Die Arten(kenner)-Serie: Der Storch

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich nun auch einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Storch!

Foto: LBV/Christoph Bosch

„Auf uns’rer Wiese gehet was, watet durch die Sümpfe. Es hat ein weißes Röcklein an, trägt auch rote Strümpfe.“ Wer kennt dieses Lied nicht, diesen Gassenhauer des Dichters August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der durch seine Kinderlieder bekannt wurde, darunter Hits wie „Summ, summ, summ“, „Alle Vögel sind schon da“ – und eben das Storchenlied. Was in dem Lied nicht erwähnt wird, wir aber trotzdem alle wissen: Der Storch bringt auch die Babys.

„Der Storch gehört zu unserer Kultur einfach dazu, und so wurden ihm Eigenschaften dazu gedichtet“, bestätigt Oda Wieding, die Storchenexpertin des Landesbund für Vogelschutz (LBV) aus Hilpoltstein (Kreis Roth). Vermutlich weil er als Zugvogel jedes Jahr im Frühling zu uns zurückkehrt, war er einst ein Begleiter der Frühjahrsgöttin und kam so in Verbindung mit der Fruchtbarkeit, erzählt Oda Wieding. Doch sein guter Ruf war ihm kein wirklicher Schutz: „Nur weil wir ihn mögen, heißt das leider nicht, dass wir auf ihn Rücksicht nehmen“, sagt die 55-jährige Diplom-Biologin. Da musste er schon unter Naturschutz gestellt werden und das Entfernen der Nester streng verboten werden; erst wegen dieser Maßnahmen hat sich der Storch in Bayern wieder erholt.

Und wegen seinem Pragmatismus: Der Storch ernährt sich tatsächlich nicht nur von Fröschen, sondern er verspeist so ziemlich alles, von der Maus bis zum Fisch; aber er würgt das alles nur runter, deshalb braucht er für die Fütterung der Jungen Kleintiere wie Insekten oder Regenwürmer. Außerdem hat er mittlerweile sein Winterquartier verlegt, vom trockenen Afrika auf das nähere Spanien; dort findet er in den feuchten Reisfeldern jede Menge Fressen. Jetzt, schon seit Februar, kehren die Störche wieder zu uns zurück. Und zu ihren Nestern. Gerne nehmen sie dasselbe vom vergangenen Jahr, wenn die Brut erfolgreich war. (Wie auch dieselbe Partnerin, wie gesagt, sie sind sehr pragmatisch: Man kennt sich, es hat funktioniert, also geht man eben noch eine Saisonehe ein.) Oder sie bauen mal eben ein neues; in drei Tagen ist das fertig. Also sollte man derzeit ruhig mal einen Blick auf das eigene Dach werfen, vielleicht hat sich dort ein Storch häuslich eingerichtet? Wenn ja, dann heißt es: Den Storch einfach in Ruhe lassen – und seine Anwesenheit genießen. Den Störche bringen nicht nur die Babys, sondern auch: das Glück.

Oda Wieding, Storchenexpertin. (LBV/Nina Meier)

Mehr Infos gibt es auf der Seite lbv.de, einfach nach „Storch“ suchen. Dort gibt es auch eine „Storchenhorstkarte“, auf der sämtliche Nistplätze in Bayern eingetragen sind.

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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