Die Arten(kenner)-Serie: Die Haselmaus

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die – zuckersüße – Haselmaus!

Haben Sie schon einmal eine Haselmaus durch ihren Garten huschen sehen? Nein? Kein Wunder. Denn: „Die Haselmaus ist überhaupt nicht auf dem Boden unterwegs, sondern nur auf Bäumen oder Sträuchern“, sagt Hartmut Schmid. Warum das? Weil sie gar keine Maus ist – sondern ein Bilch. Ihre nahen Verwandten sind der Sieben-, der Garten- und der Baumschläfer; selbst mit Eichhörnchen ist sie näher verwandt als mit „echten“ Mäusen. Sie sieht ihnen aber ähnlich. Aber: Sie ist viel goldiger. Das sagt der Experte: „Sie ist das süßestes, was man sich ungefähr vorstellen kann – ein richtiges Hascherl“, erzählt Schmid.

Der 59-Jährige aus Donaustauf (Kreis Regensburg) ist landschaftsökologischer Gutachter und Gebietsbetreuer beim Landschaftspflegeverband Regensburg. Er hatte schon einige Male die Ehre, Haselmäusen zu begegnen, dabei ist so ein Treffen keinesfalls selbstverständlich. Es ist sehr schwierig, sie zu finden, Laien würden sich „dumm und deppert“ suchen, sagt der Artenkenner kichernd. Denn die Haselmaus ist nachtaktiv und kommt nur heraus, wenn es stockdunkel ist. Experten suchen also nicht nach dem Tier, sondern erst einmal nach den Haselnüssen. Daher auch der Name: im Herbst frisst sich die Haselmaus an Haselnüssen kugelrund, als Vorbereitung für den langen Winterschlaf. Dabei knabbert sie ein Loch in die Nuss, und anhand der Schalen samt Loch und spezieller Knabberspuren kann der Experte deuten, das hier eine Haselmaus am Werk war. Man kann sich vorstellen, dass es also eine recht aufwendige Angelegenheit ist, nachzuweisen, wo genau die Haselmaus lebt. Deshalb ist es auch schwer zu sagen, ob es ihr nun gut geht oder nicht. „Da gibt es eine große Unsicherheit“, berichtet Schmid. In einem Projekt mit dem Bund Naturschutz sucht Schmid nach Gartenschläfern, und merkt: „Deren Bestände brechen zusammen.“ Der Haselmaus könnte es ähnlich ergehen. Denn Vieles, was sie liebt, verschwindet, Höhlen, Verstecke, unordentliche Sträucher. Ein Brombeergestrüpp etwa, das liebt sie, da baut sie sich ihr Nest direkt hinein, damit ihr das Futter direkt vor die Nase wächst. Die Brombeere ist nämlich ihr Leibgericht. Schmid schmunzelt. „Eigentlich müsste sie Brombeermaus heißen.“

(Bildquellen Fotos: Schmid)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Buchdrucker

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Buchdrucker! (Aka: Borkenkäfer.)

„Buchdrucker“ hört sich so harmlos an. Doch wehe, man hört den Überbegriff: Borkenkäfer! Schon tauchen Bilder von gefräßigen Monstern auf, die unschuldige Bäume massenweise als tote Gerippe hinterlassen. Doch hier gilt es, mit einigen Vorurteilen aufzuräumen. Erstens: Nicht jeder Borkenkäfer schadet. Es gibt etwa 110 Arten von Borkenkäfern in Deutschland, und nur „ganz wenige davon können Schäden im wirtschaftlichen Sinne anrichten“, erklärt Sebastian Seibold – darunter eben der Buchdrucker. Doch zweitens: Selbst dieser Buchdrucker ist kein Monster, sondern: „Es ist Teil seiner Ökologie, dass er lebende, gesunde Fichten besiedeln kann“, erklärt der Wissenschaftler an der TU München am Lehrstuhl für Ökosystemdynamik und Waldmanagement und stellvertretende Leiter des Sachgebiets Forschung im Nationalpark Berchtesgaden.

