Die Arten(kenner)-Serie: Der Bluthänfling

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Bluthänfling!

Bluthänfling. Noch nie gehört? Nun, das ist auch „nicht gerade der bekannteste Vogel“, sagt Moritz Kirchner. Aber: „Eine sehr interessante Art.“ Denn der nette kleine Vogel ist eine der am stärksten zurückgegangenen Arten in ganz Deutschland, erklärt der Artenkenner, in den vergangenen Jahrzehnten ist die Art um die 70 Prozent zurückgegangen. Noch vor 30, 40 Jahren war er ein „Allerweltsvogel“, sagt Kirchner, wie der Spatz – heute aber ist er kaum noch zu finden. In Bayern ist er etwa stark gefährdet. Warum? Weil er all das liebt, was in der heutigen Landwirtschaft mit den Monokulturen immer mehr verloren geht: allen voran Hecken und Büsche, die sind sein Lebensraum, und krautige Pflanzen, Samen und Körner sind seine Nahrung. „Er ist somit symptomatisch für das Aussterben der Kulturlandschaften“, erklärt Kirchner.

Der 19-Jährige ist eigentlich Medizinstudent in Regensburg, doch sein Hobby ist schon seit Jahren die Artenkenntnis. Er hat sich das Wissen rund um die Arten selbst beigebracht, als Jugendlicher hat er sich einfach ein Vogelbuch geschnappt, die Wesensmerkmale auswendig gelernt – und dann die Vögel draußen in der Natur beobachtet. Heute noch sind sie sein Lieblingsgebiet, „es ist einfach ein derart reichhaltiges Thema“. Um etwa den Bluthänfling zu finden, muss man ein wenig suchen. Er ist nur noch „lückig verbreitet“, so heißt es in der Fachsprache, was bedeutet: Es gibt ihn eigentlich „nirgendwo gar nicht“, erklärt Kirchner, aber man muss eben ein wenig Geduld haben, um ihn zu entdecken.

Eigentlich waren die strukturreichen Agrarlandschaften seine Heimat, seit die immer weniger werden, ist er auch auf Friedhöfen, Parks und großen Gärten zu finden. Um ihn zu orten, könnte man sich seinen Gesang einprägen, den man im Internet nachhören kann, „er hat ein sehr variables Gezwitscher“, so Kirchner; oder, noch einfacher: Man hält Ausschau nach einem etwa 13 Zentimeter großen Finken-Vogel mit blutroter Brust. Die haben zumindest die Männchen und sind daran leicht zu erkennen. Daher hat der Vogel auch seinen Namen: „Blut“-Hänfling. Der „Hänfling“ dagegen kommt wohl von den Hanfsamen, die er wahnsinnig gerne ist, wie auch jegliches Unkraut. Man tut ihm also ein Gefallen, wenn man einen Teil des Gartens, sofern man einen großen besitzt, einfach nicht jätet, und Sauerampfer, Löwenzahn, Beifuß oder Disteln stehen lässt. Der Bluthänfling bedankt sich dafür – mit seinem wunderbaren Gesang.

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Storch

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich nun auch einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Storch!

Foto: LBV/Christoph Bosch

„Auf uns’rer Wiese gehet was, watet durch die Sümpfe. Es hat ein weißes Röcklein an, trägt auch rote Strümpfe.“ Wer kennt dieses Lied nicht, diesen Gassenhauer des Dichters August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der durch seine Kinderlieder bekannt wurde, darunter Hits wie „Summ, summ, summ“, „Alle Vögel sind schon da“ – und eben das Storchenlied. Was in dem Lied nicht erwähnt wird, wir aber trotzdem alle wissen: Der Storch bringt auch die Babys.

