Die Arten(kenner)-Serie: Der Gartenschläfer

Viele Arten sterben aus – das wissen wir mittlerweile. Aber woher eigentlich? Von: den Artenkennern*. Das sind sensationelle Menschen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Natur ganz genau zu beobachten. In einer kleinen Serie (die seit einigen Monaten jeden Montag im Münchner Merkur erscheint) stelle ich jeweils eine Art und ihren Artenkenner vor. Und weil diese Serie und all ihre Teilnehmer so toll sind, veröffentliche ich einige hier auf meiner Website.

Heute geht es um: den Gartenschläfer!

Mit der schwarzen Maske im Gesicht erinnert er ein klein wenig an Zorro, den Rächer der Armen – wäre da nicht dieses außerordentlich putzige Aussehen, wie eine kuschelige handgroße Maus. Und die sehr entspannte Lebensführung. Der Gartenschläfer schläft, wie der zweite Teil des Namens schon vermuten lässt, recht viel: den gesamten Winter hindurch. Dagegen ist der erste Teil des Namens zumindest bei uns in Bayern irreführend, denn nur in den westlicheren Bundesländern ist er in Gärten aufzufinden, in unseren östlichen Gefilden treibt er sich eigentlich nur noch „in den Mittelgebirgen herum, in hohen Lagen“, erklärt Uwe Friedel, Artenkenner aus Altdorf bei Nürnberg. „Dabei war er vor etwa 30 Jahren noch relativ weit verbreitet, auch in Oberbayern“, sagt der 42-jährige Geoökologe. „Doch die Bestände gehen wirklich drastisch zurück.“

Warum das so ist? Das weiß leider niemand. Bisher. Doch der Bund Naturschutz hat nun eine Gartenschläfer-Suche gestartet, bei der Bürger melden sollen, wenn sie solch einen seltenen Gesellen sichten. Wobei das gar nicht so wahrscheinlich ist, schließlich ist er erstens nachtaktiv und sollte zweitens zu dieser Jahreszeit schon sicher in seinem Winterschlaf-Nest liegen, die Körpertemperatur heruntergefahren von 37 auf 35 Grad, den Herzschlag heruntergefahren von 350 mal auf 2 mal pro Minute. Leider ist also derzeit die wahrscheinlichste Variante, dass die Hauskatze einen getöteten Gartenschläfer herbei schleppt. Doch auch dann heißt es: ihn melden! Auch diese Hinweise helfen den Forschern weiter.

Denn sie tappen wirklich komplett im Dunkeln, nicht nur, was sein Vorkommen betrifft, sondern auch, was sein Aussterben betrifft. Er scheint so anpassungsfähig zu sein, frisst er doch praktisch alle Insekten, Käfer, Spinnen und Schnecken, lässt sich in Felsspalten, Baumhöhlen, Nistkästen, wilden Gartenecken nieder, in höheren wie niederen Lagen, und sogar – wie in Wiesbaden etwa – in Stadtgebieten. Was es also ist, das ihm das Überleben so schwer macht, ist völlig unklar.

Und die Zorro-Maske? Für was ist die nun gut? „Wir suchen immer nach einem Sinn und Zweck“, sagt Uwe Friedel schmunzelnd. „Dabei muss nicht alles in der Natur einen Sinn haben. Singvögel singen etwa auch mal nur so, zum Spaß.“ Und der Gartenschläfer hat eben eine schwarze Maske auf. Muss man einfach so hinnehmen.

(Bildquelle Foto Gartenschläfer: Sven Buechner)

Die Meldestelle findet man unter https://www.meldestelle.gartenschlaefer.de/start.

*Auch die Artenkenner sterben aus – das hat der Bund Naturschutz in einer Studie nachgewiesen. Deshalb wird dringend Nachwuchs gesucht! Und damit sind in diesem Fall nicht nur (aber auch) blutjunge Schüler und Studenten gemeint, sondern alle Menschen jeglichen Alters, die Zeit und Lust auf ein neues Hobby haben (das zudem – Win-Win-Situation – auch noch Sinn macht). Mehr Infos gibt es dazu hier: https://www.bund-naturschutz.de/artenschutz-in-bayern/erosion-der-artenkenner/natur-und-artenkenner-werden.html.

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