Die Arten(kenner)-Serie: Die Steinfliege

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Steinfliege!

Wenn ein durstiger Wanderer wissen möchte, ob der Gebirgsbach, der da so imposant an ihm vorbeirauscht, wirklich gesundes Wasser führt, der sollte sich einfach mal umschauen: nach Steinfliegen. Denn die sind „tolle Indikatoren“ für die Gewässerqualität, sagt Katharina Stöckl-Bauer. Die 34-Jährige ist studierte Biologin, arbeitet an der Bayerischen Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege in Laufen und ist Muschelexpertin und zudem Kennerin jener Arten, die auch für die Gewässer und somit die Muschel wichtig sind; wie eben die Steinfliege, die nur dort existiert, wo das Wasser eine extrem gute Qualität hat.

Denn die meiste Zeit ihres Lebens ist sie eigentlich gar keine Fliege, sondern eine Larve, und die lebt Tag und Nacht unter Wasser. Sie sitzt ganz unten im Bachbett, flach auf den Steinen, denn direkt über den Steinen gibt es kaum Strömung, also kann die Steinfliegenlarve dort entspannt sitzen und warten, auf: Futter. Die meisten Steinfliegenlarven (es gibt bei uns etwa 100 verschiedene Arten) sind nämlich Räuber, sie fressen also andere Larven, von Eintagsfliegen etwa. Das hört sich ziemlich kannibalisch an, ist es aber eigentlich gar nicht: Denn Steinfliegen haben mit Eintagsfliegen so viel gemein wie eine Wüstenspringmaus mit einem Elefanten – sie gehören einer ganz anderen biologischen „Ordnung“ an. Da sitzen die Larven also, fressen und häuten sich, 10 bis 25 Mal. Denn der Chitinpanzer ist ja recht starr, und wenn die Larven wachsen, wird er zu klein, also muss er abgeworfen werden. Jahrelang kann das so gehen, doch irgendwann ist es aber so weit, dann geht die Larve ans Ufer, häutet sich ein allerletztes Mal und so erscheint die „richtige“ Steinfliege. Dieses Insekt ist nicht vergleichbar mit unseren Stubenfliegen, es ist ein imposantes Wesen, 3 oder 4 Zentimeter lang, mit mächtigen Flügeln, die es über seinem Körper faltet. „Ich finde sie schon sehr spektakulär“, sagt Stöckl-Bauer. Im Sommer kann man sie dann beim Umherfliegen an Bächen oder Flüssen beobachten, allerdings nur kurz, denn nach Paarung und Eiablage ist es schon wieder vorbei mit dem Fliegen-Leben. Dieses Konzept scheint sich aber bewährt zu haben: Es wurde ein Fossil gefunden, das ein Vorfahr der Steinfliege ist, aus dem Karbon, also aus einer Zeit vor etwa 300 Millionen Jahren. Also das ist wirklich sehr spektakulär.

(Bildquellen: Foto Steinfliege: Wiki Commons/Eric Steinert;
Foto Stöckl-Bauer: privat)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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