Die Arten(kenner)-Serie: Die Vogelazurjungfer

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Wochen jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich sie nun auch hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Vogelazurjungfer!

Alles was fliegt, fasziniert ihn, sagt Klaus Burbach. Diese Leidenschaft nahm seinen Anfang, als der junge Burbach mit etwa fünf Jahren seinem Opa hinterher in den Wald radelte, der Opa auf eine Höhle zeigte und just genau dann ein Schwarzspecht hinein flog. An dieses Bild kann sich der 56-jährige Artenkenner aus Marzling (Landkreis Freising) noch heute erinnern, und solch ein prägendes Erlebnis ist seiner Meinung enorm wichtig für ein fortwährendes Interesse an der Natur. Bei ihm jedenfalls war es so: Als Jugendlicher war er in der Jugendgruppe des Vogelschutzvereins, dann suchte er sich ein passendes Studienfach – Landschaftsökologie. Während der Uni-Zeit kam er auf die Libellen, und für sie schlägt auch heute noch sein Herz.

Ganz besonders für die Vogel-Azurjungfer. Das ist eine kleine Libelle, die hellblau leuchtet (deshalb „Azur“) und deren Zeichnung ein wenig an einen Vogel erinnert (deshalb „Vogel“). Na gut, für den Vogel braucht man schon etwas Fantasie, eigentlich ist sie einfach nur schwarz-blau-gemustert. Doch sie sieht trotzdem sehr gut aus, speziell auf Fotos – wenn man denn eine solche Vogel-Azurjungfer vor die Linse bekommt. Doch möglich ist das definitiv, sagt der Experte Burbach, auch wenn das ein bisschen Einsatz braucht.

Man gehe etwa in das Freisinger Moos, am besten zwischen Pulling und Freising, und halte Ausschau nach Gräben, also sehr schmalen, geradlinigen Wasserläufen. Dort wiederum muss man Vegetation finden, die den gesamten Winter über grün bleibt, Wasserminze vielleicht oder Berle. Denn die Vogel-Azurjungfer ist eigen: „Die Vegetation darf nicht zu hoch, nicht zu dicht und nicht zu hart sein“, erklärt Burbach. Hat man solch einen Platz gefunden, weiß man: Hier werden vermutlich Larven der Vogel-Azurjungfer liegen. Wenn man sowieso schon da ist, kann man auch gleich noch darauf achten, dass dieser Graben nicht komplett ausgeräumt oder die Pflanzen weg gemäht werden – dadurch droht denn Larven nämlich der sichere Tod. Das passiert immer wieder mal, meist aus Unkenntnis, doch es ist tatsächlich eine Straftat, denn diese Libelle ist streng geschützt.

Dann im Sommer, wenn der Graben unberührt blieb und man wieder an denselben Platz spaziert, dann findet man sie, live und in Farbe: die Vogel-Azur-Jungfer. Selten fliegend, meist sitzend – und hellblau strahlend. Eben das perfekte Foto-Motiv.

(Bildquellen Fotos: Klaus Burbach)

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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