„Der Storch gehört zu unserer Kultur einfach dazu, und so wurden ihm Eigenschaften dazu gedichtet“, bestätigt Oda Wieding, die Storchenexpertin des Landesbund für Vogelschutz (LBV) aus Hilpoltstein (Kreis Roth). Vermutlich weil er als Zugvogel jedes Jahr im Frühling zu uns zurückkehrt, war er einst ein Begleiter der Frühjahrsgöttin und kam so in Verbindung mit der Fruchtbarkeit, erzählt Oda Wieding. Doch sein guter Ruf war ihm kein wirklicher Schutz: „Nur weil wir ihn mögen, heißt das leider nicht, dass wir auf ihn Rücksicht nehmen“, sagt die 55-jährige Diplom-Biologin. Da musste er schon unter Naturschutz gestellt werden und das Entfernen der Nester streng verboten werden; erst wegen dieser Maßnahmen hat sich der Storch in Bayern wieder erholt.

Und wegen seinem Pragmatismus: Der Storch ernährt sich tatsächlich nicht nur von Fröschen, sondern er verspeist so ziemlich alles, von der Maus bis zum Fisch; aber er würgt das alles nur runter, deshalb braucht er für die Fütterung der Jungen Kleintiere wie Insekten oder Regenwürmer. Außerdem hat er mittlerweile sein Winterquartier verlegt, vom trockenen Afrika auf das nähere Spanien; dort findet er in den feuchten Reisfeldern jede Menge Fressen. Jetzt, schon seit Februar, kehren die Störche wieder zu uns zurück. Und zu ihren Nestern. Gerne nehmen sie dasselbe vom vergangenen Jahr, wenn die Brut erfolgreich war. (Wie auch dieselbe Partnerin, wie gesagt, sie sind sehr pragmatisch: Man kennt sich, es hat funktioniert, also geht man eben noch eine Saisonehe ein.) Oder sie bauen mal eben ein neues; in drei Tagen ist das fertig. Also sollte man derzeit ruhig mal einen Blick auf das eigene Dach werfen, vielleicht hat sich dort ein Storch häuslich eingerichtet? Wenn ja, dann heißt es: Den Storch einfach in Ruhe lassen – und seine Anwesenheit genießen. Den Störche bringen nicht nur die Babys, sondern auch: das Glück.

Oda Wieding, Storchenexpertin. (LBV/Nina Meier)

Mehr Infos gibt es auf der Seite lbv.de, einfach nach „Storch“ suchen. Dort gibt es auch eine „Storchenhorstkarte“, auf der sämtliche Nistplätze in Bayern eingetragen sind.

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Wildkatze

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich nun auch einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Wildkatze!

Eigentlich sieht sie aus wie eine ganz normale getigerte Hauskatze, vielleicht ein bisschen flauschiger. Doch die Wildkatze ist keine „wilde Hauskatze“, betont Jürgen Thein. Es ist eine vollkommen eigene Art, die seit über 300 000 Jahren hier heimisch ist; die Hauskatze dagegen ist eine Nachfahrin der nordafrikanischen Wildkatze, eingeschleppt von den Römern. Wir Laien können die beiden Katzenarten aber ganz einfach unterscheiden: Die eine sehen wir – und die andere nicht. „Die Wildkatze lebt wirklich sehr heimlich“, sagt Thein. Er ist der Wildkatzen-Experte in Bayern. Früher war er mal Bankkaufmann, wurde dann Biologe, interessierte sich dabei für Amphibien – und landete dann, ganz plötzlich, bei der Wildkatze. 2004 war das.

Denn seit Anfang des 20. Jahrhunderts galten die Wildkatzen in Bayern als ausgestorben, doch hundert Jahre später hegte man den Verdacht, dass sie langsam wieder zurückkehren, und Thein sollte sie finden. Doch wie ein Tier finden, dass sich nie blicken lässt; und wenn man eines erblickt, weiß man auch nicht, ob es nicht doch die schnöde Mieze aus dem Nachbardorf ist? Lange Zeit hatte man nur dann einen Beweis, wenn man ein totes Tier fand und es genetisch untersuchen ließ. „Doch das ist ja das einzige, was man nicht will“, betont Thein. Bis ein Artenkenner eine geniale Methode entwickelte: mit Baldrian, der Droge aller Katzen. „Katzen werden von Baldrianduft extrem verführt“, sagt Thein, „sie fallen gar in eine Art Trance.“ Schön für die Tiere – und schön für die Forscher. Denn die rammen nun einfach Dachlatten in den Boden, die sie mit Baldrian besprühen. Wenn die Katze sich wild an dem rauen Brett reibt, bleiben Haare samt Haarwurzeln samt Genmaterial zurück. So können die Forscher nun die Tiere wissenschaftlich nachweisen, und mittlerweile auch ihre Rückkehr nach Bayern. In Theins Forschungsgebiet, den Haßbergen, fand er 2007 ein erstes Tier; inzwischen leben dort nachgewiesenermaßen 50 verschiedene Tiere.

