Die Arten(kenner)-Serie: Der Hermelin

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Hermelin!

Mit dem Marder verbinden wir heutzutage vor allen Dingen: Ärger. Zumindest Autobesitzer, die fassungslos vor einer geöffneten Motorhaube stehen und feststellen müssen, dass ein Marder wohl eine ziemlich große Wut auf sämtliche Kabel des unschuldigen Autos hatte – und sie wild auslebte. Daran denken wir bei: Mardern. Doch welch elitäre Gedanken haben wir zum Hermelin! Ein elegantes weißes Tierchen, dessen Fell Königsmäntel dekorierte, Ritterorden benannte und Wappen zierte. „Es gibt sogar ein Hermelin-Bild von Leonardo da Vinci“, erzählt Johannes Hillenbrand, darauf hält eine Frau einen weißen Hermelin auf dem Arm. Hillenbrand studiert Forst- und Holzwirtschaft in Freising und kennt sich mit dem „marderartigen Tier“ aus.

Denn ja, der Hermelin ist auch nur ein Mitglied der schnöden Marderfamilie, Zweitname übrigens: Großes Wiesel. Dass dieses Tierchen zu so hohem Ruhm und Ehre gelangte, lag vermutlich an seinem außergewöhnlichen Winterfell: komplett weiß mit schwarzer Schwanzspitze. Wobei der Hermelin beim Fellwechsel „relativ flexibel ist“, berichtet Hillenbrand. Denn im kalten Norden, in Skandinavien, wird der Hermelin verlässlich weiß; im warmen Süden aber behält er sein gewöhnliches, bräunliches Fell das ganze Jahr über. „Er ist recht anpassungsfähig, das ist hochinteressant“, sagt Hillenbrand. Die Fellfarbe ist für ihn Schutz und Tarnung zugleich: Es ist eines der kleinsten heimischen Raubtiere, etwa 22 bis 30 Zentimeter lang, und frisst „alles, was kleiner ist als er“, so der 27-jährige Artenkenner. Er selbst wird aber auch gejagt, von größeren Raubtieren wiederum.

Die sind allerdings nicht Schuld daran, dass der Hermelin bei uns tendenziell gefährdet ist. Das Fellthema ist auch nicht mehr das Problem, man darf ihn zwar noch bejagen, doch Hermlinfell gilt in Deutschland als eher „verpönt“, sagt Hillenbrand. Nein, der Hermelin leidet wie so viele andere Arten unter: Strukturarmut. „Er will hin- und herhuschen in Gebüschen, Hecken, unter Sträuchern, etwa an Waldrändern“, erklärt Hillenbrand. Doch die sind eben selten, auch bei uns in Bayern, wo der Acker oft bis zum Waldrand geht. So oder so: Sehen wird man ihn nie, denn er ist Einzelgänger, und „sehr menschenscheu“, sagt Hillenbrand. Wie da Vinci ihn dann zum Posieren bekommen hat? Eine gute Frage.

(Bildquellen: Foto Hillenbrand: privat; Foto Hermelin: Wikipedia, Fotograf Tony Wood)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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