Teil seiner Ökologie? Das hört sich so schlicht an, doch in Wirklichkeit spielt sich da Unglaubliches ab. Der Buchdrucker ist ein unscheinbarer Käfer, winzig klein, etwa eineinhalb bis drei Millimeter groß, „man könnte ihn mit einem Dreckkrümel verwechseln“, berichtet Seibold. Sein Lieblings-Lebensraum befindet sich unterhalb der Fichtenrinde. Dort gräbt er Tunnel, legt Eier ab, und vor allem die Larven fressen dann das nährstoffreiche Gewebe, den „Bast“ zwischen Rinde und Holz weg, der Baum stirbt ab. Doch, und das ist wichtig: Ein einziger Käfer schafft es nicht, in dieses Fressparadies zu gelangen. Der Baum ist gewappnet mit klebrigem Harz und chemischen Abwehrstoffen – ein Käfer wird schnell abgetötet. Deshalb zieht er vereint in die Schlacht. Ein paar „Scouts“ suchen als Vorhut die Bäume ab, welcher ist schwach, angeschlagen? Dann rufen sie die Massen zusammen, per chemischer Kommunikation mit Duftstoffen. Vereint greifen sie zu tausenden den Baum an, nehmen ihn ein und vermehren sich massenhaft weiter.

Für Wirtschaftswälder ist das furchtbar, betont der 34-jährige Seibold. Doch der Experte weiß auch, dass der Buchdrucker eine heimische Käferart ist, die es eben überall da gibt, wo Fichten sind. Und: Er hat eine Funktion. Denn dort, wo man den Buchdrucker hausen ließ, etwa im Nationalpark Bayerischer Wald, sind vielfältige, robuste, stabile Wälder nachgewachsen, mit einer unglaublichen Artenvielfalt, bei Pflanzen wie bei Tieren. Er weiß, dass man den Käfer nicht in jedem Wirtschaftswald hausen lassen kann, aber vielleicht ab und an in einem Schutzgebiet oder in einem Privatwald? Eines ist ihm jedenfalls wichtig: „Ich plädiere dafür, nicht alles nur aus einer Perspektive zu sehen. Der Buchdrucker ist nicht nur ein Schädling.“ Sondern, wie wir nun wissen: ein tapferer, kluger, kleiner Krieger – auf der Suche nach dem Paradies.

(Bildquellen: Foto Buchdrucker: WikiCommons/ James K. Lindsey;
Foto Seibold: privat)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Steinfliege

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Steinfliege!

Wenn ein durstiger Wanderer wissen möchte, ob der Gebirgsbach, der da so imposant an ihm vorbeirauscht, wirklich gesundes Wasser führt, der sollte sich einfach mal umschauen: nach Steinfliegen. Denn die sind „tolle Indikatoren“ für die Gewässerqualität, sagt Katharina Stöckl-Bauer. Die 34-Jährige ist studierte Biologin, arbeitet an der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen und ist Muschelexpertin und zudem Kennerin jener Arten, die auch für die Gewässer und somit die Muschel wichtig sind; wie eben die Steinfliege, die nur dort existiert, wo das Wasser eine extrem gute Qualität hat.