Warum sie wiederkommen? Weil sich die Wälder wieder verändern, es findet ein Umdenken statt. „Lange Zeit wurden die Wälder quasi besenrein hinterlassen“, erklärt Thein. Eine Katastrophe für die Wildkatze, denn sie braucht Verstecke für sich und ihre Jungen; Reisighaufen, verlassene Höhlen, ausgefaulte Baumstämme. Dann fühlt sie sich wohl, und mit ihr viele andere Tiere: „Die Wildkatze ist eine Schirmart“, erklärt der Experte. „Helfen wir ihr, dann helfen wir ganz vielen anderen Arten mit im Schlepptau.“

(Bildquellen Fotos: Thomas Stephan, Bund Naturschutz/Archiv)

Wer eine Wildkatze gesehen hat, kann dies dem Bund Naturschutz melden unter: www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/wildkatze/aktiv-werden

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Eisvogel

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich nun auch einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Eisvogel!

Wenn man ihn sieht, dann weiß man sofort: Das hier ist etwas ganz Besonderes. Der Eisvogel ist einfach beeindruckend. Diese Farben, dieses Gefieder! Glänzend, leuchtend, blau und orange. Daher kommt wahrscheinlich auch sein Name, aus der Richtung „Eisblau“, oder aus der Richtung „eisan“, ein altes Wort für „glitzernd, glänzend“. Früher wurde der Vogel auch „Eisenkeil“ genannt, wegen der Figur, die er beim Fischen macht: Er stößt quasi senkrecht hinab ins Wasser, die Flügel angelegt, mit dem langen Schnabel voran. Der ist geradezu „überdimensional“ sagt Ralph Sturm.

Der 51-Jährige ist hauptberuflich Lehrer, doch seine Leidenschaft gilt der Naturfotografie. Schon von Kindesbeinen an war er ständig in der Natur und hat sich als Autodidakt einiges beigebracht. Derzeit schreibt er an einem Buch, das im Herbst erscheinen wird: über den Eisvogel. Der hat den Straubinger schon immer fasziniert. „Es war ein unvergessliches Erlebnis, als ich ihn das erste Mal gesehen habe.“ So außergewöhnlich sieht der Eisvogel aus, und das ist auch kein Wunder, denn: „Der Eisvogel kommt eigentlich aus den Tropen und ist hier bei uns der einzige Vertreter der tropischen Regionen. Und er überwintert hier sogar.“

Dabei hat es der tropische Vogel verständlicherweise nicht leicht. „Im Winter hat er extreme Verluste, bis zu 60 Prozent“, berichtet Sturm. Um diese auszugleichen, produziert der Eisvogel in der Brutzeit von Mai bis August quasi am laufenden Band Junge. Für die Aufzucht gräbt er Röhren in die Uferböschung; was ihm heutzutage wegen der verfestigten Böschungen oft sehr schwer fällt. Dann legt das Weibchen bis zu sieben Eier in das erste Nest, brütet sie aus und wird währenddessen vom Männchen versorgt. Wenn die Jungen geschlüpft und stabil sind, geht das Weibchen weiter in die nächste Röhre und legt dort wieder Eier. Währenddessen muss das Männchen das erste Gelege füttern, das Weibchen im zweiten Nest versorgen, und die dritte Röhre bauen – „es geht dann wirklich hektisch zu“, erzählt Sturm. Und doch hält er sich wacker. „Eigentlich ist er eine gefährdete Art“, erklärt Sturm, „doch durch die milden Winter hat er nun bessere Chancen.“ Und wir haben eine gewisse Chance, solch einen tropischen Eisvogel einmal in Aktion zu sehen: zum Beispiel im Nymphenburger Schlosspark und in Hellabrunn in München. Dort leben einige Exemplare, die sich aber meistens gut versteckt halten. Man muss also geduldig sein, und, wichtig: Den Vogel nicht suchen, sondern einfach in Ruhe lassen – und sich umso mehr freuen, wenn man den prächtigen „Eisenkeil“ dann per Zufall erblickt.

