann: Der Name kommt vom Begriff ,Lache‘, also Pfütze, denn am Wasser hält sie sich gerne auf – und nicht vom Lachen. Aha!

(Bildquellen: Foto Lachmöwe: Philipp Herrmann; Foto Herrmann: Markus Mayer)

Mehr Infos zum Lachmöwenprojekt gibt es auf der Seite www.dervogelphilipp.de oder unter dervogelphilipp@gmail.com.

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: die Wechselkröte

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Wechselkröte!

Es ist wohl Ansichtssache, das Aussehen der Wechselkröte. Julia Wittmann findet sie schön: „Mir gefällt das Muster sehr gut“, sagt die 29-jährige Artenkennerin aus Freising. „Es ist ein Tarnmuster, wie Camouflage.“ Ja, wenn man etwas genauer hinsieht, dann wirken die grün-schimmernden Flecken tatsächlich beeindruckend. Dafür muss man aber zunächst einmal die Warzen und das schleimige Äußere geistig beiseite schieben. Tja, viele andere Menschen würden beim Anblick einer so „ekligen“ Kröte wahrscheinlich schockiert den Rückzug antreten. „Dabei können sie uns nichts tun, sie sind nicht giftig“, erklärt Julia Wittmann. Im Gegenteil: „Sie haben Angst vor uns, sie laufen weg und verstecken sich.“

Julia Wittmann weiß das aus Erfahrung, sie ist Gebietsbetreuerin des Landschaftsparks Ottobrunn. „Hier leben etwa 25 adulte Paare, das ist ein ganz gutes Vorkommen“, sagt die Expertin. Denn die Kröte stirbt aus; in Bayern ist sie fast nur noch im Donautal und im Großraum München zu finden. „Früher lebte sie an Flüssen, doch seit die reguliert sind, sind sie nichts mehr für sie“, sagt Julia Wittmann. Nun ist sie an Kiesgruben oder Brachflächen zu finden, sie mag steppenähnliche Landschaften, wie in der Münchner Schotterebene. Zudem aber braucht sie fischfreie Tümpel, für ihre Fortpflanzung: Dort legt sie die Laichschnüre ab, aus denen die Kaulquappen schlüpfen. An genau den Laichgewässern hapert es jedoch derzeit in Ottobrunn, derzeit behelfen sich die Kröten mit Pfützen. Manchmal muss Julia Wittmann die Laichschnüre dann umsiedeln, damit sie überhaupt eine Überlebenschance haben, bevor die Pfützen austrocknen. Dabei hat das Landratsamt München schon die Einrichtung von Tümpeln angeboten – doch „die Gemeinde will anscheinend keinen“, sagt Julia Wittmann. Warum? Das weiß sie nicht so genau. Der Nachbar Unterhaching dagegen hat seinen Teil des Parks schon vor über 20 Jahren zum „Landschaftspark Hachinger Tal“ umgewandelt, ein Naherholungsgebiet für Menschen samt Flächen für die Natur.

Vielleicht muss man sich also beeilen, um die Tierchen noch zu erleben. Derzeit befinden sie sich jedoch im Winterschlaf. Darüber weiß man nicht viel. Aber: Sollten Sie ein Haus in Ottobrunn haben, ganz in der Nähe des Parks, samt Keller, dann erschrecken Sie nicht zu sehr, wenn sie eine reglose Kröte darin finden. Begutachten Sie sie einfach bewundernd – und lassen Sie sie dann einfach weiterschlafen.

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Gartenschläfer

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Gartenschläfer!

Mit der schwarzen Maske im Gesicht erinnert er ein klein wenig an Zorro, den Rächer der Armen – wäre da nicht dieses außerordentlich putzige Aussehen, wie eine kuschelige handgroße Maus. Und die sehr entspannte Lebensführung. Der Gartenschläfer schläft, wie der zweite Teil des Namens schon vermuten lässt, recht viel: den gesamten Winter hindurch. Dagegen ist der erste Teil des Namens zumindest bei uns in Bayern irreführend, denn nur in den westlicheren Bundesländern ist er in Gärten aufzufinden, in unseren östlichen Gefilden treibt er sich eigentlich nur noch „in den Mittelgebirgen herum, in hohen Lagen“, erklärt Uwe Friedel, Artenkenner aus Altdorf bei Nürnberg. „Dabei war er vor etwa 30 Jahren noch relativ weit verbreitet, auch in Oberbayern“, sagt der 42-jährige Geoökologe. „Doch die Bestände gehen wirklich drastisch zurück.“

Warum das so ist? Das weiß leider niemand. Bisher. Doch der Bund Naturschutz hat nun eine Gartenschläfer-Suche gestartet, bei der Bürger melden sollen, wenn sie solch einen seltenen Gesellen sichten. Wobei das gar nicht so wahrscheinlich ist, schließlich ist er erstens nachtaktiv und sollte zweitens zu dieser Jahreszeit schon sicher in seinem Winterschlaf-Nest liegen, die Körpertemperatur heruntergefahren von 37 auf 35 Grad, den Herzschlag heruntergefahren von 350 mal auf 2 mal pro Minute. Leider ist also derzeit die wahrscheinlichste Variante, dass die Hauskatze einen getöteten Gartenschläfer herbei schleppt. Doch auch dann heißt es: ihn melden! Auch diese Hinweise helfen den Forschern weiter.

Denn sie tappen wirklich komplett im Dunkeln, nicht nur, was sein Vorkommen betrifft, sondern auch, was sein Aussterben betrifft. Er scheint so anpassungsfähig zu sein, frisst er doch praktisch alle Insekten, Käfer, Spinnen und Schnecken, lässt sich in Felsspalten, Baumhöhlen, Nistkästen, wilden Gartenecken nieder, in höheren wie niederen Lagen, und sogar – wie in Wiesbaden etwa – in Stadtgebieten. Was es also ist, das ihm das Überleben so schwer macht, ist völlig unklar.

Und die Zorro-Maske? Für was ist die nun gut? „Wir suchen immer nach einem Sinn und Zweck“, sagt Uwe Friedel schmunzelnd. „Dabei muss nicht alles in der Natur einen Sinn haben. Singvögel singen etwa auch mal nur so, zum Spaß.“ Und der Gartenschläfer hat eben eine schwarze Maske auf. Muss man einfach so hinnehmen.

(Bildquelle Foto Gartenschläfer: Sven Buechner)

Die Meldestelle findet man unter https://www.meldestelle.gartenschlaefer.de/start.

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.