Denn die meiste Zeit ihres Lebens ist sie eigentlich gar keine Fliege, sondern eine Larve, und die lebt Tag und Nacht unter Wasser. Sie sitzt ganz unten im Bachbett, flach auf den Steinen, denn direkt über den Steinen gibt es kaum Strömung, also kann die Steinfliegenlarve dort entspannt sitzen und warten, auf: Futter. Die meisten Steinfliegenlarven (es gibt bei uns etwa 100 verschiedene Arten) sind nämlich Räuber, sie fressen also andere Larven, von Eintagsfliegen etwa. Das hört sich ziemlich kannibalisch an, ist es aber eigentlich gar nicht: Denn Steinfliegen haben mit Eintagsfliegen so viel gemein wie eine Wüstenspringmaus mit einem Elefanten – sie gehören einer ganz anderen biologischen „Ordnung“ an. Da sitzen die Larven also, fressen und häuten sich, 10 bis 25 Mal. Denn der Chitinpanzer ist ja recht starr, und wenn die Larven wachsen, wird er zu klein, also muss er abgeworfen werden. Jahrelang kann das so gehen, doch irgendwann ist es aber so weit, dann geht die Larve ans Ufer, häutet sich ein allerletztes Mal und so erscheint die „richtige“ Steinfliege. Dieses Insekt ist nicht vergleichbar mit unseren Stubenfliegen, es ist ein imposantes Wesen, 3 oder 4 Zentimeter lang, mit mächtigen Flügeln, die es über seinem Körper faltet. „Ich finde sie schon sehr spektakulär“, sagt Stöckl-Bauer. Im Sommer kann man sie dann beim Umherfliegen an Bächen oder Flüssen beobachten, allerdings nur kurz, denn nach Paarung und Eiablage ist es schon wieder vorbei mit dem Fliegen-Leben. Dieses Konzept scheint sich aber bewährt zu haben: Es wurde ein Fossil gefunden, das ein Vorfahr der Steinfliege ist, aus dem Karbon, also aus einer Zeit vor etwa 300 Millionen Jahren. Also das ist wirklich sehr spektakulär.

(Bildquellen: Foto Steinfliege: Wiki Commons/Eric Steinert;
Foto Stöckl-Bauer: privat)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Kreuzotter

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Kreuzotter! (Aber keine Angst, die tut nichts. Ehrlich.)

Wenn Sebastian Haas unterwegs ist, um Kreuzottern zu suchen, dann sucht er nach: Hundehaufen. Genauso sieht die Kreuzotter nämlich auf den ersten Blick aus, wenn sie sich zusammengerollt auf einem Weg sonnt. Das macht sie aber nur, wenn sie sich alleine wähnt, sobald sie den Menschen entdeckt, macht sie sich von dannen, und zwar geräuschlos. „Eine Kreuzotter kann auch über Laub praktisch lautlos davon kriechen“, berichtet Sebastian Haas. Der 42-Jährige ist Biologie- und Chemielehrer, verheiratet, Vater von drei Söhnen, engagiert sich für den Bund Naturschutz in Feucht – und kartiert in seiner Freizeit Kreuzotter-Vorkommen.

Denn südöstlich von Nürnberg, in einem Wald in der Nähe seines Zuhauses in Feucht (Kreis Nürnberger Land), gibt es eine „größere Restpopulation“, so Haas, geschätzt etwa 60 Tiere. Das sind relativ viele dafür, dass die eigentlich „großen“ Kreuzotter-Vorkommen in Bayern in den Voralpen, den Alpen, im Bayerwald und im Fichtelgebirge liegen – wobei „groß“ auch dabei eine Übertreibung ist, denn die Kreuzotter ist stark gefährdet.