Ralph Sturm bei der Biotoppfeleg für Eisvögel.
(Foto: Günter Hauska)

(Bildquellen: Foto Eisvogel: Ralph Sturm; Foto Sturm: Günter Hauska)

Mehr Infos zum Naturfotografen Ralph Sturm gibt es auf seiner Website: https://ralphsturm.de/

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Vogelazurjungfer

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Wochen jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich sie nun auch hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Vogelazurjungfer!

Alles was fliegt, fasziniert ihn, sagt Klaus Burbach. Diese Leidenschaft nahm seinen Anfang, als der junge Burbach mit etwa fünf Jahren seinem Opa hinterher in den Wald radelte, der Opa auf eine Höhle zeigte und just genau dann ein Schwarzspecht hinein flog. An dieses Bild kann sich der 56-jährige Artenkenner aus Marzling (Landkreis Freising) noch heute erinnern, und solch ein prägendes Erlebnis ist seiner Meinung enorm wichtig für ein fortwährendes Interesse an der Natur. Bei ihm jedenfalls war es so: Als Jugendlicher war er in der Jugendgruppe des Vogelschutzvereins, dann suchte er sich ein passendes Studienfach – Landschaftsökologie. Während der Uni-Zeit kam er auf die Libellen, und für sie schlägt auch heute noch sein Herz.

Ganz besonders für die Vogel-Azurjungfer. Das ist eine kleine Libelle, die hellblau leuchtet (deshalb „Azur“) und deren Zeichnung ein wenig an einen Vogel erinnert (deshalb „Vogel“). Na gut, für den Vogel braucht man schon etwas Fantasie, eigentlich ist sie einfach nur schwarz-blau-gemustert. Doch sie sieht trotzdem sehr gut aus, speziell auf Fotos – wenn man denn eine solche Vogel-Azurjungfer vor die Linse bekommt. Doch möglich ist das definitiv, sagt der Experte Burbach, auch wenn das ein bisschen Einsatz braucht.

Man gehe etwa in das Freisinger Moos, am besten zwischen Pulling und Freising, und halte Ausschau nach Gräben, also sehr schmalen, geradlinigen Wasserläufen. Dort wiederum muss man Vegetation finden, die den gesamten Winter über grün bleibt, Wasserminze vielleicht oder Berle. Denn die Vogel-Azurjungfer ist eigen: „Die Vegetation darf nicht zu hoch, nicht zu dicht und nicht zu hart sein“, erklärt Burbach. Hat man solch einen Platz gefunden, weiß man: Hier werden vermutlich Larven der Vogel-Azurjungfer liegen. Wenn man sowieso schon da ist, kann man auch gleich noch darauf achten, dass dieser Graben nicht komplett ausgeräumt oder die Pflanzen weg gemäht werden – dadurch droht denn Larven nämlich der sichere Tod. Das passiert immer wieder mal, meist aus Unkenntnis, doch es ist tatsächlich eine Straftat, denn diese Libelle ist streng geschützt.

Dann im Sommer, wenn der Graben unberührt blieb und man wieder an denselben Platz spaziert, dann findet man sie, live und in Farbe: die Vogel-Azur-Jungfer. Selten fliegend, meist sitzend – und hellblau strahlend. Eben das perfekte Foto-Motiv.

(Bildquellen Fotos: Klaus Burbach)

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Äskulapnatter

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich sie nun auch hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Äskulapnatter!

