Die Arten(kenner)-Serie: Der Mauersegler

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Mauersegler!

In der Luft leben, in der Luft spielen, fressen, trinken und sogar: schlafen – und das jahrelang, ohne auch nur ein einziges Mal zu landen. Für uns Menschen ist so ein Leben unvorstellbar. Doch für die Mauersegler ist es Alltag. Die Jungen üben das Flügelschlagen nur ein wenig im Nest, sobald sie flügge werden, starten sie los und bleiben dann unglaubliche drei Jahre lang in der Luft ohne zu landen – bis sie selbst nisten. Und was machen sie da oben in der Luft, Tag für Tag? Tagsüber jagen sie Insekten in der Luft, abends gehen sie auf 500 bis 3000 Meter hoch, ziehen ihre Kreise und schlafen dabei. „Die Flügel schlagen dann nur etwa sieben Mal pro Sekunde“, berichtet der Artenkenner Christian Langebartels. „Das ist wenig, wenn man weiß, wer die Verwandten der Mauersegler sind: Kolibris.“

Die Mauersegler sind wie dazu gemacht, in der Luft zu leben. Sie haben im Verhältnis zu ihrem etwa 17 Zentimeter langem Körper riesig große Flügel mit einer Spannweite von 40 bis 45 Zentimetern und sie sind „eigentlich fußlos“, sagt Langebartels. Der 68-Jährige aus Eching hat früher in der Umweltforschung gearbeitet und ist nun beim LBV engagiert, er hat etwa bei dem Projekt „Gebäudebrüter im Landkreis Freising“ mitgearbeitet. Dabei wurden Nistplätze von Mauerseglern und Schwalben gesucht, in Nischen, Dachvorsprüngen oder Rolladenkästen, und es wurden schon 678 gefunden. Was erstaunlich ist, denn sie sind extrem schwierig zu entdecken. „Sie sind wirklich sehr, sehr heimlich“, erklärt Langebartels. Man merkt es gar nicht, wenn ein Mauerseglerpaar im eigenen Haus nistet, denn sie sind extrem sauber und bringen jeglichen Schmutz und Kot sofort weg, sie sind im Nest nicht laut und sie sind quasi unsichtbar. Selbst für ein geschultes Auge ist es extrem schwierig, einen Mauersegler beim Ein- oder gar Ausflug ins Nest zu entdecken, erzählt Langebartels. „Wenn man nur einmal kurz das Augenlid schließt, ist er schon rausgeflogen und man hat es verpasst.“ Deshalb ist es sehr wichtig, dass man von Mai bis Juni keine Dächer oder Fassaden saniert, denn genau in dieser Zeit brütet der Mauersegler. Einst in uralten Eichen, etwa 300 bis 400 Jahren alt. „Doch die gibt es nicht mehr“, sagt Langebartels. „Er ist also auf unsere Bauten angewiesen.“

(Billdquellen: Christian Langebartels: privat; Mauersegler: Zdenek Tunka/LBV Bildarchiv)

Wer trotzdem plant, im Frühsommer sein altes Haus zu sanieren, sollte sich vorher beim Landratsamt oder beim LBV informieren; die Nester stehen unter Naturschutz. Infos gibt es unter www.lbv.de.

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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