Sie kommt mit der modernen Welt einfach nicht zurecht. Ihr Lebensraum, die Kleinstrukturen, gibt es kaum noch; Hecken, Steine, Baumstümpfe – was man eben so braucht als sonnen- und schattenliebendes Tier. Außerdem braucht sie Feuchtgebiete für die Aufzucht der Jungen, denn nur dort leben auch junge Frösche, die, tja, das Lieblingsgericht der kleinen Kreuzottern sind. Die ausgewachsenen Tiere fressen aber lieber Mäuse. Auf die warten sie lauernd, regungslos, stundenlang, stoßen dann vor, beißen mit ihren Giftzahn zu, ziehen sich wieder zurück und warten, bis die Maus durch das Gift stirbt, das dauert nicht lange, dann verschlucken sie sie komplett. Die Kreuzotter wäre viel zu schwach, um es mit einer Maus im Kampf aufnehmen zu können – sie ist eben keine Würgeschlange, sondern eine Giftschlange. „Die einzige bayerische Giftschlange“, betont Haas. Dieses Gift könnte auch uns Menschen schaden, aber eher theoretisch. Denn sie hat vor uns Angst und „nimmt sofort Reißaus“, berichtet Haas: „In den vergangenen 50 Jahren gab es bei uns keinen einzigen Todesfall wegen Kreuzottern.“ Umgekehrt gab es aber viele tote Kreuzottern wegen Menschen. Sie werden oft überfahren, von Lkw, Autos und Fahrrädern. Wer mit dem Moutainbike durch einen Wald fährt, merkt vielleicht gar nicht, dass er statt über einen Ast über eine Schlange gerollt ist – doch sie ist sofort tot. Deshalb bittet Haas um ein wenig Rücksicht – um unsere einzige echt bayerische Giftschlange.

(Bildquellen Foto Kreuzotter: Roland Geyer, Foto Haas: privat)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Laubfrosch

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Laubfrosch!

Zur Zeit ist es ja fast normal, es sich des Abends zu Hause gemütlich zu machen und Gratis-Konzerte anzuhören. Die meisten davon werden im Internet präsentiert – doch es gibt auch andere Quellen, etwa die Natur. Selbstverständlich denkt man da an ein Vogelstimmenkonzert, doch es gibt auch noch andere Arten, die für den aufgeschlossenen Zuhörer eine kleines Nachtkonzert bieten: Laubfrösche. „Den Laubfrosch kann man nachts gut hören, das ist eine wunderbare Abendkulisse“, erzählt Ulrich Meßlinger. Jetzt, wo die Nächte milder werden, kommen die Herrschaften langsam in Stimmung, erzählt Meßlinger. Das Ganze ist nämlich ein Balzkonzert: Die Männchen rufen nach den Weibchen; dabei formen sie aber kein gewöhnliches „Quaaaaak“ sondern eher eine Art sägendes Zirpen, „ein Geräusch wie äb, äb, äb“, erklärt der Artenkenner – schwer zu beschreiben, am besten hört man sich mal ein Beispiel im Internet an. Denn: „Die meisten wissen gar nicht, dass es ein Laubfrosch ist, der dieses Geräusch in ihrem Garten macht“, sagt Meßlinger.

Der 59-Jährige ist Diplom-Biologe, arbeitet in einem Fachbüro und engagiert sich für den Landesarbeitskreis Artenschutz des Bund Naturschutz als Experte im Bereich Amphibien. Schon seit der Jugend faszinieren ihn diese Tiere, der Laubfrosch hat es ihm besonders angetan. „Er ist sehr sympathisch“, erklärt Meßlinger. Er sieht wirklich putzig aus, nur 5 bis 6 Zentimeter groß, wirklich sehr grün und mit kleinen Saugnäpfen an den „Fingern“. Mit ihnen kraxelt er Bäume hoch, versteckt sich dort im Laub und wartet auf Fressen, zum Beispiel auf Blattläuse, Fliegen oder Asseln. Doch auch diese Frösche brauchen Wasser, sonst wären sie ja keine Amphibien. Sie bevorzugen sonnige, flache Gewässer wie Weiher, Gartenteiche oder Naturschutztümpel. Dort laicht er ab, dort werden die Kaulquappen groß; deshalb darf es darin auch keine Fische geben.

Dass es solche Gewässer kaum noch gibt, ist natürlich eine Gefahr für den kleinen Laubfrosch, wie auch Straßen und Landwirtschaft, wo er auf seinen weiten Wanderwegen leider oft zu Tode kommt. Wer dem Laubfrosch also etwas Gutes tun will, versucht, keinen „Katalog-Garten“ zu pflegen, so Meßlinger, sondern Sträucher, Büsche und Verstecke wie Reisig- oder Bretterhaufen stehen und liegen zu lassen. Wenn dann noch irgendwo ein Tümpel in der Nähe ist, und der Weg dorthin gefahrenfrei, dann können schon bald die Nachtkonzerte beginnen.

