Das Glückswidderchen

Was für ein Name: Glücks-Widderchen. Dabei denkt man doch an einen kecken Bock; vielleicht noch an ein kuscheliges Kaninchen – vermutlich aber nicht an einen zarten Schmetterling. Doch genau das ist es: ein Tagfalter. „Widderchen“ heißen diese Falter wegen ihrer eindrucksvollen gebogenen Fühler, das „Glück“ kommt aus dem lateinischen Namen, „Zygaena fausta“, also in etwa: „Das Glück bringende Widderchen“. Leider ist ungeklärt, warum es Glück bringen soll. Vielleicht, weil es so zutraulich ist: „Der Falter ist auch so besonders, weil er nicht wegfliegt“, erzählt Christiane Brandt. „Es ist ein wirklich gemütlicher Genosse, er hat keine Angst. Wenn man ihm den Finger hinhält, dann steigt er vielleicht sogar drauf.“

Brandt ist Diplom-Biologin und Gebietsbetreuerin „Muschelkalk“ beim Landschaftspflegeverband Würzburg und Main-Spessart. Das ist ein „ganz besonderes Gebiet, einmalig auf der Welt“, erklärt die 58-Jährige, es ist eine spezielle geologische Formation, auf der eine Art mediterranes Klima herrscht, und so leben hier Arten aus der letzten Eiszeit zusammen mit Arten aus den nachfolgenden Wärmezeiten. Darunter auch: das Glückswidderchen.

Denn genau dort wächst seine Lieblingsblume, die „ Bergkronwicke“. Auf sie ist es angewiesen: Auf ihr legt es im Sommer seine Eier ab, etwa 10 bis 15 Stück pro Blatt. Dann schlüpfen etwa drei Wochen später die Raupen, fressen sich satt und lassen sich kugelrund auf den Boden fallen, wo sie den Winter verbringen, zusammengepfercht unter Blättern. Erst, wenn es wieder wärmer wird, also jetzt, kommen sie wieder raus und fressen sich weiter satt, bis sich sich verpuppen. Der rot-schwarze Falter entpuppt sich dann im Sommer, etwa im Juli, je nach Wetter. Genau zu dieser Zeit kann man das Glückswidderchen also in seiner vollen Schönheit und Zutraulichkeit erleben, aber eben nur in ganz speziellen Gebieten – ein Ausflug in das Naturschutzgebiet Grainberg-Kalbenstein etwa lohnt sich zu dieser Zeit. Dort ist auch Christiane Brandt unterwegs. Sie sorgt dafür, dass die stark gefährdeten Arten dort überleben können, indem sie etwa gegen die Verbuschung kämpft. Früher geschah das automatisch, als ständig Brennholz aus dem Wald geschnitten wurde und ein paar Schafe die Flächen entspannt beweideten – heute aber wird entweder intensiv bewirtschaftet oder gar nicht. Das verträgt die Bergkronwicke nicht; sie braucht lichte Standorte. Und etwas Glück, vermutlich. Wie gut, dass sie das Glückswidderchen immer bei sich trägt.

(Bildquelle Foto Falter: Herbert Kirsch)

Wer Interesse daran hat, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, kann sich per E-Mail an die Gebietsbetreuerin Christiane Brandt wenden: brandt-floren@web.de.

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