Die Arten(kenner)-Serie: Die Mopsfledermaus

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich sie nun auch hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Mopsfledermaus!

Die „Mopsfledermaus“ ist nicht etwa eine seltsame Kreuzung aus zwei artfremden Tieren – sondern es ist eine Fledermaus, die aussieht wie ein Mops. Zumindest im Gesicht. Wer ein Foto von ihr genauer betrachtet, kann das wirklich nicht bestreiten: schwarz eingefärbtes Fell, runde Kulleraugen, platt gedrückte Nase, leicht muffiger Gesichtsausdruck. Den kann man sich mit etwas Fantasie so erklären, dass die Mopsfledermaus grantig darüber ist, dass sie ausstirbt. „Ihr geht es wirklich nicht gut“, sagt Sandra Pschonny, Artenkennerin aus Freising. „In Deutschland ist sie stark gefährdet.“ Dabei ist die Mopsfledermaus für uns Deutsche eine „Verantwortungsart“: Das heißt, wir haben die Verantwortung dafür, dass sie nicht ausstirbt, denn es geht ihr weltweit nicht gut, doch bei uns gibt es noch einige Vorkommen. Bei Freising etwa, dort lebt Sandra Pschonny, und auch deshalb liegt ihr die Art am Herzen.

Zu der Fledermaus gefunden hat die 26-Jährige in ihrem Studium, ihre Masterarbeit hat sie über Fledermauskästen geschrieben. Die können der Mopsfledermaus ein wenig helfen, in Gegenden, wo sie sowieso schon lebt, es aber zu wenig Schlafplätze für sie gibt: Denn sie lebt nur in Wäldern und schläft nur in Totholz, stehendes Totholz wie abgestorbene Bäume. Sie liebt es, sich dort unter die Rinde eines toten Baumes zu quetschen, zusammen mit bis zu 20 Artgenossen, und dort eng zusammengekuschelt den Tag zu verbringen. Ob daher die eingedrückte Nase…? Nun, erwiesen ist das nicht. Erwiesen ist aber, dass es solches Totholz, ihren Lebensraum also, immer seltener gibt, wie auch ihre Winterquartiere. Den Winterschlaf verbringt sie nämlich nicht eingequetscht unter Rinde, sondern unterirdisch: entweder in natürlichen Höhlen oder in verlassenen Bunkern oder Stollen. Dort hängt sie dann den ganzen Winter herum. Wortwörtlich. Wie das geht, im Schlafen hängen? „Sie hat eine Art Mechanismus an den Füßen, der rastet einfach ein, wenn sie sich daran hängt – und dann kostet es sie praktisch keine Kraft mehr“, erklärt die Expertin.

Wer auf der Seite der kleinen Kuschelfledermäuse ist, sollte sich an den Anblick toter Bäume gewöhnen. Denn, so Pschonny: „stehendes Totholz hilft!“ Also: abgestorbene Bäume stehen lassen – und an die unter der Rinde knuddelden Möpschen denken.

(Bildquellen: Sandra Pschonny)

Übrigens: Die Mopsfledermaus auch noch zu Fledermaus der Jahre 2020-21 gewählt!
https://www.nabu.de/news/2020/01/27502.html

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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