Warum ich nicht ständig erreichbar bin

Ständige Erreichbarkeit, immer, überall, auch am Abend, am Wochenende, im Urlaub. Ja, das gibt es tatsächlich. Zum Beispiel bei Selbstständigen. Klar, sie wollen ja zeigen, wie erreichbar/zuverlässig/fleißig/flexibel sie sind. Stets an der Seite ist die Waffe des modernen Menschen: das Smartphone. Klar, denn so sieht man sofort, wenn ein Kunde plötzlich noch einen weiteren Auftrag hat, oder einen Zusatzwunsch, oder auch nur eine Frage.

Ich habe das am Anfang genauso gemacht. Die Outlook-App aufs Handy, den Kunden meine Handynummer gegeben und dann, sobald es geklingelt oder gepiept oder geploppt hat, ran ans Handy und nachgeschaut, was los ist.

Das hört sich ziemlich fleißig und zuverlässig an. Ist aber einfach nur: doof. Denn eine Soloselbstständige wie ich ist kein Unternehmen mit 24-Stunden-rund-um-die-Uhr-Bereitschaftsdienst. Ich bin ein einzelner Mensch und ich muss mir meine Arbeitskraft gut einteilen. Gerade weil ich kreativ arbeite, bedeutet das, dass ich auch Ruhepausen brauche, in denen ich ganz andere Sachen mache und an ganz andere Dinge denke als an meine Arbeit.

Ich glaube, das geht ganz vielen anderen Menschen, egal ob selbstständig oder angestellt, genauso. Schließlich macht man ja meist einen Job, bei dem man denken muss, also Lösungen finden muss. Egal also, ob die Problemstellung lautet, “ich brauche den perfekten Text”, oder “ich brauche einen richtig guten Coaching-Ratschlag”, oder “ich brauche ein ganz wundervoll gestapelte Steinmauer im Garten” – das Ergebnis ist immer dasselbe: Man braucht ein wenig Raum, um sich darüber Gedanken zu machen.

Und diese Gedanken kann man nicht einfach so an- und abstellen wie man will. Ich kann das jedenfalls nicht, und ich glaube, viele andere Menschen auch nicht. Das Problem an der Erreichbarkeit ist also nicht, dass man mal eben eine E-Mail liest und sie schnell beantwortet. Klar, dann könnte man ja sagen: Danke für den Auftrag, ich kann den gerne nächste Woche erledigen, das kostet dann soundsoviel. Ne, das Problem an der ständigen Erreichbarkeit ist, dass man aus seinen eigentlichen, wichtigen Gedanken herausgerissen wird.

Oder aber: aus dem Nichtstun. Aus der Erholung. Aus der Pause. Und dann macht man sich in dieser verdienten Pause, vielleicht ist es der Feierabend, wieder Gedanken, aber ziemlich unstrukturierte, wie: “Mist, das muss ich noch auf die To-Do-Liste schreiben, und dann muss ich morgen noch den anderen Typen anrufen, und ich wollte doch auch noch…” Argh – schon ist die Pause im Kopf vorbei.

Und das nervt. Das stresst. Ehrlich. Mich hat es sehr gestresst.

Also habe ich mir irgendwann meine eigenen, neuen, mir passenden Regeln aufgestellt. Der erste Schritt war: ein Geschäftshandy! Kann ich echt nur empfehlen – eine sensationelle Idee! Das nehme ich gar nicht erst mit, wenn ich frei habe, Thema erledigt. Und wenn ich konzentriert arbeite, also schreibe, ist das Handy auf lautlos. Genauso wie der E-Mail-Account, der ist geschlossen. Ich schaue an einem Arbeitstag etwa dreimal rein, an einem freien Tag gar nicht. Klare Sache.

Ganz wichtig ist aber: trotzdem kommunizieren! Ich höre Mobilbox-Nachrichten ab, ich antworte auf alle E-Mails, ich mache Telefontermine aus und Skype-Termine. Und so funktioniert es auch. Echt! Noch nie gab es so etwas Dringendes, dass durch mein Erst-ein-paar-Stunden-später-Sehen der Nachricht etwas Katastrophales passiert wäre. (Das wäre jetzt bei einem Notarzt in Bereitschaft logischerweise anders, schon klar. Aber der wird ja auch für die Bereitschaftszeit gezahlt.)


Im Gegenteil: Dadurch sind und bleiben meine Texte einfach gut. Ich habe Ideen, ich bin kreativ – all das wissen meine Kunden zu schätzen, klar. Und: Ich bin wahnsinnig zuverlässig. Auch das wissen alle Beteiligten zu schätzen. Denn ja, leider haben Kreative einen etwas schlechten Ruf in Sachen Zuverlässigkeit, und ich habe selbst schon erlebt, wie wahnsinnig anstrengend eine Zusammenarbeit mit unzuverlässigen Menschen ist. Es ist grausam. Ehrlich.


Also, Fazit: Macht euch eure eigenen Regeln. Seid nicht ständig erreichbar. Dafür aber zuverlässig – und gut, in dem was ihr tut. Dann sind alle zufrieden.
Oder auf jeden Fall: ihr selbst. Versprochen.

