Die Arten(kenner)-Serie: Die Wiesenhummel

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Wiesenhummel!

Sie ist klein und flauschig, brummt gemütlich vor sich hin und scheint keinem etwas Böses zu wollen: Die Hummel ist wirklich eines der sympathischsten Insekten. Der Meinung ist auch Rosa Albrecht, die sich im Masterstudium der Biologie mit Insekten befasst und sich direkt danach auf Hummeln spezialisiert hat. „Gerade die Wiesenhummel ist besonders süß, sie ist relativ klein und richtig bunt, mit den gelben Streifen und einem roten Hintern“, erzählt die 29-jährige Artenkennerin aus München.

Außerdem ist sie extrem friedlich, denn tatsächlich kann eine Hummel zwar stechen – tut es aber nicht. „Einer Hummel kann man auch ziemlich nahe kommen, das stört sie gar nicht“, sagt Rosa Albrecht. „Sie ist eben nicht aggressiv.“ Die Wiesenhummel wird nicht einmal zickig, wenn man sich ihrem Nest nähert; andere Arten gehen zumindest dann in eine Verteidigungshaltung über.

Auch der Nestbau der Wiesenhummel hat etwas sehr Sympathisches an sich: Sie baut ihr Nest zwar wie jede vernünftige Biene (ja, die Hummeln sind eine Familie innerhalb der Bienen) aus Wachs, doch die Waben der Wiesenhummel sind nicht so akkurat secheckig angeordnet wie die der Honigbiene, sondern „ganz konfus, ohne eine bestimmte Form“, berichtet Albrecht. Von außen sieht das Ganze dann aus „wie ein zerknüllter Wachsball“. Den man allerdings in der Natur eher nicht zu Gesicht bekommen wird, denn die Wiesenhummel hält ihr Nest sehr gut versteckt. Sie lebt oberirdisch, im Gegensatz zu anderen Hummelarten, das Nest wird etwa in Grasbüscheln, Bäumen, alten Vogelnestern oder auch mal im Meisennistkasten gebaut. Die Jungkönigin, die unter der Erde überwintert hat, gründet dieses Nest meist schon sehr früh im Jahr, legt dann ihre Eier. So drehen die ersten Mitglieder des Wiesenhummelvolks schon jetzt ihre Runden in unseren Gärten.

Damit sie gerne kommen und auch bleiben, sollte man schlicht und einfach Blumen im Garten haben. „Die Wiesenhummel hat keine bestimmte Vorlieben“, sagt Albrecht, „sie fliegt eigentlich alles an“. Voraussetzung ist natürlich, dass die Blumen Nektar und Pollen haben; überzüchtete Arten gelten also nicht. „Ganz normale Wiesenblumen wie Storchschnabel, Beinwell oder Traubenhyazinthen sind etwa gut“, erklärt Rosa Albrecht. Dann kann man sich an den sympathischen kleinen Brummern den ganzen Frühling und Sommer über erfreuen.

(Bildquellen Fotos: Rosa Albrecht: privat; Wiesenhummel: Hummeltelefon 2019/Katja Wadlinger)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Mauersegler

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Mauersegler!

In der Luft leben, in der Luft spielen, fressen, trinken und sogar: schlafen – und das jahrelang, ohne auch nur ein einziges Mal zu landen. Für uns Menschen ist so ein Leben unvorstellbar. Doch für die Mauersegler ist es Alltag. Die Jungen üben das Flügelschlagen nur ein wenig im Nest, sobald sie flügge werden, starten sie los und bleiben dann unglaubliche drei Jahre lang in der Luft ohne zu landen – bis sie selbst nisten. Und was machen sie da oben in der Luft, Tag für Tag? Tagsüber jagen sie Insekten in der Luft, abends gehen sie auf 500 bis 3000 Meter hoch, ziehen ihre Kreise und schlafen dabei. „Die Flügel schlagen dann nur etwa sieben Mal pro Sekunde“, berichtet der Artenkenner Christian Langebartels. „Das ist wenig, wenn man weiß, wer die Verwandten der Mauersegler sind: Kolibris.“

