Die Holzbiene

Wenn derzeit ein schwarzes, dickes, brummelndes Etwas an einem vorbeifliegt, dann könnte das: eine Biene sein. Eine schwarze Biene? Ja, ganz richtig, und zwar eine „Holzbiene“. „Sie sind derzeit unterwegs und begatten sich“, erzählt Ulrich Buchholz. Der Artenkenner betreut mit Kollegen den „Forchheimer Artenkennerpass“, der von der Bund-Naturschutz-Kreisgruppe vor Ort in Kooperation mit anderen Institutionen angeboten wird, und dessen Ziel es ist, jüngeren Menschen Artenwissen näher zu bringen. Buchholz eignet sich perfekt dafür, er ist nicht nur beruflich Diplom-Biologe, die „Vermittlung von Artenkenntnis ist auch mein Hobby“, sagt der 58-jährige Forchheimer.

Bei dem Projekt bringt er den Teilnehmern unter anderem die Wildbienen näher, er kennt sich also aus mit unserer Holzbiene. Oder genauer mit unserer „Blauflügeligen Holzbiene“, denn wenn man in unseren Gefilden auf eine Holzbiene trifft, ist das für gewöhnlich eine solche. Wobei man als Laie eben nicht gleich darauf kommen könnte, dass es sich bei dem Exemplar um eine Biene handelt – eigentlich sieht sie eher aus wie eine Fliege, könnte man meinen. Doch davon will der Experte nichts hören: „Nein, die Biene hat doch vier Flügel!“ (Man merke sich: Fliegen haben wohl zwei Flügel.) Eher sehe die Holzbiene aus wie eine schwarze Hummel mit blau-violett schimmernden Flügeln. Sie kommt aus den Tropen, hat sich aber bei uns etabliert, ist also folglich wärmeliebend, lebt etwa an warmen Flussauen, im Weinbau, auf Streuobstwiesen und auch mal in Gärten, auf jeden Fall da, wo es Totholz gibt – für die Eiablage. „Lebende Bäume rührt sie nicht an, sie ist kein Schädling“, versichert Buchholz. Mit ihren Kauwerkzeugen, die viel stärker sind als die der Wespen, gräbt sie Löcher und Gänge in das Holz. Alleine, denn die Holzbienen bilden kein Volk wie die Honigbienen, „jede einzelne ist quasi eine Königin“, so der Experte. Sie treffen sich nur zur Begattung, das Weibchen legt die Eier dann in den Holzgängen ab. Sollte man also ein großes Loch in Totholz finden, etwa 12 bis 15 Millimeter im Durchmesser, in das ein großes schwarzes Etwas abtaucht, dann ist das vermutlich unsere fleißige Holzbiene. Und ja, sie kann stechen – aber: Sie tut es nicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.