Die Arten(kenner)-Serie: Die Wiesenhummel

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Wiesenhummel!

Sie ist klein und flauschig, brummt gemütlich vor sich hin und scheint keinem etwas Böses zu wollen: Die Hummel ist wirklich eines der sympathischsten Insekten. Der Meinung ist auch Rosa Albrecht, die sich im Masterstudium der Biologie mit Insekten befasst und sich direkt danach auf Hummeln spezialisiert hat. „Gerade die Wiesenhummel ist besonders süß, sie ist relativ klein und richtig bunt, mit den gelben Streifen und einem roten Hintern“, erzählt die 29-jährige Artenkennerin aus München.

Außerdem ist sie extrem friedlich, denn tatsächlich kann eine Hummel zwar stechen – tut es aber nicht. „Einer Hummel kann man auch ziemlich nahe kommen, das stört sie gar nicht“, sagt Rosa Albrecht. „Sie ist eben nicht aggressiv.“ Die Wiesenhummel wird nicht einmal zickig, wenn man sich ihrem Nest nähert; andere Arten gehen zumindest dann in eine Verteidigungshaltung über.

Auch der Nestbau der Wiesenhummel hat etwas sehr Sympathisches an sich: Sie baut ihr Nest zwar wie jede vernünftige Biene (ja, die Hummeln sind eine Familie innerhalb der Bienen) aus Wachs, doch die Waben der Wiesenhummel sind nicht so akkurat secheckig angeordnet wie die der Honigbiene, sondern „ganz konfus, ohne eine bestimmte Form“, berichtet Albrecht. Von außen sieht das Ganze dann aus „wie ein zerknüllter Wachsball“. Den man allerdings in der Natur eher nicht zu Gesicht bekommen wird, denn die Wiesenhummel hält ihr Nest sehr gut versteckt. Sie lebt oberirdisch, im Gegensatz zu anderen Hummelarten, das Nest wird etwa in Grasbüscheln, Bäumen, alten Vogelnestern oder auch mal im Meisennistkasten gebaut. Die Jungkönigin, die unter der Erde überwintert hat, gründet dieses Nest meist schon sehr früh im Jahr, legt dann ihre Eier. So drehen die ersten Mitglieder des Wiesenhummelvolks schon jetzt ihre Runden in unseren Gärten.

Damit sie gerne kommen und auch bleiben, sollte man schlicht und einfach Blumen im Garten haben. „Die Wiesenhummel hat keine bestimmte Vorlieben“, sagt Albrecht, „sie fliegt eigentlich alles an“. Voraussetzung ist natürlich, dass die Blumen Nektar und Pollen haben; überzüchtete Arten gelten also nicht. „Ganz normale Wiesenblumen wie Storchschnabel, Beinwell oder Traubenhyazinthen sind etwa gut“, erklärt Rosa Albrecht. Dann kann man sich an den sympathischen kleinen Brummern den ganzen Frühling und Sommer über erfreuen.

(Bildquellen Fotos: Rosa Albrecht: privat; Wiesenhummel: Hummeltelefon 2019/Katja Wadlinger)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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