Die Arten(kenner)-Serie: Der Uhu

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich sie nun auch hier auf meiner Website. Heute gehte es um… den Uhu!

Wenn man sich im Herbst spätnachmittags aufmacht an einen bayerischen Fluss, etwa an den Lech, dort in der Abenddämmerung entlangwandert, und man dann, wenn sich am gegenüberliegenden Flussufer ein Steilhang auftut, stehenbleibt und horcht – dann kann man ihn hören. „Uuuuh“, hört man dann, vielleicht sogar „uuuuhu“, wenn man ganz nah dran ist, und dann weiß man: Hier lebt also ein Uhu. Genauer gesagt ein Paar. Denn die Uhus bleiben sich ein Leben lang treu, wie auch ihrem paar-eigenen Brutplatz. Sehen wird man sie aber leider nicht, das ist ein Ding der Unmöglichkeit für Laien, sagt Günter von Lossow. Der muss es wissen, denn der 62-Jährige ist seit Jahrzehnten Artenkenner. Als er mit sechs Jahren mit seinen Eltern am Waldrand spazieren war und plötzlich einem Waldkauz gegenüber stand, der ihn, direkt auf Augenhöhe, anstarrte, da war es um ihn geschehen. Seitdem ist er Eulen- und damit auch Uhu-Experte. „Doch selbst für mich ist es noch etwas Besonderes, einen Uhu zu sehen“, sagt der Garmisch-Partenkirchner. „Sie können sich einfach so gut tarnen.“ Einmal ist er eine Stunde lang um einen Baum herumgewandert, hat den Uhu oben im Wipfel gehört – aber gesehen hat er ihn nicht: „Sie werden praktisch unsichtbar.“

Genau dieses Besondere, Schwierige, reizt Günter von Lossow am Uhu. Der Diplomingenieur für Landespflege FH versucht seit Jahren, den Bestand der Uhus zu überprüfen. Was kompliziert ist, denn vordergründig geht es den Uhus gut, schließlich gibt es derzeit etwa 450 bis 550 Paare allein in Bayern. Aber: Der Bruterfolg ist nicht gut. Denn Uhus sind Bodenbrüter. Sie brüten im Winter, Januar bis März, und sobald sich Spaziergänger, Wanderer oder Forstarbeiter der Nische nähern, muss die Mutter das Nest verlassen – und die Eier oder die Kleinen sind sofort der Eiseskälte oder gar hungrigen Füchsen ausgeliefert. Und auch den älteren drohen mehrere Gefahren: Stromleitungen, Autokollisionen oder Vergiftungen; etwa durch vergiftete Mäuse. Wenn dann noch der Nachwuchs fehlt – schon schrumpft der Bestand wieder eklatant.

Also: Ab Januar den Steilhängen an Flussufern möglichst fernbleiben. Im Herbst darf man nach dem Uhu Ausschau halten. Beziehungsweise horchen. Denn dann ist er auf Herbstbalz. Balz? Das Paar bleibt doch ein Leben lang zusammen? Stimmt. Doch der treue Uhu will seine Geliebte dann erneut davon überzeugen, dass er der einzig richtige für sie ist – jedes Jahr wieder.

Mehr Infos zum Uhu gibt es hier:
https://www.lbv.de/ratgeber/naturwissen/artenportraits/detail/uhu/

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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