Die Arten(kenner)-Serie: Die Wasseramsel

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Wasseramsel!

Da steht ein dicklicher kleiner Vogel auf einem gefrorenen Schneeufer an einem rauschenden Gebirgsbach, schaut auf die Wellen – und zack, stürzt sich per Hechtsprung kopfüber ins Wasser, mitten hinein in die Fluten, darin taucht er hin und her, und hüpft dann wieder ans Ufer, als wäre nichts gewesen. Tja, für die Wasseramsel, die man bei solchen Tauchgängen in zahlreichen Internet-Videos beobachten kann, ist da wirklich nichts dabei. Denn wie der Name schon sagt: Das Element dieses Vogels ist nicht nur die Luft, sondern auch das Wasser. „Es ist der einzige Singvogel, der schwimmen und tauchen kann“, sagt Margarete Siering. „Es sieht fast so aus, als ob er unter Wasser fliegt.“

Die 31-Jährige hat Naturschutz und Biodiversität studiert, arbeitet bei der Regierung von Schwaben im Bereich Artenschutz und ist schon seit ihrer frühen Kindheit eine echte Vogelliebhaberin – denn ihre Eltern sind Ornithologen. Die Wasseramsel kennt sie schon lange, denn dieser außergewöhnliche Vogel lebt das ganze Jahr über hier bei uns in Bayern, entlang der großen Flusssysteme, sogar an der Münchner Isar ist er zu finden. Deshalb gehört der Ton seines geschwätzigen Gesangs für uns auch quasi zum Rauschen des Gebirgsbachs dazu.

Doch die Wasseramsel hat es seit Jahrzehnten leider schwer bei uns, denn sie leidet extrem unter Gewässerverschmutzung oder Flussbegradigung, denn dadurch sterben die Wasserinsekten aus – ihr Futter. Mittlerweile aber wird die Gewässerqualität stetig verbessert und einige Flüsse renaturiert, und so fühlt sich auch die Wasseramsel wieder wohler bei uns. Derzeit gibt es 2300 bis 3600 Brutpaare in Bayern, die jedes Jahr wieder fest aufgeteilte Rollen übernehmen: Der Mann sucht den Nestplatz aus, ein Spalt unter einer Brücke, in einem Fels oder gar hinter einem Wasserfall. Die Frau richtet ihn dann ein, aus jeder Menge Moos und Gras formt sie eine gemütliche und gut getarnte Höhle, die sie mit Eichenlaub ausstattet – denn das ist antibakteriell, und so fängt trotz Feuchtigkeit nichts zu schimmeln an. Die Mama bleibt dann daheim bei den Kleinen und der Mann zieht los, um die Familie zu versorgen, um Futter zu suchen. Scheinen ziemlich konservativ zu sein, diese Wasseramseln? Von wegen: Sie frönen der sogenannten „Saisonehe“. Heißt: Im Jahr darauf wird wieder ein neuer Partner gesucht.

(Bildquellen Fotos: Margarete Siering)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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