Warum ich nur mit passenden Kunden zusammen arebeite

Ich hatte mal einen Kunden, der hatte einen supertollen Auftrag. Wirklich sooooo cool, und echt gut bezahlt, alles top. Nur: schon bei den ersten E-Mails dauerte es einfach ewig, bis er antwortete. Also wirklich lang. Dann vergaß er unseren Skype-Termin, und überhaupt, ständig hatte er Ausreden, weil er so viel zu tun hatte… Seltsam kam mir das alles vor. Aber weil es so toll war, nahm ich den Auftrag an. Schrieb die ersten Texte (der Auftrag war insgesamt noch viel größer) und schickte sie ihm. Erst mal kam nichts. Dann irgendwann: Ja, super, aber bevor ich weiterschreibe, sollten wir nochmal reden, damit der Ton insgesamt perfekt ist.

Dann hörte ich nie wieder was von ihm.

Bis heute.

Klugerweise hatte ich eine Anzahlung verlangt, und nur so viel geschrieben, wie mit der Anzahlung abgedeckt war. Aber trotzdem war ich bitter enttäuscht. So schade um den tollen Auftrag! Und ich war sauer auf mich selbst. Weil ich sooooo begeistert gewesen war, hatte ich nicht all die Alarmglocken schellen hören. Hallo: Wenn jemand keine Zeit hat, auf eine E-Mail zu antworten oder mal kurz anzurufen, wenn jemand keine Zeit hat für SEIN EIGENES PROJEKT, dann ist er einfach unfähig, zu arbeiten. Und damit: kein guter Kunde.

Seitdem habe ich also ein paar, hm, sagen wir mal, kleine Tests eingebaut. Wirklich kleine, ganz einfache, nette Tests. Die aber ein wenig Zuverlässigkeit und ein ganz klein wenig Engagement verlangen. (Wie die genau aussehen, dazu kommen wir später mal.)

Wenn der Kunde diese “Mini-Mini-Tests” nicht besteht, dann wird das nix. Weil ich dann weiß, dass es nachher nur jede Menge Ärger und Verzweiflung gibt.

Und was soll ich sagen – das funktioniert!

Also: Sucht euch eure Kunden gut aus. Denn das Leben ist zu kurz dafür, um sich mit schlechten Kunden herumzuärgern. 😉

Warum ich mich auf meiner Website nicht verstelle

Ja, schön sind sie, diese Seiten, auf denen alles so…. perfekt aussieht. Cleane, eierschalenweiße Optik, supersachliche Texte, schlichte Stockfotos – toll.
Wie beim Zahnarzt. Oder beim Steuerberater.
Da hat man gleich das Gefühl: Die wissen, was sie tun. Die haben Ahnung. Die sind klug. Die sind echt superseriös.

Und dann klickt man weiter. Zum Beispiel auf die “Über-mich-Seite”, oder auf die “Team-Seite”, und dann sieht man das Foto dort, und denkt sich: Hä? Die lacht ja volle Kanne! Oder: Hä? Der hat ja ein Tattoo mitten im Gesicht! Oder: Hä? Die sieht ja so… alternativ aus!

Oder, noch schlimmer: Es gibt gar kein Foto von demjenigen auf der Website. Dann macht man (vollkommen ahnungslos) einen Skype-Termin mit dem Menschen aus, und auf dem Bildschirm ploppt auf: ein etwas zerzauster Herr mittleren Alters in Jogginghose und Bademantel – und im Hintergrund stapeln sich die Pizzakartons.

Saublöd ist das. Weil man da nämlich ganz, ganz tief fällt. Von der hohen Erwartung aus auf den harten Boden der Realität.

Und nein, ich habe rein gar nichts gegen Herren mit zerzaustem Haar und Pizzakarton-Stapeln (gut, das mit dem Bademantel ist wohl grenzwertig), im Gegenteil: Wenn der Typ sich genauso auf seiner Website präsentiert, als Chaot, aber als wahnsinnig kluger, genialer und hoch innovativer Chaot, der mir klipp und klar sagt, dass er zwar niemals zum Friseur geht, aber mit CSS auf WordPress so elegant spielen kann wie andere Menschen auf einer E-Gitarre – ja dann verdammt nochmal ist das doch genau mein Mann! (Also, wenn ich gerade auf der Suche nach einem WordPress-Crack bin, natürlich.)

Was ich damit sagen will: Die Website sollte genau so sein, wie du (oder dein Unternehmen) ist.

Bist du kreativ? Dann zeig das auf der Website! Bist du nachdenklich? Oder lustig? Fröhlich? Witzig? Zuverlässig? Klug? All das darf auf deiner Website zu sehen sein. Und zwar in den Fotos, durch den Stil, durch den Ton, und durch das, was da tatsächlich geschrieben steht. Überleg dir einfach: Hm, was macht mich eigentlich aus? Wie bin ich eigentlich so? Was schätzen andere Leute an mir? Was kann ich richtig gut? All das muss auf der Website zu lesen und zu sehen sein.

