Die Arten(kenner)-Serie: Der Regenwurm

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Regenwurm!

Jetzt im Frühling begegnen sie einem wieder bei jeglichen tiefergehenden Gartenprojekten: die Regenwürmer. Wie oft schon hat ein Hobbygärtner nach dem kräftigen Hieb mit dem Spaten in den Boden feststellen müssen, dass er dabei auch einen unschuldigen Regenwurm erwischt hat. Aber ist es nicht so, dass dem Regenwurm so eine Teilung gar nichts ausmacht, ja, dass dann gar zwei Regenwümer entstehen und munter weiterleben? „Ein ganz klares Nein“, lautet darauf die Antwort von Marion Müller. Sie ist Agrarbiologin, arbeitet bei einem Institut für Biodiversitätsinformation und ist Expertin auf diesem Gebiet. „Dieses Gerücht hält sich wirklich wacker“, doch auf gar keinen Fall werden aus einem Regenwurm zwei, erklärt die Artenkennerin, „auch der Regenwurm hat ein Vorderteil, mit dem er frisst, und aus seinem Hinterteil kann nicht wieder ein Mund werden“. Theoretisch möglich ist, dass man nur die Schwanzspitze abgekappt hat und der Wurm also weiterleben kann – aber nur theoretisch. „So ein Hieb sorgt für eine grobe Verletzung, und auch bei einem Regenwurm können sich da Bakterien und Pilze ansiedeln und so schnell Krankheiten entstehen.“ Die Überlebenschance eines getroffenen Wurms ist also: relativ gering.

Dabei ist er so wichtig für unseren Garten! „Für den Boden an sich ist er total toll“, schwärmt die 32-jährige Bambergerin. „Es sind die fleißigen Bienen unter der Erde.“ Denn der „Gemeine Regenwurm“, der unter unseren Gärten und Wiesen lebt, wälzt quasi unsere Erde um: Er nimmt mit seinem Mund seine Nahrung auf, etwas Erde und organisches Material, und scheidet hinten wieder hummusangereicherte Erde aus, die also „pflanzenverfügbar“ ist, so Müller. Also: düngt er den Boden. Dabei gräbt er sich auch mal ziemlich tief ein, bis zu drei Meter. Wenn es aber regnet, dann kommt er etwas höher hinauf, auch an die Oberfläche – daher also der Name. Warum, das konnte man leider noch nicht herausfinden. Ist es dann zu nass im Boden? Geht er auf Wanderschaft? Oder schmerzt ihn gar das Regen-Geräusch? Das übrigens die Amsel nachahmt, um ihr Lieblingsfressen herauszulocken: Genau 50 Hertz kreiert sie mit ihrem Trommeln, und genau diese 50 Hertz locken den Wurm aus dem Boden heraus; auch wenn sie von einem Gerät erklingen. Eine Regel aber können wir daraus ableiten: Will man so wenige Regenwürmer wie möglich mit dem Spaten erwischen, so legt man die Gartenarbeit am besten auf sehr trockene Tage – ohne zu trommeln.

(Bildquelle Fotos: Marion Müller)

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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