Die Kleine Hufeisennase

Die „Kleine Hufeisennase“ haust gerne fürstlich: etwa in Schlössern, Burgen oder Kirchen. Gut, dort bewohnt die Hufeisennase zwar nur den vergessenen Speicher; aber stilvoll wirken diese Wohnorte trotzdem. Doch diese scheinbar elitäre Quartier-Wahl ist nicht der Grund, warum die Fledermaus-Art bei uns fast ausgestorben ist. Mittlerweile weiß man nur noch von elf „Wochenstuben“, das sind Wohngemeinschaften von Weibchen und ihren Jungen, „dabei war sie noch in den 1950er Jahren die häufigste Fledermausart in Bayern“, erzählt Beate Rutkowski.

Damals bewohnte sie noch ganz einfache Speicher, etwa in Bauernhäusern. Doch als die Gebäude saniert und renoviert wurden, als jedes Loch in der Wand zugemauert und alle Zugluftschächte geschlossen wurden, gab es dort kein Platz mehr für die Kleine Hufeisennase, oder für „Hufi“, wie Beate Rutkowski liebevoll sagt. Die 56-Jährige ist freiberufliche Diplom-Biologin und engagiert sich seit Jahrzehnten für den Bund Naturschutz in Traunstein. Dabei ist sie zu einer echten Fledermaus-Expertin geworden, eben auch für „Hufi“. Sie kennt die Gründe dafür, dass die Art so selten geworden ist: Dass die Insekten, also ihr Fressen, schwindet, ist etwa ein Problem; und auch Holz- oder Pflanzengift, das sie durch die Insekten aufnimmt, schadet ihr sehr. „Außerdem mag sie viel Struktur: dichte Laubbäume, Hecken, Sträucher. „Und sie braucht Dunkelheit, angestrahlte Gebäude etwa mag sie gar nicht“, erklärt Rutkowski.

Deshalb ist es so auch wichtig, dass die wenigen Quartiere, die es gibt, Hufeisennasenfreundlich bleiben. Also berät Rutkowski und ihre Kollegen die Besitzer der Quartiergebäude. Wie etwa das Schloss Neubeuern: Dort ist Rutkowski selbst bei einer Untersuchung auf die Art gestoßen. Versteckt hinter Gerümpel und altem Mobiliar hingen die Damen und ihr Nachwuchs von einem Dachbalken hinab. Eine anderes Grüppchen lebt auf Schloss Herrenchiemsee, zusammen mit weiteren Fledermaus-Arten. Ihnen zu Ehren wurde im Lichthof eine kleine Ausstellung aufgebaut, bei der man die Tiere sogar über einen Monitor beobachten kann, ohne sie zu stören. Denn das ist auch etwas, das den Hufeisennasen sehr wichtig ist: Ruhe. Den Namen hat sie übrigens wegen des Aussehens ihrer Nase. Die auch wichtig ist: Mit diesem Hautlappen „hört“ die Kleine Hufeisennase, sie fängt damit die Ruflaute auf, die sie zur Orientierung losgeschickt hat. Das ist besonders, denn die meisten anderen Fledermaus-Arten verwenden dafür ganz gewöhnlich: das Ohr.

(Bildquellen Fotos: Portrait: Toni Mader; Hufi: Dr. Andreas Zahn)

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