Die Mauersegler sind wie dazu gemacht, in der Luft zu leben. Sie haben im Verhältnis zu ihrem etwa 17 Zentimeter langem Körper riesig große Flügel mit einer Spannweite von 40 bis 45 Zentimetern und sie sind „eigentlich fußlos“, sagt Langebartels. Der 68-Jährige aus Eching hat früher in der Umweltforschung gearbeitet und ist nun beim LBV engagiert, er hat etwa bei dem Projekt „Gebäudebrüter im Landkreis Freising“ mitgearbeitet. Dabei wurden Nistplätze von Mauerseglern und Schwalben gesucht, in Nischen, Dachvorsprüngen oder Rolladenkästen, und es wurden schon 678 gefunden. Was erstaunlich ist, denn sie sind extrem schwierig zu entdecken. „Sie sind wirklich sehr, sehr heimlich“, erklärt Langebartels. Man merkt es gar nicht, wenn ein Mauerseglerpaar im eigenen Haus nistet, denn sie sind extrem sauber und bringen jeglichen Schmutz und Kot sofort weg, sie sind im Nest nicht laut und sie sind quasi unsichtbar. Selbst für ein geschultes Auge ist es extrem schwierig, einen Mauersegler beim Ein- oder gar Ausflug ins Nest zu entdecken, erzählt Langebartels. „Wenn man nur einmal kurz das Augenlid schließt, ist er schon rausgeflogen und man hat es verpasst.“ Deshalb ist es sehr wichtig, dass man von Mai bis Juni keine Dächer oder Fassaden saniert, denn genau in dieser Zeit brütet der Mauersegler. Einst in uralten Eichen, etwa 300 bis 400 Jahren alt. „Doch die gibt es nicht mehr“, sagt Langebartels. „Er ist also auf unsere Bauten angewiesen.“

(Billdquellen: Christian Langebartels: privat; Mauersegler: Zdenek Tunka/LBV Bildarchiv)

Wer trotzdem plant, im Frühsommer sein altes Haus zu sanieren, sollte sich vorher beim Landratsamt oder beim LBV informieren; die Nester stehen unter Naturschutz. Infos gibt es unter www.lbv.de.

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Wasseramsel

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Wasseramsel!

Da steht ein dicklicher kleiner Vogel auf einem gefrorenen Schneeufer an einem rauschenden Gebirgsbach, schaut auf die Wellen – und zack, stürzt sich per Hechtsprung kopfüber ins Wasser, mitten hinein in die Fluten, darin taucht er hin und her, und hüpft dann wieder ans Ufer, als wäre nichts gewesen. Tja, für die Wasseramsel, die man bei solchen Tauchgängen in zahlreichen Internet-Videos beobachten kann, ist da wirklich nichts dabei. Denn wie der Name schon sagt: Das Element dieses Vogels ist nicht nur die Luft, sondern auch das Wasser. „Es ist der einzige Singvogel, der schwimmen und tauchen kann“, sagt Margarete Siering. „Es sieht fast so aus, als ob er unter Wasser fliegt.“

Die 31-Jährige hat Naturschutz und Biodiversität studiert, arbeitet bei der Regierung von Schwaben im Bereich Artenschutz und ist schon seit ihrer frühen Kindheit eine echte Vogelliebhaberin – denn ihre Eltern sind Ornithologen. Die Wasseramsel kennt sie schon lange, denn dieser außergewöhnliche Vogel lebt das ganze Jahr über hier bei uns in Bayern, entlang der großen Flusssysteme, sogar an der Münchner Isar ist er zu finden. Deshalb gehört der Ton seines geschwätzigen Gesangs für uns auch quasi zum Rauschen des Gebirgsbachs dazu.