(Bildquellen Fotos: Ulrich Meßlinger)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Wiesenhummel

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Wiesenhummel!

Sie ist klein und flauschig, brummt gemütlich vor sich hin und scheint keinem etwas Böses zu wollen: Die Hummel ist wirklich eines der sympathischsten Insekten. Der Meinung ist auch Rosa Albrecht, die sich im Masterstudium der Biologie mit Insekten befasst und sich direkt danach auf Hummeln spezialisiert hat. „Gerade die Wiesenhummel ist besonders süß, sie ist relativ klein und richtig bunt, mit den gelben Streifen und einem roten Hintern“, erzählt die 29-jährige Artenkennerin aus München.

Außerdem ist sie extrem friedlich, denn tatsächlich kann eine Hummel zwar stechen – tut es aber nicht. „Einer Hummel kann man auch ziemlich nahe kommen, das stört sie gar nicht“, sagt Rosa Albrecht. „Sie ist eben nicht aggressiv.“ Die Wiesenhummel wird nicht einmal zickig, wenn man sich ihrem Nest nähert; andere Arten gehen zumindest dann in eine Verteidigungshaltung über.

Auch der Nestbau der Wiesenhummel hat etwas sehr Sympathisches an sich: Sie baut ihr Nest zwar wie jede vernünftige Biene (ja, die Hummeln sind eine Familie innerhalb der Bienen) aus Wachs, doch die Waben der Wiesenhummel sind nicht so akkurat secheckig angeordnet wie die der Honigbiene, sondern „ganz konfus, ohne eine bestimmte Form“, berichtet Albrecht. Von außen sieht das Ganze dann aus „wie ein zerknüllter Wachsball“. Den man allerdings in der Natur eher nicht zu Gesicht bekommen wird, denn die Wiesenhummel hält ihr Nest sehr gut versteckt. Sie lebt oberirdisch, im Gegensatz zu anderen Hummelarten, das Nest wird etwa in Grasbüscheln, Bäumen, alten Vogelnestern oder auch mal im Meisennistkasten gebaut. Die Jungkönigin, die unter der Erde überwintert hat, gründet dieses Nest meist schon sehr früh im Jahr, legt dann ihre Eier. So drehen die ersten Mitglieder des Wiesenhummelvolks schon jetzt ihre Runden in unseren Gärten.

Damit sie gerne kommen und auch bleiben, sollte man schlicht und einfach Blumen im Garten haben. „Die Wiesenhummel hat keine bestimmte Vorlieben“, sagt Albrecht, „sie fliegt eigentlich alles an“. Voraussetzung ist natürlich, dass die Blumen Nektar und Pollen haben; überzüchtete Arten gelten also nicht. „Ganz normale Wiesenblumen wie Storchschnabel, Beinwell oder Traubenhyazinthen sind etwa gut“, erklärt Rosa Albrecht. Dann kann man sich an den sympathischen kleinen Brummern den ganzen Frühling und Sommer über erfreuen.

(Bildquellen Fotos: Rosa Albrecht: privat; Wiesenhummel: Hummeltelefon 2019/Katja Wadlinger)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Mauersegler

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Mauersegler!

