Die Arten(kenner)-Serie: die Wechselkröte

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: die Wechselkröte!

Es ist wohl Ansichtssache, das Aussehen der Wechselkröte. Julia Wittmann findet sie schön: „Mir gefällt das Muster sehr gut“, sagt die 29-jährige Artenkennerin aus Freising. „Es ist ein Tarnmuster, wie Camouflage.“ Ja, wenn man etwas genauer hinsieht, dann wirken die grün-schimmernden Flecken tatsächlich beeindruckend. Dafür muss man aber zunächst einmal die Warzen und das schleimige Äußere geistig beiseite schieben. Tja, viele andere Menschen würden beim Anblick einer so „ekligen“ Kröte wahrscheinlich schockiert den Rückzug antreten. „Dabei können sie uns nichts tun, sie sind nicht giftig“, erklärt Julia Wittmann. Im Gegenteil: „Sie haben Angst vor uns, sie laufen weg und verstecken sich.“

Julia Wittmann weiß das aus Erfahrung, sie ist Gebietsbetreuerin des Landschaftsparks Ottobrunn. „Hier leben etwa 25 adulte Paare, das ist ein ganz gutes Vorkommen“, sagt die Expertin. Denn die Kröte stirbt aus; in Bayern ist sie fast nur noch im Donautal und im Großraum München zu finden. „Früher lebte sie an Flüssen, doch seit die reguliert sind, sind sie nichts mehr für sie“, sagt Julia Wittmann. Nun ist sie an Kiesgruben oder Brachflächen zu finden, sie mag steppenähnliche Landschaften, wie in der Münchner Schotterebene. Zudem aber braucht sie fischfreie Tümpel, für ihre Fortpflanzung: Dort legt sie die Laichschnüre ab, aus denen die Kaulquappen schlüpfen. An genau den Laichgewässern hapert es jedoch derzeit in Ottobrunn, derzeit behelfen sich die Kröten mit Pfützen. Manchmal muss Julia Wittmann die Laichschnüre dann umsiedeln, damit sie überhaupt eine Überlebenschance haben, bevor die Pfützen austrocknen. Dabei hat das Landratsamt München schon die Einrichtung von Tümpeln angeboten – doch „die Gemeinde will anscheinend keinen“, sagt Julia Wittmann. Warum? Das weiß sie nicht so genau. Der Nachbar Unterhaching dagegen hat seinen Teil des Parks schon vor über 20 Jahren zum „Landschaftspark Hachinger Tal“ umgewandelt, ein Naherholungsgebiet für Menschen samt Flächen für die Natur.

Vielleicht muss man sich also beeilen, um die Tierchen noch zu erleben. Derzeit befinden sie sich jedoch im Winterschlaf. Darüber weiß man nicht viel. Aber: Sollten Sie ein Haus in Ottobrunn haben, ganz in der Nähe des Parks, samt Keller, dann erschrecken Sie nicht zu sehr, wenn sie eine reglose Kröte darin finden. Begutachten Sie sie einfach bewundernd – und lassen Sie sie dann einfach weiterschlafen.

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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