Doch die Wasseramsel hat es seit Jahrzehnten leider schwer bei uns, denn sie leidet extrem unter Gewässerverschmutzung oder Flussbegradigung, denn dadurch sterben die Wasserinsekten aus – ihr Futter. Mittlerweile aber wird die Gewässerqualität stetig verbessert und einige Flüsse renaturiert, und so fühlt sich auch die Wasseramsel wieder wohler bei uns. Derzeit gibt es 2300 bis 3600 Brutpaare in Bayern, die jedes Jahr wieder fest aufgeteilte Rollen übernehmen: Der Mann sucht den Nestplatz aus, ein Spalt unter einer Brücke, in einem Fels oder gar hinter einem Wasserfall. Die Frau richtet ihn dann ein, aus jeder Menge Moos und Gras formt sie eine gemütliche und gut getarnte Höhle, die sie mit Eichenlaub ausstattet – denn das ist antibakteriell, und so fängt trotz Feuchtigkeit nichts zu schimmeln an. Die Mama bleibt dann daheim bei den Kleinen und der Mann zieht los, um die Familie zu versorgen, um Futter zu suchen. Scheinen ziemlich konservativ zu sein, diese Wasseramseln? Von wegen: Sie frönen der sogenannten „Saisonehe“. Heißt: Im Jahr darauf wird wieder ein neuer Partner gesucht.

(Bildquellen Fotos: Margarete Siering)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Hermelin

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Hermelin!

Mit dem Marder verbinden wir heutzutage vor allen Dingen: Ärger. Zumindest Autobesitzer, die fassungslos vor einer geöffneten Motorhaube stehen und feststellen müssen, dass ein Marder wohl eine ziemlich große Wut auf sämtliche Kabel des unschuldigen Autos hatte – und sie wild auslebte. Daran denken wir bei: Mardern. Doch welch elitäre Gedanken haben wir zum Hermelin! Ein elegantes weißes Tierchen, dessen Fell Königsmäntel dekorierte, Ritterorden benannte und Wappen zierte. „Es gibt sogar ein Hermelin-Bild von Leonardo da Vinci“, erzählt Johannes Hillenbrand, darauf hält eine Frau einen weißen Hermelin auf dem Arm. Hillenbrand studiert Forst- und Holzwirtschaft in Freising und kennt sich mit dem „marderartigen Tier“ aus.

Denn ja, der Hermelin ist auch nur ein Mitglied der schnöden Marderfamilie, Zweitname übrigens: Großes Wiesel. Dass dieses Tierchen zu so hohem Ruhm und Ehre gelangte, lag vermutlich an seinem außergewöhnlichen Winterfell: komplett weiß mit schwarzer Schwanzspitze. Wobei der Hermelin beim Fellwechsel „relativ flexibel ist“, berichtet Hillenbrand. Denn im kalten Norden, in Skandinavien, wird der Hermelin verlässlich weiß; im warmen Süden aber behält er sein gewöhnliches, bräunliches Fell das ganze Jahr über. „Er ist recht anpassungsfähig, das ist hochinteressant“, sagt Hillenbrand. Die Fellfarbe ist für ihn Schutz und Tarnung zugleich: Es ist eines der kleinsten heimischen Raubtiere, etwa 22 bis 30 Zentimeter lang, und frisst „alles, was kleiner ist als er“, so der 27-jährige Artenkenner. Er selbst wird aber auch gejagt, von größeren Raubtieren wiederum.

Die sind allerdings nicht Schuld daran, dass der Hermelin bei uns tendenziell gefährdet ist. Das Fellthema ist auch nicht mehr das Problem, man darf ihn zwar noch bejagen, doch Hermlinfell gilt in Deutschland als eher „verpönt“, sagt Hillenbrand. Nein, der Hermelin leidet wie so viele andere Arten unter: Strukturarmut. „Er will hin- und herhuschen in Gebüschen, Hecken, unter Sträuchern, etwa an Waldrändern“, erklärt Hillenbrand. Doch die sind eben selten, auch bei uns in Bayern, wo der Acker oft bis zum Waldrand geht. So oder so: Sehen wird man ihn nie, denn er ist Einzelgänger, und „sehr menschenscheu“, sagt Hillenbrand. Wie da Vinci ihn dann zum Posieren bekommen hat? Eine gute Frage.