Nattern – manche einen erfüllt nur das Wort schon mit Schrecken. Warum? Manfred Drobny kann da nur rätseln: „Das fragen wir uns auch immer“, sagt er; das „Wir“ ist in diesem Fall die Mitglieder der Arbeitsgruppe Äskulapnatter, erklärt der Biologe, der sich aktiv beim Bund Naturschutz in Freising engagiert. „Es ist wohl traditionell bedingt, von dem Bild aus Märchen, etwa“, so der 59-jährige Artenkenner. Und so reagieren manche negativ-panisch – oder: positiv-staunend.

Sehr positiv muss das Gefühl gewesen sein, als der junge Drobny mit etwa 15 Jahren das allererste Mal einer Äskulapnatter begegnet ist. Er war schon damals viel in der Natur unterwegs, erst mit der Familie beim Schwammerlsuchen, dann in Vereins-Jugendgruppen, und hat die Natur von klein auf als etwas erlebt, „wo es einfach viel zu entdecken gibt“. So kam es zu einer positiven Erstbegegnung zwischen Drobny und der Natter. Seitdem begleitet sie ihn durchs Leben, fachlich wie privat. „Sie ist ein faszinierendes Tier, ausgesprochen elegant“, schwärmt Drobny. Sie ist unsere größte heimische Schlangenart, bei uns wird sie normalerweise etwa 1,40 Meter lang. Heimisch ist sie im Osten Bayerns, von Passau über Burghausen bis nach Salzburg. Dort kann man sie mit Glück auch mal sichten, draußen in der Natur – aber vielleicht auch im eigenen, naturnahen Garten. Zum Beispiel an einem sonnigen, aber nicht zu heißen Tag; nach neun Uhr morgens und vor sechs Uhr abends („Sie ist recht gemütlich“, erzählt Drobny schmunzelnd); auf einem Stein oder einem Ast. Einem Ast? Ja: Sie kann praktisch senkrecht einen Baum hinaufklettern, mit ihren rauen Schuppen hakt sie sich in die Rinde ein.

Den Winter verbringt sie in einem ruhigen Quartier; das kann ein Hohlraum in einem alten Schuppen sein oder auch der Komposthaufen. In dem legt sie gerne ihre Eier ab, die frisch geschlüpften Jungen verbleiben dann ab und an auch den Winter über dort. Also: Kompost erst im April umschichten! Aber, keine Angst, falls sie einem doch unterkommt: Die Äskulapnatter ist völlig harmlos, sie ist ungiftig, eine Würgeschlange. Sie beißt höchstens mal zu; aber nur aus Selbstverteidigung, etwa einen Artenkenner, der sie nehmen und genauer ansehen will. Den wiederum stört das nicht: „Das sind nur ganz kleine Kratzer, als ob man in Brombeeren hängengeblieben wäre“, sagt Drobny. An uns stört sie dagegen so einiges: neue Siedlungen und Straßen gefährden ihren Lebensraum; auf angenehm erwärmten Teer-Straßen wird sie überfahren; und an der Böschung am Straßenrand sind Mähmaschinen ihr sicherer Tod. Denn die Äskulapnatter flieht nicht vor Gefahr; nein, sie vertraut voll auf ihre Tarnung. Offenbar kennt sie im Gegensatz zu uns keine Angst – die arme.

Mehr zur Arbeit von Manfred Drobny und seiner Kreisgruppe des Bund Naturschutz gibt es auf der Internetseite https://freising.bund-naturschutz.de/.

(Bildquellen Fotos: Manfred Drobny)

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Mopsfledermaus

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich sie nun auch hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Mopsfledermaus!

