Warum ich mich auf meiner Website nicht verstelle

Ja, schön sind sie, diese Seiten, auf denen alles so…. perfekt aussieht. Cleane, eierschalenweiße Optik, supersachliche Texte, schlichte Stockfotos – toll.
Wie beim Zahnarzt. Oder beim Steuerberater.
Da hat man gleich das Gefühl: Die wissen, was sie tun. Die haben Ahnung. Die sind klug. Die sind echt superseriös.

Und dann klickt man weiter. Zum Beispiel auf die “Über-mich-Seite”, oder auf die “Team-Seite”, und dann sieht man das Foto dort, und denkt sich: Hä? Die lacht ja volle Kanne! Oder: Hä? Der hat ja ein Tattoo mitten im Gesicht! Oder: Hä? Die sieht ja so… alternativ aus!

Oder, noch schlimmer: Es gibt gar kein Foto von demjenigen auf der Website. Dann macht man (vollkommen ahnungslos) einen Skype-Termin mit dem Menschen aus, und auf dem Bildschirm ploppt auf: ein etwas zerzauster Herr mittleren Alters in Jogginghose und Bademantel – und im Hintergrund stapeln sich die Pizzakartons.

Saublöd ist das. Weil man da nämlich ganz, ganz tief fällt. Von der hohen Erwartung aus auf den harten Boden der Realität.

Und nein, ich habe rein gar nichts gegen Herren mit zerzaustem Haar und Pizzakarton-Stapeln (gut, das mit dem Bademantel ist wohl grenzwertig), im Gegenteil: Wenn der Typ sich genauso auf seiner Website präsentiert, als Chaot, aber als wahnsinnig kluger, genialer und hoch innovativer Chaot, der mir klipp und klar sagt, dass er zwar niemals zum Friseur geht, aber mit CSS auf WordPress so elegant spielen kann wie andere Menschen auf einer E-Gitarre – ja dann verdammt nochmal ist das doch genau mein Mann! (Also, wenn ich gerade auf der Suche nach einem WordPress-Crack bin, natürlich.)

Was ich damit sagen will: Die Website sollte genau so sein, wie du (oder dein Unternehmen) ist.

Bist du kreativ? Dann zeig das auf der Website! Bist du nachdenklich? Oder lustig? Fröhlich? Witzig? Zuverlässig? Klug? All das darf auf deiner Website zu sehen sein. Und zwar in den Fotos, durch den Stil, durch den Ton, und durch das, was da tatsächlich geschrieben steht. Überleg dir einfach: Hm, was macht mich eigentlich aus? Wie bin ich eigentlich so? Was schätzen andere Leute an mir? Was kann ich richtig gut? All das muss auf der Website zu lesen und zu sehen sein.

Und dann fragst du dich: Und was finden andere Leute vielleicht scheiße an mir?

Da fallen dir sicherlich (hoffentlich) auch ein paar Sachen ein. (Wenn dir nichts einfällt, frag einfach deine beste Freundin.) Dann nimmst du ein, zwei negative Dinge, am besten die etwas harmloseren, und: Sprichst die ganz offen an.

Also im Falle unseres genialen CSS-Cracks:

“Okay, ich gehe nicht zum Friseur. Und ich esse jeden Tag Pizza. Ja, vom Lieferservice.”

Hm, das ist etwas seltsam – aber doch irgendwie sympathisch, oder?

Und dann kommt das wichtige:

“Aber das kann dir egal sein. Denn du musst weder mit mir auf den 70.Geburtstag deiner Oma auftauchen noch über meine Blutfettwerte beim Arzt zittern.

Sondern du darfst: Einfach nur meine geniale Programmierung auf deiner Website genießen.”

Okay, das war jetzt nur ein Schnellschuss – aber irgendwie ist das doch saucool, oder?

Jupp.

Ich wiederhole also: Verstelle dich nicht für deine Website. Zeige dich genau so, wie du bist.

(Ach, und: Solltest du Zahnarzt sein, empfehle ich dir eine cleane, eierschalenweiße Optik, supersachliche Texte und schlichte Stockfotos. Logo.)

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