Die Arten(kenner)-Serie: Die Lachmöwe

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich nun auch einige Folgen hier auf meiner Website.

Es geht also los mit: der Lachmöwe!

Das Leben als Artenkenner ist wunderbar; wenn man etwa stundenlang einsam durch den Wald wandert und dann endlich eine seltene Tierart findet. Es ist aber auch: anstrengend. Das weiß Philipp Herrmann. Der Vogelexperte aus Landshut plädiert deshalb für einen einfachen Zugang zur Natur und den Arten. Etwa zur Lachmöwe. Kennt jeder, hat jeder schon gesehen – klar, sogar in der Stadt leben die. Aber, Achtung, erster Aha-Effekt: nur im Winter. Denn, zweites Aha: Unser Bayern ist gar nicht deren Heimat, nein, sie kommen von weit her, auf Winterflucht sozusagen. Und woher genau? Das kann man nun ganz einfach durch ein Projekt des 37-jährigen Artenkenners herausfinden. Viele Möwen werden im Heimatland mit einem Ring zur Wiedererkennung ausgestattet; und wer in seiner Stadt eine solche Möwe mit Ring am Bein sieht, kann sie fotografieren und an Herrmann schicken. Der kann dann wiederum sagen, wo der Vogel genau herkommt. Also: wieder Aha. Ganz einfach interessante Details über die Tierwelt erfahren – mit solchen Aktionen könnte sich die Zahl der Naturbegeisterten wieder langsam erhöhen, hofft Herrmann.

Denn er selbst hat es am eigenen Leib erfahren, wie es ist, wenn man einsam auf weiter Flur ist mit seiner Leidenschaft. Schon als kleines Kind pirschte er durch die Wälder rund um sein Heimatdorf, samt Vogelbuch und Fernglas. Doch Gleichgesinnte zu finden war schwierig: Gleichaltrige verdrehten nur die Augen, und die „echten“ Artenkenner in der Nähe waren quasi uralt. Philipp Herrmann musste sich also allein durchschlagen. Aber er hat nicht aufgegeben. Mittlerweile ist er als Vogelstimmenexperte bekannt, arbeitet für den Naturschutz, und das Möwen-Erkennungsprojekt namens „Landshuter Lachmöwen“ war seine Idee. „Die Lachmöwe ist ein Wildtier, das vollkommen freiwillig zu uns Menschen kommt“, erklärt Philipp Herrmann. „Das ist doch wirklich spannend.“ Wie auch die Ergebnisse des Projekts. Herrmann hat dadurch festgestellt, dass die Möwen hier bei uns in der Fremde gemischte Gruppen bilden: Da sitzt die litauische Lachmöwe jeden Tag wieder am selben Platz, und zwar neben polnischen, tschechischen oder ungarischen Gefährten. Ganz harmonisch. Ein echtes Vorbild in Sachen Völkerverständigung, dieser Vogel. Dafür aber nicht in Sachen Humor, erklärt Vogelexperte Herrmann: Der Name kommt vom Begriff ,Lache‘, also Pfütze, denn am Wasser hält sie sich gerne auf – und nicht vom Lachen. Aha!

(Bildquellen: Foto Lachmöwe: Philipp Herrmann; Foto Herrmann: Markus Mayer)

Mehr Infos zum Lachmöwenprojekt gibt es auf der Seite www.dervogelphilipp.de oder unter dervogelphilipp@gmail.com.

*Denn auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur die blutjungen Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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