(Bildquellen: Foto Hillenbrand: privat; Foto Hermelin: Wikipedia, Fotograf Tony Wood)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Regenwurm

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Regenwurm!

Jetzt im Frühling begegnen sie einem wieder bei jeglichen tiefergehenden Gartenprojekten: die Regenwürmer. Wie oft schon hat ein Hobbygärtner nach dem kräftigen Hieb mit dem Spaten in den Boden feststellen müssen, dass er dabei auch einen unschuldigen Regenwurm erwischt hat. Aber ist es nicht so, dass dem Regenwurm so eine Teilung gar nichts ausmacht, ja, dass dann gar zwei Regenwümer entstehen und munter weiterleben? „Ein ganz klares Nein“, lautet darauf die Antwort von Marion Müller. Sie ist Agrarbiologin, arbeitet bei einem Institut für Biodiversitätsinformation und ist Expertin auf diesem Gebiet. „Dieses Gerücht hält sich wirklich wacker“, doch auf gar keinen Fall werden aus einem Regenwurm zwei, erklärt die Artenkennerin, „auch der Regenwurm hat ein Vorderteil, mit dem er frisst, und aus seinem Hinterteil kann nicht wieder ein Mund werden“. Theoretisch möglich ist, dass man nur die Schwanzspitze abgekappt hat und der Wurm also weiterleben kann – aber nur theoretisch. „So ein Hieb sorgt für eine grobe Verletzung, und auch bei einem Regenwurm können sich da Bakterien und Pilze ansiedeln und so schnell Krankheiten entstehen.“ Die Überlebenschance eines getroffenen Wurms ist also: relativ gering.

Dabei ist er so wichtig für unseren Garten! „Für den Boden an sich ist er total toll“, schwärmt die 32-jährige Bambergerin. „Es sind die fleißigen Bienen unter der Erde.“ Denn der „Gemeine Regenwurm“, der unter unseren Gärten und Wiesen lebt, wälzt quasi unsere Erde um: Er nimmt mit seinem Mund seine Nahrung auf, etwas Erde und organisches Material, und scheidet hinten wieder hummusangereicherte Erde aus, die also „pflanzenverfügbar“ ist, so Müller. Also: düngt er den Boden. Dabei gräbt er sich auch mal ziemlich tief ein, bis zu drei Meter. Wenn es aber regnet, dann kommt er etwas höher hinauf, auch an die Oberfläche – daher also der Name. Warum, das konnte man leider noch nicht herausfinden. Ist es dann zu nass im Boden? Geht er auf Wanderschaft? Oder schmerzt ihn gar das Regen-Geräusch? Das übrigens die Amsel nachahmt, um ihr Lieblingsfressen herauszulocken: Genau 50 Hertz kreiert sie mit ihrem Trommeln, und genau diese 50 Hertz locken den Wurm aus dem Boden heraus; auch wenn sie von einem Gerät erklingen. Eine Regel aber können wir daraus ableiten: Will man so wenige Regenwürmer wie möglich mit dem Spaten erwischen, so legt man die Gartenarbeit am besten auf sehr trockene Tage – ohne zu trommeln.

(Bildquelle Fotos: Marion Müller)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Bluthänfling

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Bluthänfling!

