Die Arten(kenner)-Serie: Die Wanze

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich sie nun auch hier auf meiner Website.

Heute geht es um: eine Wanze!

Es ist kein ganz einfacher Name, doch Klaus Mandery geht er ganz leicht von der Zunge: „Essigrosen-Dickfühlerweichwanze“. Kein Wunder, denn Klaus Mandery hat den Namen selbst erfunden. Er war derjenige, der jene Essigrosen-Dickfühlerweichwanze neu entdeckt hat in Deutschland, per Zufall, nachdem sie über 75 Jahre verschollen war. „Natürlich dachte jeder, sie sei ausgestorben“, erzählt Mandery. Doch dann war er, promivierter Biogeograph, pensionierter Biologie-Lehrer und versierter Experte in Sachen Bienen und Wespen, 2011 unterwegs auf einem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Ebern (Landkreis Haßberge), auf der Suche nach Rüsselkäfern. Die Suche war erfolgreich, alles erledigt, Mandery wollte schon heim, doch dann strich er noch ein einziges Mal mit seinem Trockenkescher über die Essigrosen, blickte hinab in sein Netz und staunte: Sieben kleine Viecher sah er da. Ihm völlig unbekannte Viecher.


„Erstaunlich“, war das, betont Mandery heute. Dabei hat er schon einiges in der Natur erlebt, schließlich ist er seit Jahrzehnten Artenkenner. Schon als Kind war er unterwegs im Wald, Pilze sammeln. Seitdem ist Mandery in der Natur, als Schwammerlsucher, als Vogelkundler, zwischendurch hatte ihn die Botanik gepackt, schließlich die Insekten. „Als Artenkenner hat man ein Grundinteresse an allen Lebensvorgängen“, sagt der 70-Jährige. „Wir sind Leute, die sich in der Natur breit auskennen.“ Doch diese kleinen Viecher, die erkannte erst einmal niemand. Mandery musste sich ins Internet begeben, in Foren suchen – bis endlich ein Spezialist feststellte: Die Wesen heißen „Excentricus planicornis“ und kommen eigentlich nur noch im Mittelmeerraum vor.

Exzentrisch, ja, so sehen sie auch aus, mit ihren blutroten Fühlern. „Sie sind grazil, sehr ästhetisch, einfach toll“, schwärmt Mandery. Und: sehr selten. Doch in Ebern fühlen sie sich wohl, auch heute noch. Denn Mandery versah die Wanze nicht nur mit einem deutschen Namen, er machte sich auch daran, sie bekannter zu machen und ihre Heimat zu schützen: die Essigrosen. Die Herrschaften leben offenbar ausschließlich dort. Mittlerweile wird die Wanze erforscht. Und ein Informationsparcours wurde der Wanze gewidmet, „Rosi“ heißt er. Nach seiner Namensgeberin – „Rosi“ ist nun ihr Spitzname.

(Bildquellen: Foto Wanze: Harald Ostrow; Foto Mandery: privat)

Mehr zu Rosi und dem Informationsparcours gibt es hier:
https://www.ebern.de/index.php/freizeitangebote/12-fokus-tourismus/459-unterwegs-mit-rosi

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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