In der Luft leben, in der Luft spielen, fressen, trinken und sogar: schlafen – und das jahrelang, ohne auch nur ein einziges Mal zu landen. Für uns Menschen ist so ein Leben unvorstellbar. Doch für die Mauersegler ist es Alltag. Die Jungen üben das Flügelschlagen nur ein wenig im Nest, sobald sie flügge werden, starten sie los und bleiben dann unglaubliche drei Jahre lang in der Luft ohne zu landen – bis sie selbst nisten. Und was machen sie da oben in der Luft, Tag für Tag? Tagsüber jagen sie Insekten in der Luft, abends gehen sie auf 500 bis 3000 Meter hoch, ziehen ihre Kreise und schlafen dabei. „Die Flügel schlagen dann nur etwa sieben Mal pro Sekunde“, berichtet der Artenkenner Christian Langebartels. „Das ist wenig, wenn man weiß, wer die Verwandten der Mauersegler sind: Kolibris.“

Die Mauersegler sind wie dazu gemacht, in der Luft zu leben. Sie haben im Verhältnis zu ihrem etwa 17 Zentimeter langem Körper riesig große Flügel mit einer Spannweite von 40 bis 45 Zentimetern und sie sind „eigentlich fußlos“, sagt Langebartels. Der 68-Jährige aus Eching hat früher in der Umweltforschung gearbeitet und ist nun beim LBV engagiert, er hat etwa bei dem Projekt „Gebäudebrüter im Landkreis Freising“ mitgearbeitet. Dabei wurden Nistplätze von Mauerseglern und Schwalben gesucht, in Nischen, Dachvorsprüngen oder Rolladenkästen, und es wurden schon 678 gefunden. Was erstaunlich ist, denn sie sind extrem schwierig zu entdecken. „Sie sind wirklich sehr, sehr heimlich“, erklärt Langebartels. Man merkt es gar nicht, wenn ein Mauerseglerpaar im eigenen Haus nistet, denn sie sind extrem sauber und bringen jeglichen Schmutz und Kot sofort weg, sie sind im Nest nicht laut und sie sind quasi unsichtbar. Selbst für ein geschultes Auge ist es extrem schwierig, einen Mauersegler beim Ein- oder gar Ausflug ins Nest zu entdecken, erzählt Langebartels. „Wenn man nur einmal kurz das Augenlid schließt, ist er schon rausgeflogen und man hat es verpasst.“ Deshalb ist es sehr wichtig, dass man von Mai bis Juni keine Dächer oder Fassaden saniert, denn genau in dieser Zeit brütet der Mauersegler. Einst in uralten Eichen, etwa 300 bis 400 Jahren alt. „Doch die gibt es nicht mehr“, sagt Langebartels. „Er ist also auf unsere Bauten angewiesen.“

(Billdquellen: Christian Langebartels: privat; Mauersegler: Zdenek Tunka/LBV Bildarchiv)

Wer trotzdem plant, im Frühsommer sein altes Haus zu sanieren, sollte sich vorher beim Landratsamt oder beim LBV informieren; die Nester stehen unter Naturschutz. Infos gibt es unter www.lbv.de.

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Die Wasseramsel

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Wasseramsel!

Da steht ein dicklicher kleiner Vogel auf einem gefrorenen Schneeufer an einem rauschenden Gebirgsbach, schaut auf die Wellen – und zack, stürzt sich per Hechtsprung kopfüber ins Wasser, mitten hinein in die Fluten, darin taucht er hin und her, und hüpft dann wieder ans Ufer, als wäre nichts gewesen. Tja, für die Wasseramsel, die man bei solchen Tauchgängen in zahlreichen Internet-Videos beobachten kann, ist da wirklich nichts dabei. Denn wie der Name schon sagt: Das Element dieses Vogels ist nicht nur die Luft, sondern auch das Wasser. „Es ist der einzige Singvogel, der schwimmen und tauchen kann“, sagt Margarete Siering. „Es sieht fast so aus, als ob er unter Wasser fliegt.“

Die 31-Jährige hat Naturschutz und Biodiversität studiert, arbeitet bei der Regierung von Schwaben im Bereich Artenschutz und ist schon seit ihrer frühen Kindheit eine echte Vogelliebhaberin – denn ihre Eltern sind Ornithologen. Die Wasseramsel kennt sie schon lange, denn dieser außergewöhnliche Vogel lebt das ganze Jahr über hier bei uns in Bayern, entlang der großen Flusssysteme, sogar an der Münchner Isar ist er zu finden. Deshalb gehört der Ton seines geschwätzigen Gesangs für uns auch quasi zum Rauschen des Gebirgsbachs dazu.