Bluthänfling. Noch nie gehört? Nun, das ist auch „nicht gerade der bekannteste Vogel“, sagt Moritz Kirchner. Aber: „Eine sehr interessante Art.“ Denn der nette kleine Vogel ist eine der am stärksten zurückgegangenen Arten in ganz Deutschland, erklärt der Artenkenner, in den vergangenen Jahrzehnten ist die Art um die 70 Prozent zurückgegangen. Noch vor 30, 40 Jahren war er ein „Allerweltsvogel“, sagt Kirchner, wie der Spatz – heute aber ist er kaum noch zu finden. In Bayern ist er etwa stark gefährdet. Warum? Weil er all das liebt, was in der heutigen Landwirtschaft mit den Monokulturen immer mehr verloren geht: allen voran Hecken und Büsche, die sind sein Lebensraum, und krautige Pflanzen, Samen und Körner sind seine Nahrung. „Er ist somit symptomatisch für das Aussterben der Kulturlandschaften“, erklärt Kirchner.

Der 19-Jährige ist eigentlich Medizinstudent in Regensburg, doch sein Hobby ist schon seit Jahren die Artenkenntnis. Er hat sich das Wissen rund um die Arten selbst beigebracht, als Jugendlicher hat er sich einfach ein Vogelbuch geschnappt, die Wesensmerkmale auswendig gelernt – und dann die Vögel draußen in der Natur beobachtet. Heute noch sind sie sein Lieblingsgebiet, „es ist einfach ein derart reichhaltiges Thema“. Um etwa den Bluthänfling zu finden, muss man ein wenig suchen. Er ist nur noch „lückig verbreitet“, so heißt es in der Fachsprache, was bedeutet: Es gibt ihn eigentlich „nirgendwo gar nicht“, erklärt Kirchner, aber man muss eben ein wenig Geduld haben, um ihn zu entdecken.

Eigentlich waren die strukturreichen Agrarlandschaften seine Heimat, seit die immer weniger werden, ist er auch auf Friedhöfen, Parks und großen Gärten zu finden. Um ihn zu orten, könnte man sich seinen Gesang einprägen, den man im Internet nachhören kann, „er hat ein sehr variables Gezwitscher“, so Kirchner; oder, noch einfacher: Man hält Ausschau nach einem etwa 13 Zentimeter großen Finken-Vogel mit blutroter Brust. Die haben zumindest die Männchen und sind daran leicht zu erkennen. Daher hat der Vogel auch seinen Namen: „Blut“-Hänfling. Der „Hänfling“ dagegen kommt wohl von den Hanfsamen, die er wahnsinnig gerne ist, wie auch jegliches Unkraut. Man tut ihm also ein Gefallen, wenn man einen Teil des Gartens, sofern man einen großen besitzt, einfach nicht jätet, und Sauerampfer, Löwenzahn, Beifuß oder Disteln stehen lässt. Der Bluthänfling bedankt sich dafür – mit seinem wunderbaren Gesang.

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Storch

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich nun auch einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Storch!

Foto: LBV/Christoph Bosch

„Auf uns’rer Wiese gehet was, watet durch die Sümpfe. Es hat ein weißes Röcklein an, trägt auch rote Strümpfe.“ Wer kennt dieses Lied nicht, diesen Gassenhauer des Dichters August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der durch seine Kinderlieder bekannt wurde, darunter Hits wie „Summ, summ, summ“, „Alle Vögel sind schon da“ – und eben das Storchenlied. Was in dem Lied nicht erwähnt wird, wir aber trotzdem alle wissen: Der Storch bringt auch die Babys.

„Der Storch gehört zu unserer Kultur einfach dazu, und so wurden ihm Eigenschaften dazu gedichtet“, bestätigt Oda Wieding, die Storchenexpertin des Landesbund für Vogelschutz (LBV) aus Hilpoltstein (Kreis Roth). Vermutlich weil er als Zugvogel jedes Jahr im Frühling zu uns zurückkehrt, war er einst ein Begleiter der Frühjahrsgöttin und kam so in Verbindung mit der Fruchtbarkeit, erzählt Oda Wieding. Doch sein guter Ruf war ihm kein wirklicher Schutz: „Nur weil wir ihn mögen, heißt das leider nicht, dass wir auf ihn Rücksicht nehmen“, sagt die 55-jährige Diplom-Biologin. Da musste er schon unter Naturschutz gestellt werden und das Entfernen der Nester streng verboten werden; erst wegen dieser Maßnahmen hat sich der Storch in Bayern wieder erholt.

