Die Arten(kenner)-Serie: Der Bluthänfling

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Bluthänfling!

Bluthänfling. Noch nie gehört? Nun, das ist auch „nicht gerade der bekannteste Vogel“, sagt Moritz Kirchner. Aber: „Eine sehr interessante Art.“ Denn der nette kleine Vogel ist eine der am stärksten zurückgegangenen Arten in ganz Deutschland, erklärt der Artenkenner, in den vergangenen Jahrzehnten ist die Art um die 70 Prozent zurückgegangen. Noch vor 30, 40 Jahren war er ein „Allerweltsvogel“, sagt Kirchner, wie der Spatz – heute aber ist er kaum noch zu finden. In Bayern ist er etwa stark gefährdet. Warum? Weil er all das liebt, was in der heutigen Landwirtschaft mit den Monokulturen immer mehr verloren geht: allen voran Hecken und Büsche, die sind sein Lebensraum, und krautige Pflanzen, Samen und Körner sind seine Nahrung. „Er ist somit symptomatisch für das Aussterben der Kulturlandschaften“, erklärt Kirchner.

Der 19-Jährige ist eigentlich Medizinstudent in Regensburg, doch sein Hobby ist schon seit Jahren die Artenkenntnis. Er hat sich das Wissen rund um die Arten selbst beigebracht, als Jugendlicher hat er sich einfach ein Vogelbuch geschnappt, die Wesensmerkmale auswendig gelernt – und dann die Vögel draußen in der Natur beobachtet. Heute noch sind sie sein Lieblingsgebiet, „es ist einfach ein derart reichhaltiges Thema“. Um etwa den Bluthänfling zu finden, muss man ein wenig suchen. Er ist nur noch „lückig verbreitet“, so heißt es in der Fachsprache, was bedeutet: Es gibt ihn eigentlich „nirgendwo gar nicht“, erklärt Kirchner, aber man muss eben ein wenig Geduld haben, um ihn zu entdecken.

Eigentlich waren die strukturreichen Agrarlandschaften seine Heimat, seit die immer weniger werden, ist er auch auf Friedhöfen, Parks und großen Gärten zu finden. Um ihn zu orten, könnte man sich seinen Gesang einprägen, den man im Internet nachhören kann, „er hat ein sehr variables Gezwitscher“, so Kirchner; oder, noch einfacher: Man hält Ausschau nach einem etwa 13 Zentimeter großen Finken-Vogel mit blutroter Brust. Die haben zumindest die Männchen und sind daran leicht zu erkennen. Daher hat der Vogel auch seinen Namen: „Blut“-Hänfling. Der „Hänfling“ dagegen kommt wohl von den Hanfsamen, die er wahnsinnig gerne ist, wie auch jegliches Unkraut. Man tut ihm also ein Gefallen, wenn man einen Teil des Gartens, sofern man einen großen besitzt, einfach nicht jätet, und Sauerampfer, Löwenzahn, Beifuß oder Disteln stehen lässt. Der Bluthänfling bedankt sich dafür – mit seinem wunderbaren Gesang.

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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