Doch die Wasseramsel hat es seit Jahrzehnten leider schwer bei uns, denn sie leidet extrem unter Gewässerverschmutzung oder Flussbegradigung, denn dadurch sterben die Wasserinsekten aus – ihr Futter. Mittlerweile aber wird die Gewässerqualität stetig verbessert und einige Flüsse renaturiert, und so fühlt sich auch die Wasseramsel wieder wohler bei uns. Derzeit gibt es 2300 bis 3600 Brutpaare in Bayern, die jedes Jahr wieder fest aufgeteilte Rollen übernehmen: Der Mann sucht den Nestplatz aus, ein Spalt unter einer Brücke, in einem Fels oder gar hinter einem Wasserfall. Die Frau richtet ihn dann ein, aus jeder Menge Moos und Gras formt sie eine gemütliche und gut getarnte Höhle, die sie mit Eichenlaub ausstattet – denn das ist antibakteriell, und so fängt trotz Feuchtigkeit nichts zu schimmeln an. Die Mama bleibt dann daheim bei den Kleinen und der Mann zieht los, um die Familie zu versorgen, um Futter zu suchen. Scheinen ziemlich konservativ zu sein, diese Wasseramseln? Von wegen: Sie frönen der sogenannten „Saisonehe“. Heißt: Im Jahr darauf wird wieder ein neuer Partner gesucht.

(Bildquellen Fotos: Margarete Siering)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Hermelin

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Hermelin!

Mit dem Marder verbinden wir heutzutage vor allen Dingen: Ärger. Zumindest Autobesitzer, die fassungslos vor einer geöffneten Motorhaube stehen und feststellen müssen, dass ein Marder wohl eine ziemlich große Wut auf sämtliche Kabel des unschuldigen Autos hatte – und sie wild auslebte. Daran denken wir bei: Mardern. Doch welch elitäre Gedanken haben wir zum Hermelin! Ein elegantes weißes Tierchen, dessen Fell Königsmäntel dekorierte, Ritterorden benannte und Wappen zierte. „Es gibt sogar ein Hermelin-Bild von Leonardo da Vinci“, erzählt Johannes Hillenbrand, darauf hält eine Frau einen weißen Hermelin auf dem Arm. Hillenbrand studiert Forst- und Holzwirtschaft in Freising und kennt sich mit dem „marderartigen Tier“ aus.

Denn ja, der Hermelin ist auch nur ein Mitglied der schnöden Marderfamilie, Zweitname übrigens: Großes Wiesel. Dass dieses Tierchen zu so hohem Ruhm und Ehre gelangte, lag vermutlich an seinem außergewöhnlichen Winterfell: komplett weiß mit schwarzer Schwanzspitze. Wobei der Hermelin beim Fellwechsel „relativ flexibel ist“, berichtet Hillenbrand. Denn im kalten Norden, in Skandinavien, wird der Hermelin verlässlich weiß; im warmen Süden aber behält er sein gewöhnliches, bräunliches Fell das ganze Jahr über. „Er ist recht anpassungsfähig, das ist hochinteressant“, sagt Hillenbrand. Die Fellfarbe ist für ihn Schutz und Tarnung zugleich: Es ist eines der kleinsten heimischen Raubtiere, etwa 22 bis 30 Zentimeter lang, und frisst „alles, was kleiner ist als er“, so der 27-jährige Artenkenner. Er selbst wird aber auch gejagt, von größeren Raubtieren wiederum.