Und wegen seinem Pragmatismus: Der Storch ernährt sich tatsächlich nicht nur von Fröschen, sondern er verspeist so ziemlich alles, von der Maus bis zum Fisch; aber er würgt das alles nur runter, deshalb braucht er für die Fütterung der Jungen Kleintiere wie Insekten oder Regenwürmer. Außerdem hat er mittlerweile sein Winterquartier verlegt, vom trockenen Afrika auf das nähere Spanien; dort findet er in den feuchten Reisfeldern jede Menge Fressen. Jetzt, schon seit Februar, kehren die Störche wieder zu uns zurück. Und zu ihren Nestern. Gerne nehmen sie dasselbe vom vergangenen Jahr, wenn die Brut erfolgreich war. (Wie auch dieselbe Partnerin, wie gesagt, sie sind sehr pragmatisch: Man kennt sich, es hat funktioniert, also geht man eben noch eine Saisonehe ein.) Oder sie bauen mal eben ein neues; in drei Tagen ist das fertig. Also sollte man derzeit ruhig mal einen Blick auf das eigene Dach werfen, vielleicht hat sich dort ein Storch häuslich eingerichtet? Wenn ja, dann heißt es: Den Storch einfach in Ruhe lassen – und seine Anwesenheit genießen. Den Störche bringen nicht nur die Babys, sondern auch: das Glück.

Oda Wieding, Storchenexpertin. (LBV/Nina Meier)

Mehr Infos gibt es auf der Seite lbv.de, einfach nach „Storch“ suchen. Dort gibt es auch eine „Storchenhorstkarte“, auf der sämtliche Nistplätze in Bayern eingetragen sind.

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Wildkatze

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich nun auch einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Wildkatze!

Eigentlich sieht sie aus wie eine ganz normale getigerte Hauskatze, vielleicht ein bisschen flauschiger. Doch die Wildkatze ist keine „wilde Hauskatze“, betont Jürgen Thein. Es ist eine vollkommen eigene Art, die seit über 300 000 Jahren hier heimisch ist; die Hauskatze dagegen ist eine Nachfahrin der nordafrikanischen Wildkatze, eingeschleppt von den Römern. Wir Laien können die beiden Katzenarten aber ganz einfach unterscheiden: Die eine sehen wir – und die andere nicht. „Die Wildkatze lebt wirklich sehr heimlich“, sagt Thein. Er ist der Wildkatzen-Experte in Bayern. Früher war er mal Bankkaufmann, wurde dann Biologe, interessierte sich dabei für Amphibien – und landete dann, ganz plötzlich, bei der Wildkatze. 2004 war das.

Denn seit Anfang des 20. Jahrhunderts galten die Wildkatzen in Bayern als ausgestorben, doch hundert Jahre später hegte man den Verdacht, dass sie langsam wieder zurückkehren, und Thein sollte sie finden. Doch wie ein Tier finden, dass sich nie blicken lässt; und wenn man eines erblickt, weiß man auch nicht, ob es nicht doch die schnöde Mieze aus dem Nachbardorf ist? Lange Zeit hatte man nur dann einen Beweis, wenn man ein totes Tier fand und es genetisch untersuchen ließ. „Doch das ist ja das einzige, was man nicht will“, betont Thein. Bis ein Artenkenner eine geniale Methode entwickelte: mit Baldrian, der Droge aller Katzen. „Katzen werden von Baldrianduft extrem verführt“, sagt Thein, „sie fallen gar in eine Art Trance.“ Schön für die Tiere – und schön für die Forscher. Denn die rammen nun einfach Dachlatten in den Boden, die sie mit Baldrian besprühen. Wenn die Katze sich wild an dem rauen Brett reibt, bleiben Haare samt Haarwurzeln samt Genmaterial zurück. So können die Forscher nun die Tiere wissenschaftlich nachweisen, und mittlerweile auch ihre Rückkehr nach Bayern. In Theins Forschungsgebiet, den Haßbergen, fand er 2007 ein erstes Tier; inzwischen leben dort nachgewiesenermaßen 50 verschiedene Tiere.

