Die Arten(kenner)-Serie: Der Eisvogel

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich nun auch einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Eisvogel!

Wenn man ihn sieht, dann weiß man sofort: Das hier ist etwas ganz Besonderes. Der Eisvogel ist einfach beeindruckend. Diese Farben, dieses Gefieder! Glänzend, leuchtend, blau und orange. Daher kommt wahrscheinlich auch sein Name, aus der Richtung „Eisblau“, oder aus der Richtung „eisan“, ein altes Wort für „glitzernd, glänzend“. Früher wurde der Vogel auch „Eisenkeil“ genannt, wegen der Figur, die er beim Fischen macht: Er stößt quasi senkrecht hinab ins Wasser, die Flügel angelegt, mit dem langen Schnabel voran. Der ist geradezu „überdimensional“ sagt Ralph Sturm.

Der 51-Jährige ist hauptberuflich Lehrer, doch seine Leidenschaft gilt der Naturfotografie. Schon von Kindesbeinen an war er ständig in der Natur und hat sich als Autodidakt einiges beigebracht. Derzeit schreibt er an einem Buch, das im Herbst erscheinen wird: über den Eisvogel. Der hat den Straubinger schon immer fasziniert. „Es war ein unvergessliches Erlebnis, als ich ihn das erste Mal gesehen habe.“ So außergewöhnlich sieht der Eisvogel aus, und das ist auch kein Wunder, denn: „Der Eisvogel kommt eigentlich aus den Tropen und ist hier bei uns der einzige Vertreter der tropischen Regionen. Und er überwintert hier sogar.“

Dabei hat es der tropische Vogel verständlicherweise nicht leicht. „Im Winter hat er extreme Verluste, bis zu 60 Prozent“, berichtet Sturm. Um diese auszugleichen, produziert der Eisvogel in der Brutzeit von Mai bis August quasi am laufenden Band Junge. Für die Aufzucht gräbt er Röhren in die Uferböschung; was ihm heutzutage wegen der verfestigten Böschungen oft sehr schwer fällt. Dann legt das Weibchen bis zu sieben Eier in das erste Nest, brütet sie aus und wird währenddessen vom Männchen versorgt. Wenn die Jungen geschlüpft und stabil sind, geht das Weibchen weiter in die nächste Röhre und legt dort wieder Eier. Währenddessen muss das Männchen das erste Gelege füttern, das Weibchen im zweiten Nest versorgen, und die dritte Röhre bauen – „es geht dann wirklich hektisch zu“, erzählt Sturm. Und doch hält er sich wacker. „Eigentlich ist er eine gefährdete Art“, erklärt Sturm, „doch durch die milden Winter hat er nun bessere Chancen.“ Und wir haben eine gewisse Chance, solch einen tropischen Eisvogel einmal in Aktion zu sehen: zum Beispiel im Nymphenburger Schlosspark und in Hellabrunn in München. Dort leben einige Exemplare, die sich aber meistens gut versteckt halten. Man muss also geduldig sein, und, wichtig: Den Vogel nicht suchen, sondern einfach in Ruhe lassen – und sich umso mehr freuen, wenn man den prächtigen „Eisenkeil“ dann per Zufall erblickt.

Ralph Sturm bei der Biotoppfeleg für Eisvögel.
(Foto: Günter Hauska)

(Bildquellen: Foto Eisvogel: Ralph Sturm; Foto Sturm: Günter Hauska)

Mehr Infos zum Naturfotografen Ralph Sturm gibt es auf seiner Website: https://ralphsturm.de/

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.