Und dann fragst du dich: Und was finden andere Leute vielleicht scheiße an mir?

Da fallen dir sicherlich (hoffentlich) auch ein paar Sachen ein. (Wenn dir nichts einfällt, frag einfach deine beste Freundin.) Dann nimmst du ein, zwei negative Dinge, am besten die etwas harmloseren, und: Sprichst die ganz offen an.

Also im Falle unseres genialen CSS-Cracks:

“Okay, ich gehe nicht zum Friseur. Und ich esse jeden Tag Pizza. Ja, vom Lieferservice.”

Hm, das ist etwas seltsam – aber doch irgendwie sympathisch, oder?

Und dann kommt das wichtige:

“Aber das kann dir egal sein. Denn du musst weder mit mir auf den 70.Geburtstag deiner Oma auftauchen noch über meine Blutfettwerte beim Arzt zittern.

Sondern du darfst: Einfach nur meine geniale Programmierung auf deiner Website genießen.”

Okay, das war jetzt nur ein Schnellschuss – aber irgendwie ist das doch saucool, oder?

Jupp.

Ich wiederhole also: Verstelle dich nicht für deine Website. Zeige dich genau so, wie du bist.

(Ach, und: Solltest du Zahnarzt sein, empfehle ich dir eine cleane, eierschalenweiße Optik, supersachliche Texte und schlichte Stockfotos. Logo.)

Warum ich keine SEO-optimierten Webtexte anbiete

Weil ich keine SEO-Content-Produzentin bin. Wenn du so etwas suchst, dann bist du hier falsch. Denn ich schreibe Texte, richtig gute Texte. Punkt. Alleine. Mit Gehirn, Gefühl und meinen Fingern. Ganz ohne digitalen Beistand. (Ehrlich, ich kann es nicht abhaben, wenn mir irgendein Gratis-Plugin vorschreiben will, wann ich einen Absatz zu machen habe, wie viele Zwischentitel in den Text gehören und dass ich das selten dämliche Longtail-Keyword „wo webdesign mit WP kaufe“ noch fünf Mal unterbringen soll. Argh.)

Und wie die Suchmaschinen dann deine Website finden?

Nun, ganz einfach: Suchmaschinen sind dafür gemacht, unsere Websites zu finden, richtig einzuordnen und dem Sucher die für ihn passenden Ergebnisse zu präsentieren. Das ist ihre Aufgabe. Sie müssen sich darum kümmern, dass das gut funktioniert. Und das tun sie auch. Sie suchen meine Texte hier auf der Website ganz selbstständig ab, nach etwaigen “Keywords”, die sie sich dann merken. Bei mir hier auf der Website ist das vielleicht “Nina Praun” und “Textrebellin”, oder “kreativ texten”, oder “mutig”… keine Ahnung. Außerdem schauen die Suchmaschinen (na gut, sagen wir, wie es ist: Google) wie lange die Seite zum Laden braucht. Schnelle Ladezeiten: gut. Lang: Schlecht. Und: Sie messen dann die Zeit, wie lange die Menschen, die User, also DU, hier auf der Website verbringst. Und wenn du meine Texte liest, dann werde ich dafür belohnt. Oder so.

Was weiß ich. Wie gesagt: ich bin kein SEO-Experte.

(Aber es gibt SEO-Experten, jede Menge. Die können Texte easy-peasy SEO-optimieren. Auch meine Texte – wenn du das willst. Die kannst du dafür beauftragen. Im englischsprachigen Bereich hat sich das sowieso nie miteinander vewurschtelt, das Schreiben und das SEOisieren: Dort gibt es immer zwei Menschen, zwei Experten, die jeweils das tun, was sie am besten können. Ich kann eben: Schreiben. 🙂)

Also, ich bin das beste Beispiel dafür: Es kommen Menschen auf meine Website.

Ja.

Auch du bist auf meine Website gekommen, obwohl ich dich nicht mit Keywords angelockt habe.

Und wie die zu mir finden? Über Facebook, über Instagram und über Google kommen sie zu mir. Das sagt zumindest meine Statistik-Plugin. Vielleicht bist du aber auch über Empfehlung gekommen. Oder weil ich dir mal meine Visitenkarte gegeben habe. Oder über meinen Newsletter. Oder… Hm, gerade fällt mir nicht mehr ein.

Egal. Hauptsache ist: Du bist hier! Beweis erbracht. 😉

Und übrigens: Die Menschen beauftragen dich nicht, nur weil du auf Platz 1 bei Google stehst. Da gehört noch viel, viel mehr dazu. Die Menschen müssen dich und dein Unternehmen kennenlernen, dich mögen, dir vertrauen. Nur dann beauftragen sie dich. Aber dessen bist du dir sicherlich schon bewusst.

Oh, was, du hast aber eine neue App kreiert, die braucht eine Million Downloads, bis du sie zu Geld machen kannst – und jetzt MUSST du bei Google auf Platz 1 kommen???

Hu. Stimmt. Dann sag ich dir klipp und klar: Such dir mal ganz schnell einen SEO-Experten. Und jetzt: Viel Glück!!!