Warum sie wiederkommen? Weil sich die Wälder wieder verändern, es findet ein Umdenken statt. „Lange Zeit wurden die Wälder quasi besenrein hinterlassen“, erklärt Thein. Eine Katastrophe für die Wildkatze, denn sie braucht Verstecke für sich und ihre Jungen; Reisighaufen, verlassene Höhlen, ausgefaulte Baumstämme. Dann fühlt sie sich wohl, und mit ihr viele andere Tiere: „Die Wildkatze ist eine Schirmart“, erklärt der Experte. „Helfen wir ihr, dann helfen wir ganz vielen anderen Arten mit im Schlepptau.“

(Bildquellen Fotos: Thomas Stephan, Bund Naturschutz/Archiv)

Wer eine Wildkatze gesehen hat, kann dies dem Bund Naturschutz melden unter: www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/wildkatze/aktiv-werden

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Eisvogel

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich nun auch einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Eisvogel!

Wenn man ihn sieht, dann weiß man sofort: Das hier ist etwas ganz Besonderes. Der Eisvogel ist einfach beeindruckend. Diese Farben, dieses Gefieder! Glänzend, leuchtend, blau und orange. Daher kommt wahrscheinlich auch sein Name, aus der Richtung „Eisblau“, oder aus der Richtung „eisan“, ein altes Wort für „glitzernd, glänzend“. Früher wurde der Vogel auch „Eisenkeil“ genannt, wegen der Figur, die er beim Fischen macht: Er stößt quasi senkrecht hinab ins Wasser, die Flügel angelegt, mit dem langen Schnabel voran. Der ist geradezu „überdimensional“ sagt Ralph Sturm.

Der 51-Jährige ist hauptberuflich Lehrer, doch seine Leidenschaft gilt der Naturfotografie. Schon von Kindesbeinen an war er ständig in der Natur und hat sich als Autodidakt einiges beigebracht. Derzeit schreibt er an einem Buch, das im Herbst erscheinen wird: über den Eisvogel. Der hat den Straubinger schon immer fasziniert. „Es war ein unvergessliches Erlebnis, als ich ihn das erste Mal gesehen habe.“ So außergewöhnlich sieht der Eisvogel aus, und das ist auch kein Wunder, denn: „Der Eisvogel kommt eigentlich aus den Tropen und ist hier bei uns der einzige Vertreter der tropischen Regionen. Und er überwintert hier sogar.“

Dabei hat es der tropische Vogel verständlicherweise nicht leicht. „Im Winter hat er extreme Verluste, bis zu 60 Prozent“, berichtet Sturm. Um diese auszugleichen, produziert der Eisvogel in der Brutzeit von Mai bis August quasi am laufenden Band Junge. Für die Aufzucht gräbt er Röhren in die Uferböschung; was ihm heutzutage wegen der verfestigten Böschungen oft sehr schwer fällt. Dann legt das Weibchen bis zu sieben Eier in das erste Nest, brütet sie aus und wird währenddessen vom Männchen versorgt. Wenn die Jungen geschlüpft und stabil sind, geht das Weibchen weiter in die nächste Röhre und legt dort wieder Eier. Währenddessen muss das Männchen das erste Gelege füttern, das Weibchen im zweiten Nest versorgen, und die dritte Röhre bauen – „es geht dann wirklich hektisch zu“, erzählt Sturm. Und doch hält er sich wacker. „Eigentlich ist er eine gefährdete Art“, erklärt Sturm, „doch durch die milden Winter hat er nun bessere Chancen.“ Und wir haben eine gewisse Chance, solch einen tropischen Eisvogel einmal in Aktion zu sehen: zum Beispiel im Nymphenburger Schlosspark und in Hellabrunn in München. Dort leben einige Exemplare, die sich aber meistens gut versteckt halten. Man muss also geduldig sein, und, wichtig: Den Vogel nicht suchen, sondern einfach in Ruhe lassen – und sich umso mehr freuen, wenn man den prächtigen „Eisenkeil“ dann per Zufall erblickt.