Die sind allerdings nicht Schuld daran, dass der Hermelin bei uns tendenziell gefährdet ist. Das Fellthema ist auch nicht mehr das Problem, man darf ihn zwar noch bejagen, doch Hermlinfell gilt in Deutschland als eher „verpönt“, sagt Hillenbrand. Nein, der Hermelin leidet wie so viele andere Arten unter: Strukturarmut. „Er will hin- und herhuschen in Gebüschen, Hecken, unter Sträuchern, etwa an Waldrändern“, erklärt Hillenbrand. Doch die sind eben selten, auch bei uns in Bayern, wo der Acker oft bis zum Waldrand geht. So oder so: Sehen wird man ihn nie, denn er ist Einzelgänger, und „sehr menschenscheu“, sagt Hillenbrand. Wie da Vinci ihn dann zum Posieren bekommen hat? Eine gute Frage.

(Bildquellen: Foto Hillenbrand: privat; Foto Hermelin: Wikipedia, Fotograf Tony Wood)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Die Arten(kenner)-Serie: Der Regenwurm

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Regenwurm!

Jetzt im Frühling begegnen sie einem wieder bei jeglichen tiefergehenden Gartenprojekten: die Regenwürmer. Wie oft schon hat ein Hobbygärtner nach dem kräftigen Hieb mit dem Spaten in den Boden feststellen müssen, dass er dabei auch einen unschuldigen Regenwurm erwischt hat. Aber ist es nicht so, dass dem Regenwurm so eine Teilung gar nichts ausmacht, ja, dass dann gar zwei Regenwümer entstehen und munter weiterleben? „Ein ganz klares Nein“, lautet darauf die Antwort von Marion Müller. Sie ist Agrarbiologin, arbeitet bei einem Institut für Biodiversitätsinformation und ist Expertin auf diesem Gebiet. „Dieses Gerücht hält sich wirklich wacker“, doch auf gar keinen Fall werden aus einem Regenwurm zwei, erklärt die Artenkennerin, „auch der Regenwurm hat ein Vorderteil, mit dem er frisst, und aus seinem Hinterteil kann nicht wieder ein Mund werden“. Theoretisch möglich ist, dass man nur die Schwanzspitze abgekappt hat und der Wurm also weiterleben kann – aber nur theoretisch. „So ein Hieb sorgt für eine grobe Verletzung, und auch bei einem Regenwurm können sich da Bakterien und Pilze ansiedeln und so schnell Krankheiten entstehen.“ Die Überlebenschance eines getroffenen Wurms ist also: relativ gering.

Dabei ist er so wichtig für unseren Garten! „Für den Boden an sich ist er total toll“, schwärmt die 32-jährige Bambergerin. „Es sind die fleißigen Bienen unter der Erde.“ Denn der „Gemeine Regenwurm“, der unter unseren Gärten und Wiesen lebt, wälzt quasi unsere Erde um: Er nimmt mit seinem Mund seine Nahrung auf, etwas Erde und organisches Material, und scheidet hinten wieder hummusangereicherte Erde aus, die also „pflanzenverfügbar“ ist, so Müller. Also: düngt er den Boden. Dabei gräbt er sich auch mal ziemlich tief ein, bis zu drei Meter. Wenn es aber regnet, dann kommt er etwas höher hinauf, auch an die Oberfläche – daher also der Name. Warum, das konnte man leider noch nicht herausfinden. Ist es dann zu nass im Boden? Geht er auf Wanderschaft? Oder schmerzt ihn gar das Regen-Geräusch? Das übrigens die Amsel nachahmt, um ihr Lieblingsfressen herauszulocken: Genau 50 Hertz kreiert sie mit ihrem Trommeln, und genau diese 50 Hertz locken den Wurm aus dem Boden heraus; auch wenn sie von einem Gerät erklingen. Eine Regel aber können wir daraus ableiten: Will man so wenige Regenwürmer wie möglich mit dem Spaten erwischen, so legt man die Gartenarbeit am besten auf sehr trockene Tage – ohne zu trommeln.

(Bildquelle Fotos: Marion Müller)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.