Die Arten(kenner)-Serie: Die Wildkatze

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich nun auch einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Wildkatze!

Eigentlich sieht sie aus wie eine ganz normale getigerte Hauskatze, vielleicht ein bisschen flauschiger. Doch die Wildkatze ist keine „wilde Hauskatze“, betont Jürgen Thein. Es ist eine vollkommen eigene Art, die seit über 300 000 Jahren hier heimisch ist; die Hauskatze dagegen ist eine Nachfahrin der nordafrikanischen Wildkatze, eingeschleppt von den Römern. Wir Laien können die beiden Katzenarten aber ganz einfach unterscheiden: Die eine sehen wir – und die andere nicht. „Die Wildkatze lebt wirklich sehr heimlich“, sagt Thein. Er ist der Wildkatzen-Experte in Bayern. Früher war er mal Bankkaufmann, wurde dann Biologe, interessierte sich dabei für Amphibien – und landete dann, ganz plötzlich, bei der Wildkatze. 2004 war das.

Denn seit Anfang des 20. Jahrhunderts galten die Wildkatzen in Bayern als ausgestorben, doch hundert Jahre später hegte man den Verdacht, dass sie langsam wieder zurückkehren, und Thein sollte sie finden. Doch wie ein Tier finden, dass sich nie blicken lässt; und wenn man eines erblickt, weiß man auch nicht, ob es nicht doch die schnöde Mieze aus dem Nachbardorf ist? Lange Zeit hatte man nur dann einen Beweis, wenn man ein totes Tier fand und es genetisch untersuchen ließ. „Doch das ist ja das einzige, was man nicht will“, betont Thein. Bis ein Artenkenner eine geniale Methode entwickelte: mit Baldrian, der Droge aller Katzen. „Katzen werden von Baldrianduft extrem verführt“, sagt Thein, „sie fallen gar in eine Art Trance.“ Schön für die Tiere – und schön für die Forscher. Denn die rammen nun einfach Dachlatten in den Boden, die sie mit Baldrian besprühen. Wenn die Katze sich wild an dem rauen Brett reibt, bleiben Haare samt Haarwurzeln samt Genmaterial zurück. So können die Forscher nun die Tiere wissenschaftlich nachweisen, und mittlerweile auch ihre Rückkehr nach Bayern. In Theins Forschungsgebiet, den Haßbergen, fand er 2007 ein erstes Tier; inzwischen leben dort nachgewiesenermaßen 50 verschiedene Tiere.

Warum sie wiederkommen? Weil sich die Wälder wieder verändern, es findet ein Umdenken statt. „Lange Zeit wurden die Wälder quasi besenrein hinterlassen“, erklärt Thein. Eine Katastrophe für die Wildkatze, denn sie braucht Verstecke für sich und ihre Jungen; Reisighaufen, verlassene Höhlen, ausgefaulte Baumstämme. Dann fühlt sie sich wohl, und mit ihr viele andere Tiere: „Die Wildkatze ist eine Schirmart“, erklärt der Experte. „Helfen wir ihr, dann helfen wir ganz vielen anderen Arten mit im Schlepptau.“

(Bildquellen Fotos: Thomas Stephan, Bund Naturschutz/Archiv)

Wer eine Wildkatze gesehen hat, kann dies dem Bund Naturschutz melden unter: www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/wildkatze/aktiv-werden

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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