Ralph Sturm bei der Biotoppfeleg für Eisvögel.
(Foto: Günter Hauska)

(Bildquellen: Foto Eisvogel: Ralph Sturm; Foto Sturm: Günter Hauska)

Mehr Infos zum Naturfotografen Ralph Sturm gibt es auf seiner Website: https://ralphsturm.de/

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Vogelazurjungfer

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Wochen jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich sie nun auch hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Vogelazurjungfer!

Alles was fliegt, fasziniert ihn, sagt Klaus Burbach. Diese Leidenschaft nahm seinen Anfang, als der junge Burbach mit etwa fünf Jahren seinem Opa hinterher in den Wald radelte, der Opa auf eine Höhle zeigte und just genau dann ein Schwarzspecht hinein flog. An dieses Bild kann sich der 56-jährige Artenkenner aus Marzling (Landkreis Freising) noch heute erinnern, und solch ein prägendes Erlebnis ist seiner Meinung enorm wichtig für ein fortwährendes Interesse an der Natur. Bei ihm jedenfalls war es so: Als Jugendlicher war er in der Jugendgruppe des Vogelschutzvereins, dann suchte er sich ein passendes Studienfach – Landschaftsökologie. Während der Uni-Zeit kam er auf die Libellen, und für sie schlägt auch heute noch sein Herz.

Ganz besonders für die Vogel-Azurjungfer. Das ist eine kleine Libelle, die hellblau leuchtet (deshalb „Azur“) und deren Zeichnung ein wenig an einen Vogel erinnert (deshalb „Vogel“). Na gut, für den Vogel braucht man schon etwas Fantasie, eigentlich ist sie einfach nur schwarz-blau-gemustert. Doch sie sieht trotzdem sehr gut aus, speziell auf Fotos – wenn man denn eine solche Vogel-Azurjungfer vor die Linse bekommt. Doch möglich ist das definitiv, sagt der Experte Burbach, auch wenn das ein bisschen Einsatz braucht.

Man gehe etwa in das Freisinger Moos, am besten zwischen Pulling und Freising, und halte Ausschau nach Gräben, also sehr schmalen, geradlinigen Wasserläufen. Dort wiederum muss man Vegetation finden, die den gesamten Winter über grün bleibt, Wasserminze vielleicht oder Berle. Denn die Vogel-Azurjungfer ist eigen: „Die Vegetation darf nicht zu hoch, nicht zu dicht und nicht zu hart sein“, erklärt Burbach. Hat man solch einen Platz gefunden, weiß man: Hier werden vermutlich Larven der Vogel-Azurjungfer liegen. Wenn man sowieso schon da ist, kann man auch gleich noch darauf achten, dass dieser Graben nicht komplett ausgeräumt oder die Pflanzen weg gemäht werden – dadurch droht denn Larven nämlich der sichere Tod. Das passiert immer wieder mal, meist aus Unkenntnis, doch es ist tatsächlich eine Straftat, denn diese Libelle ist streng geschützt.

Dann im Sommer, wenn der Graben unberührt blieb und man wieder an denselben Platz spaziert, dann findet man sie, live und in Farbe: die Vogel-Azur-Jungfer. Selten fliegend, meist sitzend – und hellblau strahlend. Eben das perfekte Foto-Motiv.

(Bildquellen Fotos: Klaus Burbach)

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.