Die Arten(kenner)-Serie: Die Kreuzotter

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Kreuzotter! (Aber keine Angst, die tut nichts. Ehrlich.)

Wenn Sebastian Haas unterwegs ist, um Kreuzottern zu suchen, dann sucht er nach: Hundehaufen. Genauso sieht die Kreuzotter nämlich auf den ersten Blick aus, wenn sie sich zusammengerollt auf einem Weg sonnt. Das macht sie aber nur, wenn sie sich alleine wähnt, sobald sie den Menschen entdeckt, macht sie sich von dannen, und zwar geräuschlos. „Eine Kreuzotter kann auch über Laub praktisch lautlos davon kriechen“, berichtet Sebastian Haas. Der 42-Jährige ist Biologie- und Chemielehrer, verheiratet, Vater von drei Söhnen, engagiert sich für den Bund Naturschutz in Feucht – und kartiert in seiner Freizeit Kreuzotter-Vorkommen.

Denn südöstlich von Nürnberg, in einem Wald in der Nähe seines Zuhauses in Feucht (Kreis Nürnberger Land), gibt es eine „größere Restpopulation“, so Haas, geschätzt etwa 60 Tiere. Das sind relativ viele dafür, dass die eigentlich „großen“ Kreuzotter-Vorkommen in Bayern in den Voralpen, den Alpen, im Bayerwald und im Fichtelgebirge liegen – wobei „groß“ auch dabei eine Übertreibung ist, denn die Kreuzotter ist stark gefährdet.

Sie kommt mit der modernen Welt einfach nicht zurecht. Ihr Lebensraum, die Kleinstrukturen, gibt es kaum noch; Hecken, Steine, Baumstümpfe – was man eben so braucht als sonnen- und schattenliebendes Tier. Außerdem braucht sie Feuchtgebiete für die Aufzucht der Jungen, denn nur dort leben auch junge Frösche, die, tja, das Lieblingsgericht der kleinen Kreuzottern sind. Die ausgewachsenen Tiere fressen aber lieber Mäuse. Auf die warten sie lauernd, regungslos, stundenlang, stoßen dann vor, beißen mit ihren Giftzahn zu, ziehen sich wieder zurück und warten, bis die Maus durch das Gift stirbt, das dauert nicht lange, dann verschlucken sie sie komplett. Die Kreuzotter wäre viel zu schwach, um es mit einer Maus im Kampf aufnehmen zu können – sie ist eben keine Würgeschlange, sondern eine Giftschlange. „Die einzige bayerische Giftschlange“, betont Haas. Dieses Gift könnte auch uns Menschen schaden, aber eher theoretisch. Denn sie hat vor uns Angst und „nimmt sofort Reißaus“, berichtet Haas: „In den vergangenen 50 Jahren gab es bei uns keinen einzigen Todesfall wegen Kreuzottern.“ Umgekehrt gab es aber viele tote Kreuzottern wegen Menschen. Sie werden oft überfahren, von Lkw, Autos und Fahrrädern. Wer mit dem Moutainbike durch einen Wald fährt, merkt vielleicht gar nicht, dass er statt über einen Ast über eine Schlange gerollt ist – doch sie ist sofort tot. Deshalb bittet Haas um ein wenig Rücksicht – um unsere einzige echt bayerische Giftschlange.

(Bildquellen Foto Kreuzotter: Roland Geyer, Foto Haas: privat)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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