Der Dreistachlige Stichling

Bunte Fische gibt`s nur in der Südsee? Von wegen. In allen unseren heimischen Gewässern schwimmt ein munterer kleiner Fisch umher, der einen knallorangenen Hals hat: der „Dreistachlige Stichling“. „Ein“ munterer Fisch ist jedoch untertrieben, vom Stichling gibt es sehr viele Exemplare bei uns Bayern. Man könnte fast sagen: „Es geht ihnen wohl ein bisschen zu gut“, sagt Joachim Bretzel.

Der 27-Jährige Ökologe und Landschaftsplaner hat lange Zeit am Bodensee gelebt und geforscht, und ist dort ist er mit einer Art Stichling-Mysterium in Berührung gekommen. Denn im Bodensee gibt es ihn in Massen, mittlerweile. Er ist dort eine invasive Art, über die Zuflüsse ist er wohl in den 1950er Jahren dort hineingeraten. Vor wenigen Jahren dann gab es dann eine Art „Stichlingsexplosion“, sagt Bretzel, heute schwimmen riesige Schwärme mit tausenden Fischen durch den See. Wie es dazu gekommen ist, weiß man noch nicht so genau, doch eines ist klar: Der Stichling ist derzeit wohl ein „optimaler Gewinner“, sagt Bretzel.

Doch da der anpassungsfähige Stichling innerhalb unserer Süßwasserfische auch ein bemerkenswertes, spannendes und relativ einzigartiges Brutverhalten zeigt, dürfen wir uns also für den kleinen Fisch einfach mal freuen. Vor allem für die männlichen Exemplare: Sie nämlich ziehen den Nachwuchs groß. Die Männchen bauen die Nester, locken ein paar unterschiedliche Weibchen an, die sie befruchten und deren Eier sie dann im Nest ansammeln. Die Weibchen werden schnell wieder verjagt, und auf das kunterbunte Gelege passen die Herren dann alleine auf wie auf ihren Augapfel und verteidigen es vor Feinden.

Denn der Stichling ist ein tapferer kleiner Geselle, sein Name verrät seine Strategie: Er hat drei Stacheln am Rücken, die er bei Bedarf aufstellen kann, wenn sich zum Beispiel ein natürlicher Feind nähert, etwa ein Raubfisch oder ein Raubvogel. Die Stacheln sind aus Knochenplatten und können richtig piksen. Es ist also nicht empfehlenswert, einen Stichling in die Hand zu nehmen – auch wenn er nicht giftig ist. Man sollte ihn also in einfach Ruhe zu lassen. Aber beobachten darf man ihn schon, er ist überall zu finden, in Bächen, Flüssen, Seen. Und wer im Sommer das wahre Südsee-Gefühl sucht, der findet es ganz einfach beim Schnorcheln im Bodensee. Ehrlich: Der Stichling, so Bretzel, ist „wirklich sehr hübsch“.

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