Die Arten(kenner)-Serie: Die Äskulapnatter

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich sie nun auch hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Äskulapnatter!

Nattern – manche einen erfüllt nur das Wort schon mit Schrecken. Warum? Manfred Drobny kann da nur rätseln: „Das fragen wir uns auch immer“, sagt er; das „Wir“ ist in diesem Fall die Mitglieder der Arbeitsgruppe Äskulapnatter, erklärt der Biologe, der sich aktiv beim Bund Naturschutz in Freising engagiert. „Es ist wohl traditionell bedingt, von dem Bild aus Märchen, etwa“, so der 59-jährige Artenkenner. Und so reagieren manche negativ-panisch – oder: positiv-staunend.

Sehr positiv muss das Gefühl gewesen sein, als der junge Drobny mit etwa 15 Jahren das allererste Mal einer Äskulapnatter begegnet ist. Er war schon damals viel in der Natur unterwegs, erst mit der Familie beim Schwammerlsuchen, dann in Vereins-Jugendgruppen, und hat die Natur von klein auf als etwas erlebt, „wo es einfach viel zu entdecken gibt“. So kam es zu einer positiven Erstbegegnung zwischen Drobny und der Natter. Seitdem begleitet sie ihn durchs Leben, fachlich wie privat. „Sie ist ein faszinierendes Tier, ausgesprochen elegant“, schwärmt Drobny. Sie ist unsere größte heimische Schlangenart, bei uns wird sie normalerweise etwa 1,40 Meter lang. Heimisch ist sie im Osten Bayerns, von Passau über Burghausen bis nach Salzburg. Dort kann man sie mit Glück auch mal sichten, draußen in der Natur – aber vielleicht auch im eigenen, naturnahen Garten. Zum Beispiel an einem sonnigen, aber nicht zu heißen Tag; nach neun Uhr morgens und vor sechs Uhr abends („Sie ist recht gemütlich“, erzählt Drobny schmunzelnd); auf einem Stein oder einem Ast. Einem Ast? Ja: Sie kann praktisch senkrecht einen Baum hinaufklettern, mit ihren rauen Schuppen hakt sie sich in die Rinde ein.

Den Winter verbringt sie in einem ruhigen Quartier; das kann ein Hohlraum in einem alten Schuppen sein oder auch der Komposthaufen. In dem legt sie gerne ihre Eier ab, die frisch geschlüpften Jungen verbleiben dann ab und an auch den Winter über dort. Also: Kompost erst im April umschichten! Aber, keine Angst, falls sie einem doch unterkommt: Die Äskulapnatter ist völlig harmlos, sie ist ungiftig, eine Würgeschlange. Sie beißt höchstens mal zu; aber nur aus Selbstverteidigung, etwa einen Artenkenner, der sie nehmen und genauer ansehen will. Den wiederum stört das nicht: „Das sind nur ganz kleine Kratzer, als ob man in Brombeeren hängengeblieben wäre“, sagt Drobny. An uns stört sie dagegen so einiges: neue Siedlungen und Straßen gefährden ihren Lebensraum; auf angenehm erwärmten Teer-Straßen wird sie überfahren; und an der Böschung am Straßenrand sind Mähmaschinen ihr sicherer Tod. Denn die Äskulapnatter flieht nicht vor Gefahr; nein, sie vertraut voll auf ihre Tarnung. Offenbar kennt sie im Gegensatz zu uns keine Angst – die arme.

Mehr zur Arbeit von Manfred Drobny und seiner Kreisgruppe des Bund Naturschutz gibt es auf der Internetseite https://freising.bund-naturschutz.de/.

(Bildquellen Fotos: Manfred Drobny)

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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