Die „Mopsfledermaus“ ist nicht etwa eine seltsame Kreuzung aus zwei artfremden Tieren – sondern es ist eine Fledermaus, die aussieht wie ein Mops. Zumindest im Gesicht. Wer ein Foto von ihr genauer betrachtet, kann das wirklich nicht bestreiten: schwarz eingefärbtes Fell, runde Kulleraugen, platt gedrückte Nase, leicht muffiger Gesichtsausdruck. Den kann man sich mit etwas Fantasie so erklären, dass die Mopsfledermaus grantig darüber ist, dass sie ausstirbt. „Ihr geht es wirklich nicht gut“, sagt Sandra Pschonny, Artenkennerin aus Freising. „In Deutschland ist sie stark gefährdet.“ Dabei ist die Mopsfledermaus für uns Deutsche eine „Verantwortungsart“: Das heißt, wir haben die Verantwortung dafür, dass sie nicht ausstirbt, denn es geht ihr weltweit nicht gut, doch bei uns gibt es noch einige Vorkommen. Bei Freising etwa, dort lebt Sandra Pschonny, und auch deshalb liegt ihr die Art am Herzen.

Zu der Fledermaus gefunden hat die 26-Jährige in ihrem Studium, ihre Masterarbeit hat sie über Fledermauskästen geschrieben. Die können der Mopsfledermaus ein wenig helfen, in Gegenden, wo sie sowieso schon lebt, es aber zu wenig Schlafplätze für sie gibt: Denn sie lebt nur in Wäldern und schläft nur in Totholz, stehendes Totholz wie abgestorbene Bäume. Sie liebt es, sich dort unter die Rinde eines toten Baumes zu quetschen, zusammen mit bis zu 20 Artgenossen, und dort eng zusammengekuschelt den Tag zu verbringen. Ob daher die eingedrückte Nase…? Nun, erwiesen ist das nicht. Erwiesen ist aber, dass es solches Totholz, ihren Lebensraum also, immer seltener gibt, wie auch ihre Winterquartiere. Den Winterschlaf verbringt sie nämlich nicht eingequetscht unter Rinde, sondern unterirdisch: entweder in natürlichen Höhlen oder in verlassenen Bunkern oder Stollen. Dort hängt sie dann den ganzen Winter herum. Wortwörtlich. Wie das geht, im Schlafen hängen? „Sie hat eine Art Mechanismus an den Füßen, der rastet einfach ein, wenn sie sich daran hängt – und dann kostet es sie praktisch keine Kraft mehr“, erklärt die Expertin.

Wer auf der Seite der kleinen Kuschelfledermäuse ist, sollte sich an den Anblick toter Bäume gewöhnen. Denn, so Pschonny: „stehendes Totholz hilft!“ Also: abgestorbene Bäume stehen lassen – und an die unter der Rinde knuddelden Möpschen denken.

(Bildquellen: Sandra Pschonny)

Übrigens: Die Mopsfledermaus auch noch zu Fledermaus der Jahre 2020-21 gewählt!
https://www.nabu.de/news/2020/01/27502.html

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Uhu

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich sie nun auch hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Uhu!

Wenn man sich im Herbst spätnachmittags aufmacht an einen bayerischen Fluss, etwa an den Lech, dort in der Abenddämmerung entlangwandert, und man dann, wenn sich am gegenüberliegenden Flussufer ein Steilhang auftut, stehenbleibt und horcht – dann kann man ihn hören. „Uuuuh“, hört man dann, vielleicht sogar „uuuuhu“, wenn man ganz nah dran ist, und dann weiß man: Hier lebt also ein Uhu. Genauer gesagt ein Paar. Denn die Uhus bleiben sich ein Leben lang treu, wie auch ihrem paar-eigenen Brutplatz. Sehen wird man sie aber leider nicht, das ist ein Ding der Unmöglichkeit für Laien, sagt Günter von Lossow. Der muss es wissen, denn der 62-Jährige ist seit Jahrzehnten Artenkenner.

