Die Arten(kenner)-Serie: Der Laubfrosch

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Laubfrosch!

Zur Zeit ist es ja fast normal, es sich des Abends zu Hause gemütlich zu machen und Gratis-Konzerte anzuhören. Die meisten davon werden im Internet präsentiert – doch es gibt auch andere Quellen, etwa die Natur. Selbstverständlich denkt man da an ein Vogelstimmenkonzert, doch es gibt auch noch andere Arten, die für den aufgeschlossenen Zuhörer eine kleines Nachtkonzert bieten: Laubfrösche. „Den Laubfrosch kann man nachts gut hören, das ist eine wunderbare Abendkulisse“, erzählt Ulrich Meßlinger. Jetzt, wo die Nächte milder werden, kommen die Herrschaften langsam in Stimmung, erzählt Meßlinger. Das Ganze ist nämlich ein Balzkonzert: Die Männchen rufen nach den Weibchen; dabei formen sie aber kein gewöhnliches „Quaaaaak“ sondern eher eine Art sägendes Zirpen, „ein Geräusch wie äb, äb, äb“, erklärt der Artenkenner – schwer zu beschreiben, am besten hört man sich mal ein Beispiel im Internet an. Denn: „Die meisten wissen gar nicht, dass es ein Laubfrosch ist, der dieses Geräusch in ihrem Garten macht“, sagt Meßlinger.

Der 59-Jährige ist Diplom-Biologe, arbeitet in einem Fachbüro und engagiert sich für den Landesarbeitskreis Artenschutz des Bund Naturschutz als Experte im Bereich Amphibien. Schon seit der Jugend faszinieren ihn diese Tiere, der Laubfrosch hat es ihm besonders angetan. „Er ist sehr sympathisch“, erklärt Meßlinger. Er sieht wirklich putzig aus, nur 5 bis 6 Zentimeter groß, wirklich sehr grün und mit kleinen Saugnäpfen an den „Fingern“. Mit ihnen kraxelt er Bäume hoch, versteckt sich dort im Laub und wartet auf Fressen, zum Beispiel auf Blattläuse, Fliegen oder Asseln. Doch auch diese Frösche brauchen Wasser, sonst wären sie ja keine Amphibien. Sie bevorzugen sonnige, flache Gewässer wie Weiher, Gartenteiche oder Naturschutztümpel. Dort laicht er ab, dort werden die Kaulquappen groß; deshalb darf es darin auch keine Fische geben.

Dass es solche Gewässer kaum noch gibt, ist natürlich eine Gefahr für den kleinen Laubfrosch, wie auch Straßen und Landwirtschaft, wo er auf seinen weiten Wanderwegen leider oft zu Tode kommt. Wer dem Laubfrosch also etwas Gutes tun will, versucht, keinen „Katalog-Garten“ zu pflegen, so Meßlinger, sondern Sträucher, Büsche und Verstecke wie Reisig- oder Bretterhaufen stehen und liegen zu lassen. Wenn dann noch irgendwo ein Tümpel in der Nähe ist, und der Weg dorthin gefahrenfrei, dann können schon bald die Nachtkonzerte beginnen.

(Bildquellen Fotos: Ulrich Meßlinger)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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