Als er mit sechs Jahren mit seinen Eltern am Waldrand spazieren war und plötzlich einem Waldkauz gegenüber stand, der ihn, direkt auf Augenhöhe, anstarrte, da war es um ihn geschehen. Seitdem ist er Eulen- und damit auch Uhu-Experte. „Doch selbst für mich ist es noch etwas Besonderes, einen Uhu zu sehen“, sagt der Garmisch-Partenkirchner. „Sie können sich einfach so gut tarnen.“ Einmal ist er eine Stunde lang um einen Baum herumgewandert, hat den Uhu oben im Wipfel gehört – aber gesehen hat er ihn nicht: „Sie werden praktisch unsichtbar.“

Genau dieses Besondere, Schwierige, reizt Günter von Lossow am Uhu. Der Diplomingenieur für Landespflege FH versucht seit Jahren, den Bestand der Uhus zu überprüfen. Was kompliziert ist, denn vordergründig geht es den Uhus gut, schließlich gibt es derzeit etwa 450 bis 550 Paare allein in Bayern. Aber: Der Bruterfolg ist nicht gut. Denn Uhus sind Bodenbrüter. Sie brüten im Winter, Januar bis März, und sobald sich Spaziergänger, Wanderer oder Forstarbeiter der Nische nähern, muss die Mutter das Nest verlassen – und die Eier oder die Kleinen sind sofort der Eiseskälte oder gar hungrigen Füchsen ausgeliefert. Und auch den älteren drohen mehrere Gefahren: Stromleitungen, Autokollisionen oder Vergiftungen; etwa durch vergiftete Mäuse. Wenn dann noch der Nachwuchs fehlt – schon schrumpft der Bestand wieder eklatant.

Also: Ab Januar den Steilhängen an Flussufern möglichst fernbleiben. Im Herbst darf man nach dem Uhu Ausschau halten. Beziehungsweise horchen. Denn dann ist er auf Herbstbalz. Balz? Das Paar bleibt doch ein Leben lang zusammen? Stimmt. Doch der treue Uhu will seine Geliebte dann erneut davon überzeugen, dass er der einzig richtige für sie ist – jedes Jahr wieder.

Mehr Infos zum Uhu gibt es hier:
https://www.lbv.de/ratgeber/naturwissen/artenportraits/detail/uhu/

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Wanze

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich sie nun auch hier auf meiner Website.

Heute geht es um: eine Wanze!

Es ist kein ganz einfacher Name, doch Klaus Mandery geht er ganz leicht von der Zunge: „Essigrosen-Dickfühlerweichwanze“. Kein Wunder, denn Klaus Mandery hat den Namen selbst erfunden. Er war derjenige, der jene Essigrosen-Dickfühlerweichwanze neu entdeckt hat in Deutschland, per Zufall, nachdem sie über 75 Jahre verschollen war. „Natürlich dachte jeder, sie sei ausgestorben“, erzählt Mandery. Doch dann war er, promivierter Biogeograph, pensionierter Biologie-Lehrer und versierter Experte in Sachen Bienen und Wespen, 2011 unterwegs auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Ebern (Landkreis Haßberge), auf der Suche nach Rüsselkäfern. Die Suche war erfolgreich, alles erledigt, Mandery wollte schon heim, doch dann strich er noch ein einziges Mal mit seinem Trockenkescher über die Essigrosen, blickte hinab in sein Netz und staunte: Sieben kleine Viecher sah er da. Ihm völlig unbekannte Viecher.


„Erstaunlich“, war das, betont Mandery heute. Dabei hat er schon einiges in der Natur erlebt, schließlich ist er seit Jahrzehnten Artenkenner. Schon als Kind war er unterwegs im Wald, Pilze sammeln. Seitdem ist Mandery in der Natur, als Schwammerlsucher, als Vogelkundler, zwischendurch hatte ihn die Botanik gepackt, schließlich die Insekten. „Als Artenkenner hat man ein Grundinteresse an allen Lebensvorgängen“, sagt der 70-Jährige. „Wir sind Leute, die sich in der Natur breit auskennen.“ Doch diese kleinen Viecher, die erkannte erst einmal niemand. Mandery musste sich ins Internet begeben, in Foren suchen – bis endlich ein Spezialist feststellte: Die Wesen heißen „Excentricus planicornis“ und kommen eigentlich nur noch im Mittelmeerraum vor.

Exzentrisch, ja, so sehen sie auch aus, mit ihren blutroten Fühlern. „Sie sind grazil, sehr ästhetisch, einfach toll“, schwärmt Mandery. Und: sehr selten. Doch in Ebern fühlen sie sich wohl, auch heute noch. Denn Mandery versah die Wanze nicht nur mit einem deutschen Namen, er machte sich auch daran, sie bekannter zu machen und ihre Heimat zu schützen: die Essigrosen. Die Herrschaften leben offenbar ausschließlich dort. Mittlerweile wird die Wanze erforscht. Und ein Informationsparcours wurde der Wanze gewidmet, „Rosi“ heißt er. Nach seiner Namensgeberin – „Rosi“ ist nun ihr Spitzname.

(Bildquellen: Foto Wanze: Harald Ostrow; Foto Mandery: privat)

Mehr zu Rosi und dem Informationsparcours gibt es hier:
https://www.ebern.de/index.php/freizeitangebote/12-fokus-tourismus/459-unterwegs-mit-rosi

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Lachmöwe

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich nun auch einige Folgen hier auf meiner Website.

Es geht also los mit: der Lachmöwe!

Das Leben als Artenkenner ist wunderbar; wenn man etwa stundenlang einsam durch den Wald wandert und dann endlich eine seltene Tierart findet. Es ist aber auch: anstrengend. Das weiß Philipp Herrmann. Der Vogelexperte aus Landshut plädiert deshalb für einen einfachen Zugang zur Natur und den Arten. Etwa zur Lachmöwe. Kennt jeder, hat jeder schon gesehen – klar, sogar in der Stadt leben die. Aber, Achtung, erster Aha-Effekt: nur im Winter. Denn, zweites Aha: Unser Bayern ist gar nicht deren Heimat, nein, sie kommen von weit her, auf Winterflucht sozusagen. Und woher genau? Das kann man nun ganz einfach durch ein Projekt des 37-jährigen Artenkenners herausfinden. Viele Möwen werden im Heimatland mit einem Ring zur Wiedererkennung ausgestattet; und wer in seiner Stadt eine solche Möwe mit Ring am Bein sieht, kann sie fotografieren und an Herrmann schicken. Der kann dann wiederum sagen, wo der Vogel genau herkommt. Also: wieder Aha. Ganz einfach interessante Details über die Tierwelt erfahren – mit solchen Aktionen könnte sich die Zahl der Naturbegeisterten wieder langsam erhöhen, hofft Herrmann.

Denn er selbst hat es am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn man einsam auf weiter Flur ist mit seiner Leidenschaft. Schon als kleines Kind pirschte er durch die Wälder rund um sein Heimatdorf, samt Vogelbuch und Fernglas. Doch Gleichgesinnte zu finden war schwierig: Gleichaltrige verdrehten nur die Augen, und die „echten“ Artenkenner in der Nähe waren quasi uralt. Philipp Herrmann musste sich also allein durchschlagen. Aber er hat nicht aufgegeben. Mittlerweile ist er als Vogelstimmenexperte bekannt, arbeitet für den Naturschutz, und das Möwen-Erkennungsprojekt namens „Landshuter Lachmöwen“ war seine Idee. „Die Lachmöwe ist ein Wildtier, das vollkommen freiwillig zu uns Menschen kommt“, erklärt Philipp Herrmann. „Das ist doch wirklich spannend.“ Wie auch die Ergebnisse des Projekts. Herrmann hat dadurch festgestellt, dass die Möwen hier bei uns in der Fremde gemischte Gruppen bilden: Da sitzt die litauische Lachmöwe jeden Tag wieder am selben Platz, und zwar neben polnischen, tschechischen oder ungarischen Gefährten. Ganz harmonisch. Ein echtes Vorbild in Sachen Völkerverständigung, dieser Vogel. Dafür aber nicht in Sachen Humor, erklärt Vogelexperte Herrmann: Der Name kommt vom Begriff ,Lache‘, also Pfütze, denn am Wasser hält sie sich gerne auf – und nicht vom Lachen. Aha!

(Bildquellen: Foto Lachmöwe: Philipp Herrmann; Foto Herrmann: Markus Mayer)

Mehr Infos zum Lachmöwenprojekt gibt es auf der Seite www.dervogelphilipp.de oder unter dervogelphilipp@gmail.com.

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.